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Gustl Mollaths Pyrmonter Freund über seine Verhandlung wegen Meineids vor dem Amtsgericht Regensburg

„Alles nur wegen eines Fetzens Papier“

BAD PYRMONT. Gustl Mollaths Freund Edward Braun aus Bad Pyrmont ist auf die bayerische Justiz nicht gut zu sprechen. Der Prozess wegen Meineids vor dem Amtsgericht Regensburg sei ein politisch motivierter Prozess gewesen, sagt er jetzt im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich hatte keine Chance.“

veröffentlicht am 20.04.2017 um 17:02 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:28 Uhr

Gustl Mollath ist Deutschlands bekanntestes Justizopfer. Seit 2010 setzte sein Freund aus Bad Pyrmont alle Hebel in Bewegung, um ihm zu helfen. Kürzlich landete der Zahnarzt selber vor Gericht. Foto: dpa
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Das Amtsgericht Regensburg hatte den Zahnarzt aus Bad Pyrmont wie berichtet zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er in dem Prozess gegen Deutschlands bekanntestes Justizopfer einen Meineid geschworen habe. „Und das alles nur wegen eines Fetzens Papier“, ärgert sich der 69-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung.

Braun hatte ab 2010 alle Hebel in Bewegung gesetzt, um seinem Freund Mollath zu helfen, der acht Jahre lang in der Psychiatrie einsaß, bevor ihn das Landgericht Regensburg in einem Wiederaufnahmeverfahren freisprach. Doch als Zeuge in dem Prozess brachte sich der Pyrmonter selbst in Bedrängnis. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, in Bezug auf ein Telefongespräch unter Eid wissentlich und wahrheitswidrig über ein Komplott der Ex-Frau von Mollath ausgesagt zu haben.

Doch von dieser Anklage blieb nicht viel übrig. Einen Beweis dafür, dass dieses Telefonat nicht wie geschildert stattgefunden habe, so stellte das Amtsgericht Regensburg fest, gebe es nicht.

Verurteilt wurde der Pyrmonter vielmehr dafür, weil er behauptet hatte, sich zeitnah nach dem Telefonat Notizen auf seiner Schreibtischunterlage von 2002 gemacht zu haben. Das hält das Gericht nämlich für widerlegt. Ein Gutachter hatte festgestellt, dass diese Notizen erst sehr viel später geschrieben worden seien. „Er konnte aber nicht sagen wann“, betont Braun.

Das Strafmaß blieb deutlich hinter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten zurück. „Ich habe diese Schreibtischunterlage freiwillig abgegeben“, betont der Zahnarzt, der das Verfahren des Gutachters als nichtwissenschaftlich kritisiert. „Ich wollte ein neutrales Gutachten, aber das hat das Gericht abgelehnt.“

Der Prozess gegen ihn selber spiegele eins zu eins das erste Verfahren gegen seinen Freund Mollath wider, lautet sein Fazit „Damals wollte niemand wirklich in die Tiefe gehen und diesmal auch nicht.“ Und dennoch hat er das Urteil auf Anraten seines Anwalts akzeptiert – ebenso wie der Regensburger Staatsanwalt, der ursprünglich eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung gefordert hatte. „Ich wollte Rechtssicherheit haben und finanzielle Risiken vermeiden“, begründet der 69-Jährige seine Entscheidung.

Stolz mache ihn aber, dass sein Freund 2013 auf sein Betreiben und mit seiner Unterstützung mit einer Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht Erfolg hatte. Die Gründe für eine weitere Unterbringung Mollaths in der Psychiatrie seien nicht ausreichend gewesen, so die Richter in Karlsruhe damals. „Damit kann ich erhobenen Hauptes zurückblicken“, betont Braun.

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