weather-image
17°

Exzellentes Konzert mit Stadtkirchenkantor Dirk Brödling

Alles kreist um Bach

BAD PYRMONT. Schon das erste Konzert in der Reihe des 5. Bad Pyrmonter Orgelfrühjahrs war ein absolutes Highlight, doch das zweite am Freitagabend konnte dieses Klangerlebnis sogar noch toppen. Stadtkirchenkantor Dirk Brödling hatte ein Programm zusammengestellt, das eigentlich kein Thema hatte und doch immer wieder um Johann Sebastian Bach kreiste.

veröffentlicht am 05.05.2019 um 17:35 Uhr

Stadtkirchenkantor Dirk Brödling spielt an der Führer-Orgel. Foto: rr
IMG-20161016-WA0000

Autor

Rudi Rudolph Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Ein Konzert ohne Thema, „da kann man suchen, solange man will,“ doch stellte Brödling in seiner Moderation zwischen den Stücken immer wieder überraschende Verbindungen her. So etwa bei August Gottfried Ritter (Sohn), der aus dem Kreis der „Enkelschüler“ stammte, die bei Bach studiert hatten. Dessen „Orgelsonate Nr. 3 in a-moll op. 23“ erklang in einer Einsätzigkeit, bei der die fünf Sätze ineinander übergingen, so dass es schwerfiel, Sätze wie „Rasch“, „Andante“ oder „Entschlossen mit Variationen“ zu unterscheiden, was aber letztlich doch recht gut gelingen konnte, wenn man tief in die Musik eintauchte. Der energische Gedanke zu Anfang, in der Mitte und am Ende war charakteristisch, das Choralzitat tauchte gelegentlich auf, und der Schluss gestaltete sich intim und zögernd eher klassisch.

Das akzentuierte Spiel Brödlings, seine Virtuosität in der rechten Hand und sein Ehrgeiz zur Perfektion machten die fast zwanzig Minuten der Sonate zu einem Erlebnis. Aus einer Epoche vorher stammte die „Orgelsonate in D-Dur op. 1, Nr. 4“ des Benediktinermönchs Franz Xaver Schnizer, der im oberschwäbischen Kloster Ottobeuren Organist im dortigen Stift war. Er hatte sie seinem Abt gewidmet, und manche seiner Werke sind bis heute noch unveröffentlicht.

Dirk Brödlings Interpretation machte das Filigrane, Sprudelnde und Liebliche der Komposition deutlich, schwebend und mit ebensolcher Zartheit und doch Intensität auf der Führer-Orgel der Christuskirche erlebbar. Dagegen hielt er den jungen Bach, der damals eigentlich schon als der „5. Evangelist“ gegolten hatte und in dem „Präludium und Fuge in D-Dur, BWV 532“ eher gründlich enttarnt wurde. Dieses zweisätzige Stück, das zu den meistgespielten zählt, ist Ausdruck der Rebellion Bachs. Zu jener Zeit war er unzuverlässig, extravagant und wollte zeigen, was er kann. Sein Motto „ Ich bin jung, mir gehört die Welt, und das zeige ich nun mal,“ interpretierte Brödling enthusiastisch und mit viel Verve, vor allem mit exzellenter virtuoser Fußarbeit an der Orgel.

Eine Komposition, die Wolfgang Amadeus Mozart „keinen Spaß gemacht hatte“, war die „Fantasie in f-moll KV 594“, die jedoch die Vorzeit, „gelehrt“, und die Mozartzeit, „galant“, in einer Stilsynthese vereinte. Zu Beginn und am Ende thematisiert das Stück in Moll den Tod eines Feldmarschalls, im mittleren Teil wurden seine Taten gewürdigt, natürlich in Dur. Was hat Carl Piutti mit Bach zu tun? Nun, der Professor in Leipzig war Organist an der Thomaskirche, wo Bach als Organist gewirkt und den Orgelneubau der Sauer-Orgel initiiert hatte. Sein „Finale in g-moll (aus op. 22)“ „sprengt die Barockorgel-Stimmung, aber das macht ihren Reiz aus,“ kündigte Dirk Brödling an, und beendete mit wuchtiger Präsenz der Orgel einen beeindruckenden Abend.

Zum Abschlusskonzert des Bad Pyrmonter Orgelfrühjahrs am kommenden Sonntag, 12. Mai, um 19.30 Uhr gastiert der Herforder Kirchenmusikdirektor und Hochschullehrer Stefan Kagl als Solist in der Stadtkirche. Er ist über Deutschland hinaus auch international als Konzertorganist in Frankreich, Skandinavien, Russland und den USA tätig. In Bad Pyrmont spielt er die zwei berühmtesten Toccaten der Orgelliteratur (Bach und Widor), Werke seines Orgellehrers Jean Langlais sowie Werke des französischen Salonorganisten Lefébure-Wély. Italienische Opernparaphrasen ergänzen den romantischen Teil des Programms. Der Eintritt zum Konzert kostet 10 Euro (ermäßigt 7 Euro).



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?