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Von einer anderen Arbeitswelt in der Tabakindustrie

Als im Pyrmonter Tal noch Zigarren gedreht wurden

BAD PYRMONT. Die historische Fotografie aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erinnert an eine Zeit, in der es auch in einem so renommierten Kurort wie Bad Pyrmont nicht so gut ging, dass die Bewohner in den Dörfern allein vom Kurbetrieb, von der Landwirtschaft oder vom Handwerk hätten leben können. Im Gegenteil, viele junge Männer verdingten sich als Wanderziegler, viele Frauen waren dankbar, dass sie eine, wenn auch schlecht bezahlte, Arbeit fanden in der Tabakindustrie.

veröffentlicht am 28.08.2017 um 16:09 Uhr

Männer kontrollieren, Frauen arbeiten in der Zigarrenfabrik – für wenig Lohn. Foto: Museum im Schloss Bad Pyrmont

Autor:

Dr. Dieter Alfter
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In diesem Fall sind es Zigarrenarbeiterinnen in Holzhausen, die, kontrolliert von männlichen Aufsehern, kritisch auf die Arbeit des Fotografen reagieren. Damals gab es im Pyrmonter Raum noch elf Betriebe mit 304 Beschäftigten, dazu kamen die Frauen, die als Heimarbeiter tätig waren. Im benachbarten Lügde gründete sich 1858 die Zigarrenfabrik Schwering und Hasse, bei der zu Spitzenzeiten 600 Arbeiterinnen beschäftigt waren.

In den Pyrmonter Betrieben, von denen die bedeutendsten Unternehmen ihren Standort in Holzhausen an der Schiller-, der Griessemer- und der Hagener-Straße hatten, wurden jährlich etwa 15 Millionen Zigarren hergestellt, die sich bis 1914 auf die Zahl von 3o Millionen Zigarren steigerte. Schon die Kinder lernten das „Wickelmachen“, die Herstellung des Zigarrenkerns. Erst wer das beherrschte, durfte die Zigarre mit Deckblättern versehen. Die größte Kunst war dann das mühsame Sortieren nach Farben, eine höchst anspruchsvolle Arbeit.

Das Weserbergland war insgesamt wie auch das benachbarte Lipperland und Ost-Westfalen Lippe ein hochbedeutender Produktionsort von Zigarren. Der Tabak wurde von Bremen aus per Schiff nach Höxter transportiert, von dort mit dem Fuhrwerk, später mit der Bahn zu den Produktionsorten und natürlich zu den billigen Arbeitskräften gebracht. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges verdienten Frauen wöchentlich 3 bis 6 Mark, ein tüchtiger Arbeiter brachte es in der gleichen Zeit auf 16 bis 18 Mark, ein Sortierer kam auf 18 bis 20 Mark.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden immer häufiger Maschinen zur Zigarrenherstellung eingesetzt. Die vollautomatische Produktion verdrängte die Kleinbetriebe. Im Jahr 1956 schlossen die beiden Unternehmen Ohm und Zetzsche. Die „Pyrmonter Nachrichten“ titelten in jenem Jahr „Bad Pyrmonts Zigarrenindustrie gibt auf“.

Allein der Konsum von Zigarren schrumpfte noch nicht. Bundeskanzler Ludwig Erhard, Sinnbild für das deutsche Wirtschaftswunder und treuer Kurgast in Bad Pyrmont, „dampfte“ vor sich hin. Experten haben errechnet, dass er 153 000 Zigarren geraucht haben soll. Ob darunter auch Fabrikate aus Bad Pyrmont und Lügde gewesen sind, das wurde leider nicht ermittelt.



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