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Fotograf A. Brauss hat mit seinen Ansichtskarten Holzhausens ländlichen Charakter festgehalten

Als die Dorflinde weichen musste

BAD PYRMONT. Der Fotograf A. Brauss, Vater des an der Holzhäuser Schule tätigen Lehrers Erwin Brauss (1898-1978), verlegt in den frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts drei Postkarten, die den ländlichen Charakter und die einzigartige Idylle dieses Dorfes beschreibt.

veröffentlicht am 07.06.2017 um 14:03 Uhr

Die 1930/31 entstandene Postkarte zeigt noch das ländlich geprägte Holzhausen - mit breiten Bürgersteigen, mächtigen Bäumen und Geschäften. Die Karte fertigte der Fotograf A. Brauss an. Foto: Sammlung Museum im Schloss.

Autor:

Dr. Dieter Alfter
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Die Postkarten gewähren einen Blick in die „Hauptstraße“, der heutigen Schillerstraße ,dann in die Grießemer Straße mit dem ältesten Fachwerkhaus Holzhausens und die dritte Postkarte vermittelt eine Vorstellung von „Holzhausen am Wegweiser“ , der zentralen Wegegabelung der Straßen von Bad Pyrmont wahlweise in Richtung Bielefeld/Hameln oder hinauf auf den Hagen. Das Trafohäuschen im Zentrum dieser dritten Fotografie ist schon zu jener Zeit ein Sinnbild für die Wandlung des Dorfes Holzhausen, das 1938 gegen den Widerstand vieler Einwohner von Bad Pyrmont eingemeindet wird. Just an dieser Stelle befand sich damals früher die für eine Dorfgemeinschaft so symbolträchtige Dorflinde.

Der Fotograf Brauss hat um 1931/32 genau zur richtigen Zeit ein kleines Postkarten-Portrait des Dorfes Holzhausen gefertigt. Noch ist der ländliche Charakter der Hauptstraßen von einer besonderen Charakteristik: Die Fahrstraße ist geprägt von breiten Bürgersteigen , mächtige Bäume werfen ihren Schatten in die liebevoll gepflegten und bepflanzten Vorgärten geprägten Straßen, Geschäfte und Gartenwirtschaften sind Teil der Hauptstraße.

Ein rascher Rückblick auf die Geschichte Holzhausens und seine Beziehung zum Kurort Pyrmont. Zum Dorf Oesdorf auf der östlichen Seite des Kurzentrums führt schon vor 1720 die schnurgerade Brunnenstraße. Im Haufendorf Oesdorf sind – neben der Landwirtschaft – vor allen Dingen Handwerksbetrieben ansässig, die für den Kurort arbeiten. Die Schlossstraße mit dem Zollhaus am Ende dieses Weges leitet auf der anderen Seite von Pyrmont über in die heutige „Schillerstraße“, die im Jahr 1817 den Straßennamen „Am nigen Wege“ erhält. Die Bedientesten des Bades sollten hier, so war es der Wunsch der Fürsten zu Waldeck und Pyrmont, ein krisenfestes Haus bauen können, teilweise finanziert durch fürstliche Privilegien und Zuwendungen. Aber Holzhausen als Dorf ist schon auch die Jahrhunderte zuvor vor allem der Hauptlieferant landwirtschaftlicher Produkte und stellt Personal für den Kurbetrieb. Die Bewohner von Holzhausen wie Oesdorf bilden grundsätzlich die Grundlage für den überregional bedeutenden Kurort Pyrmont, ja sie profitieren erheblich von seinem internationalen Ansehen. Wie hat sich doch Holzhausen, betrachtet man die Postkarten von A. Brauss, in der vergangenen Zeit gewandelt. Es ist nach wie vor immer noch ein attraktives Wohngebiet für junge Familien, aber den dörflichen Charakter mit Gassen und Fachwerkgebäuden, gerade im Dorfkern, sucht man vergeblich. Als ich 1984 als Museumsleiter nach Bad Pyrmont kam, war Holzhausen deutlicher vom Dorfcharakter geprägt. Damals gab es engagierte Arbeitsgruppen, die sich für den Erhalt des Dorfbildes starkmachten. Holzhausen als einwohnerstärkster Ortsteil Bad Pyrmonts war damals auch der politisch bedeutendste Motor. Ein Motor, der sich um den Erhalt von Fachwerkhäusern einsetzte.

Den Anbruch einer neuen Zeit symbolisiert dieses Bild von A. Brauss. Dort, wo das Trafohäuschen steht, befand sich zuvor die Dorflinde. Foto: Sammlung Museum im Schloss.
  • Den Anbruch einer neuen Zeit symbolisiert dieses Bild von A. Brauss. Dort, wo das Trafohäuschen steht, befand sich zuvor die Dorflinde. Foto: Sammlung Museum im Schloss.

Heute wäre es schon sinnstiftend, wenn man sich um Fußgänger und Fahrradfahrer in der Schillerstraße Gedanken macht und Überlegungen anstellt, wie man mit dem Pflanzen von Bäumen in dieser heute, von Autos geprägten Durchgangsstraße die Idee der für Pyrmont so prägenden Alleen in Erinnerung rufen kann.



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