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Feuerwehrhaus Thema bei Gruppe 17

Am Standort Gondelteich scheiden sich die Geister

BAD PYRMONT. Die einen meinen, dass das neue Feuerwehrhaus auf keinen Fall auf den Parkplatz an Gondelteich gehört, die Politik sieht keine Alternative und Stadtbrandmeister Maik Gödeke sagt: „Es geht um Brandschutz und um Ihre Sicherheit, um nichts anderes.“ So geschehen beim Bürgerforum der Gruppe 17.

veröffentlicht am 22.11.2018 um 13:44 Uhr
aktualisiert am 23.11.2018 um 11:00 Uhr

„Es geht nicht um die Sicht der Feuerwehr, es geht um Ihre Sicherheit, um nichts anderes“, machte Stadtbrandmeister Maik Gödeke (stehend) deutlich. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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„Es war ein äußerst konstruktiver Abend“, befand am Schluss Matthias Schlüter, Ratsmitglied der SPD. Dabei hatte sich nicht ein Redner, der weder zum Rat noch zur Feuerwehr gehört, zu Wort gemeldet, der keine Kritik an der von der Politik bereits getroffenen Standortwahl äußerte oder zumindest kritisch nachfragte, wie das frühere Ratsmitglied Lutz Habenicht, der sich fragte, ob man einen „neutralen“ Standort in der Mitte zwischen Oesdorf und Holzhausen gewählte habe, damit beide Ortswehren „nicht das Gesicht verlieren“. Klar war am Ende auch, dass der Bau eines Parkhauses von niemandem gewünscht wird. „Das Parkhaus scheint gestorben zu sein“, meinte CDU-Ratsmitglied Michael Rausch.

Doch nun zurück: Das Bürgerforum begann damit, dass SPD-Chef Uwe Schrader die Chronologie der Standortauswahl nachzeichnet, die vor ziemlich genau sieben Jahren begann und zu der auch der Rücktritt des damaligen Stadtbrandmeisters Jürgen Bitterling gehörte. 17 Standorte seien untersucht worden, von denen die allermeisten aus unterschiedlichsten Gründen als unbrauchbar ausgemustert wurden – auch der von Habenicht angesprochene Platz an der Waldecker Straße, wo das Feuerwehrhaus der Pyrmonter Wehr steht. Am Ende blieben die Parkplätze hinter dem Autohaus Welger und am Gondelteich übrig – das Ergebnis ist bekannt.

„Das ist ein großer Fehler, ein Feuerwehrhaus gehört hier einfach nicht hin“, ließ sich Horstmar Kirchner, einst Leiter der Herderschule, nicht beirren und verwies darauf, dass damit der einzigartige grüne Kern Bad Pyrmonts in seiner Struktur beschädigt werde. „Die Feuerwehr ist wichtig, aber die Kurstadt ist noch wichtiger, denn ohne sie gäbe es auch die Feuerwehr nicht“, stellte er fest. Ähnlich argumentierte der ehemalige Kurdirektor Bad Pyrmonts, Heinz-Gustav Wagener, der daran erinnerte, dass man seinerzeit verhindert habe, dass der Malerblick, der aus dem Kurpark hinaus in die Landschaft führt, von einem Hochhaus zerstört wurde. „Alle Kurorte bemühen sich heute um das Potenzial an Privatgästen und die legen sehr viel Wert auf Natur und Natürlichkeit“, betonte Wagner, der sich auch im Ruhestand mit dem Kur- und Badewesen befasst. „Stellen Sie das Haus nicht in den Alleenblick, der vom Schloss über die Anzio-Allee hinüber zu den Lügder Bergen führt“, lautete sein Appell. Volker Klingler, Sprecher des Nabu Bad Pyrmont, vertrat die Meinung, dass mit dem Bau der Charakter des Fürstenbades Pyrmont bedroht sei und wies auch auf die Aspekte von Natur- und Tierschutz hin. „Die Fläche über dem Gondelteich ist Jagdrevier der Fledermäuse. Hat sich schon einmal jemand darüber Gedanken gemacht?“, sagte er. „Die Lücke baulich ganz zu verbauen, wäre nur ganz schwer verständlich“, meinte er unter Hinweis auf eine Frischluftschneise.

„Stellen Sie das Haus nicht in den Alleenblick“, appellierte der frühere Kurdirektor Heinz-Gustav Wagener (hinten). Foto: uk
  • „Stellen Sie das Haus nicht in den Alleenblick“, appellierte der frühere Kurdirektor Heinz-Gustav Wagener (hinten). Foto: uk

„Wir werden nicht den ganzen Riegel komplett verbauen“, entgegnete Lars Diedrichs, Fraktionsvorsitzender von Wir für Pyrmont unter Bezug darauf, dass seine Fraktion sich bereits gegen den Bau eines Parkhauses ausgesprochen habe und die Verwaltung auf einmütigen politischen Beschluss hin beauftragt sei, nach Alternativen zu suchen. Alle vorgebrachten Argumente seien sicherlich richtig, aber es sei auch eine Frage der Alternative. „Und da gibt es nicht viel.“

Stadtbrandmeister Maik Gödeke machte deutlich, dass es keinesfalls um die Sicht der Feuerwehr gehe, wie CDU-Ratsmitglied Michael Rausch im Laufe der Diskussion sagte. „Das verbitte ich mir.“ Es gehe vielmehr um die Belange des Brandschutzes. „Wir haben nicht gesagt ,Das Haus muss dahin‘. Das sind Ergebnisse der Untersuchung“, so Gödeke. Die Feuerwehr sei verpflichtet, gesetzlich vorgegebene Hilfsfristen einzuhalten. „Jetzt gelingt uns das, aber wird das in zehn Jahren auch noch so sein?“, meinte er mit Bezug darauf, dass es immer schwieriger werde, genügend Aktive für Einsätze zur Verfügung zu haben. „Es geht dabei um Ihre Sicherheit und um nichts anderes.“ Zudem glaube er, dass sich das Haus in die Umgebung integrieren werde. Aber unabhängig davon biete der Parkplatz auch heute schon keinen schönen Anblick, den der werde als Baustofflager missbraucht. Grünen-Chefin Ute Michel versicherte, dass der Neubau deutlich niedriger sei als die umgebende Bebauung.

Uwe Schrader wies darauf hin, dass es noch keinen Baubeschluss gebe und nicht etwa schon nächste Woche der erste Spatenstich gesetzt werde, sondern dass nun lediglich mit den Detailplanungen begonnen werde. „Dabei können noch Gründe auftauchen, die gegen diesen Standort sprechen.“ Als Beispiel nannte Schrader die Verlegung des Kanals und bezifferte die Kosten mit eine Million Euro.

Doch was passiert in so einem Fall? Kommt dann der Parkplatz hinter dem Autohaus Welger wieder ins Spiel, der im Ranking nur auf Platz 2 gelandet war, weil es einige Gründe mehr gibt, die dagegen sprechen? So wie die Situation jetzt in den Feuerwehrhäusern an der Waldecker Straße und Holzhausen sei, laufe es jedenfalls nicht, so der frühere stellvertretende Stadtbrandmeister Klaus Vogt mit Hinweis auf bauliche und sicherheitstechnische Mängel. Er forderte: „Die Stadt muss investieren.“

Information

Nach dem Bürgerforum der Gruppe 17 ist am Freitag, 23. November, die CDU an der Reihe. Sie lädt um 16 Uhr ebenfalls in die Mensa des Schulzentrums zu einem Bürgergespräch über den Standort für ein Feuerwehrhaus und die damit verbundene Parkplatzproblematik ein. Gesprächspartner seien Politiker und Politikerinnen der CDU, Vertreter der Stadtverwaltung und der Feuerwehr, heißt es in der Einladung. Der frühere Bürgermeisterkandidat der SPD und Ratsmitglied Lutz Habenicht fand es schade, dass die Stadt nicht eine gemeinsame Veranstaltung von Rat und Verwaltung zu diesem wichtigen Thema organisiert habe. Der SPD-Vorsitzende Matthias Schlüter wünschte der CDU-Veranstaltung zumindest viel Erfolg. uk



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