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Deutsch-russische Wirtschaftsgespräche

Altkanzler mit Russen in Bad Pyrmont

veröffentlicht am 30.08.2016 um 11:36 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:56 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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„Wässerchen“ sind in Russland Nationalgetränk. Mit Pyrmonter Wasser, das anders als der Wodka alkoholfrei ist, können sich die Russen aber auch anfreunden – zumal schon Zar Peter hier dessen Heilkraft verspürt hat. Bei den zweitägigen deutsch-russischen Wirtschaftsgesprächen, die – von der Industrie- und Handelskammer Hannover initiiert – gestern Nachmittag im Bad Pyrmonter Konzerthaus begannen, geht es nun um das Heilen der beiderseitigen Beziehungen. Eine Notwendigkeit, die von den Rednern nüchtern betrachtet wird: Wegen der nach Russlands Annexion der Krim und den weiteren Militäraktionen gegen die Ukraine von den westlichen Staaten verhängten Strafmaßnahmen leiden beide Seiten, betonten die versammelten Wirtschaftsvertreter und Politiker. Deshalb müsse alles für eine schnelle Beilegung des Streits getan werden.

Von einem dreistelligen Milliardenbetrag als „Gesamtlast durch die Sanktionen“ sprach Burkhard Dahmen vom Ostausschuss der deutschen Wirtschaft. Der Handel der Europäischen Union mit Russland sei seit 2013 von 326 auf 200 Milliarden Euro gesunken, der Wert der Ausfuhren deutscher Unternehmen nach Russland habe sich 2015 halbiert. „Ganze Märkte könnten nachhaltig verloren gehen“, warnte der Unternehmer. Denn Staaten wie China und Brasilien versuchten, die Lücken zu füllen. Auch die europäische und vor allem niedersächsische Landwirtschaft leide erheblich. Der Preisverfall bei Getreide, Milch und Fleisch sei eine Folge der Sanktionen, die in Westeuropa zu einem Überangebot geführt haben.

„Unser Agrarexport nach Russland war immer wichtig“, bestätigte Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD). Er verzichtete wie alle Redner des ersten Veranstaltungstages auf Hinweise zu der von Moskaus Führung ausgehenden Gewalt nach außen und gegen Kritiker im eigenen Land.

Wladimir Dmitriew, Vizepräsident der russischen Handels- und Industriekammer und früherer Ministeriumsmitarbeiter, berichtete von gesenkten bürokratischen Barrieren, Maßnahmen gegen die Korruption und weiteren Erleichterungen für Investoren. Er warb bei den Deutschen dafür, „gemeinsam neue Produktionen aufzubauen, nicht nur für den russischen Markt, sondern auch darüber hinaus“. Mit Spannung wird nun gewartet, ob heute Vormittag Russlands Botschafter Wladimir Grinin in Bad Pyrmont klar macht, wie es politisch weitergehen kann. Es könnte ein Vorgeschmack auf das Sondertreffen der Außenminister aus den OSZE-Staaten, darunter Russland, morgen in Potsdam sein. Minister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will dort ein neues System der Rüstungskontrolle in Europa vorstellen. Die heimische Bundestagsabgeordnete, Staatssekretärin Gabriele Lösekrug-Möller (SPD), erinnerte am Rande des Pyrmonter Treffens: „Die Situation war zu Beginn der Ostgespräche in den 70er Jahren viel frostiger als heute.“ Christian Hinsch, Präsident der IHK Hannover, betonte: „Der russische Bär und die deutsche Eiche halten Frostperioden aus. Es sollte aber keine Eiszeit werden!“ Die deutschen Unternehmen sollten ihre persönlichen Kontakte zu den Russen halten, präsent bleiben. Kurdirektor Maik Fischer kündigte den Gästen als Pyrmonts Beitrag zu Entspannung an: „Morgen wird für Sie ein Masseur im Hintergrund bereitstehen.“



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