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Für Silke Schauer und Heinz-Hermann Blome ist die Programmgestaltung ein schwieriger Balanceakt

Alle vier Wochen eine große Veranstaltung

Bad Pyrmont (Hei). Es ist ein schwieriger Balanceakt, den die Veranstaltungsleiterin des Staatsbades, Silke Schauer, jedes Jahr aufs Neue vollführt. Zwischen dem, was die theatererprobte Dramaturgin machen möchte und dem, was überhaupt machbar ist, klafft oft eine große Schere. Wenn sie in Abstimmung mit Kurdirektor Heinz Hermann Blome das Programm für die kommende Saison zusammenstellt, muss sie nicht nur die Kurgäste als ihre Hauptklientel bedienen und das Pyrmonter Publikum im Auge behalten, sondern auch und mindestens ebenso dringend die wirtschaftlichen Möglichkeiten ihres Budgets ausloten.

veröffentlicht am 22.11.2010 um 17:51 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 23:41 Uhr

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Rund 600 000 Euro sind für das Veranstaltungsprogramm 2011 (wir berichteten) veranschlagt, etwa 100 000 Euro werden als finanzielle Unterstützung oder als Sachleistungen verschiedener Förderer erwartet. „Es wird immer schwieriger, und ohne Sponsoren wäre ein so vielseitiges und auch anspruchsvolles Programm, wie wir es bieten, gar nicht mehr möglich. Schließlich soll es nicht nur Spaß machen, sondern ist auch Teil der Infrastruktur und des Tourismus “, betont der Kurdirektor.

Neue Zielgruppen suchen und die Saison durch attraktive Veranstaltungen verlängern: Das sind zwei der Möglichkeiten, um das gewohnte Kulturprogramm, das in anderen Bädern längst schon abgespeckt wurde, aufrechtzuerhalten. Mindestens alle vier Wochen sollte eine große Veranstaltung stattfinden, ist das gesteckte Ziel. „Ganzheitliche Erlebnisse wie die Illumina oder die Winterträume haben gezeigt, dass so etwas gut angenommen wird – selbst bei nicht so idealem Wetter“, sagt Schauer. Dabei wagt das Veranstaltungsteam auch unkonventionelle Experimente: „Das sind in diesem Jahr zum Beispiel vom 2. bis 4. Juni die 18. Deutschen Baumkletter-Meisterschaften, bei der die kletternden Baumpfleger ihren ungewöhnlichen Beruf demonstrieren, ihren Meister küren und außerdem den Besuchern Infos rund um das Thema Baum vermitteln.“

Dabei ist das Staatsbad bemüht, auch einen der schönsten deutschen Kurparks zu vermarkten. „Früher wurde der Park nur als Kulturdenkmal genutzt, aber heute müssen wir neue Wege gehen. Und dass es funktioniert, zeigen Events wie das Kleine Fest, bei dem die Leute auf dem Rasen Picknick machen, oder die ADAC-Veranstaltung, bei der Oldtimer auf den Wegen parken. Beides hinterlässt keine nachhaltigen Spuren, und die Oldtimer-Fahrer schwärmen jedes Mal, dass nirgendwo ihre Autos so schön präsentiert werden wie bei uns“, so Blome. Zu diesem neuen Konzept gehört es auch, dass sogar Hunde bei solchen Veranstaltungen mit in den Park dürfen – früher undenkbar.

Eine neue Klientel für das Programm hat Silke Schauer mit dem „Operette sich wer kann“-Konzept gewonnen. Da kommen Leute in Gruppen mit dem Bus, trinken Kaffee, gehen durch den Kurpark und dann ins Theater, bekommen ein Glas Sekt und zum Abschied eine Rose,“ erläutert die Veranstaltungsleiterin. Das ganze Paket ist zu einem echten Renner geworden. Und zum Inhaltlichen ergänzt der Kurdirektor: „Wir haben keinen Bildungsauftrag im klassischen Sinne. Das große Schauspiel mit namhaften Bühnenstars ist ein Kulturereignis, das wegen der hohen Gagen nicht mehr zu bezahlen ist. Wir bemühen uns um Künstler, bei denen man spürt, dass sie noch groß werden. Ein Beispiel ist Bauchredner Sascha Grammel, der bei unserem Kleinen Fest war und jetzt im Fernsehen groß rauskommt. Und mit den namhaften Künstlern, die schon einmal hier waren, halten wir weiterhin Kontakt. Nur so ist es uns gelungen, Justus Frantz für diesen Sommer zu engagieren.“

Und weil nicht mehr so viele Menschen die Sinfoniekonzerte abonnieren, wird nicht an der Qualität, sondern an der Quantität gespart: Im kommenden Jahr gibt es statt acht nur noch sechs Abokonzerte.

Gut 135 000 Besucher kamen in diesem Jahr zu den Veranstaltungen, und diese Zahl möchte man möglichst auch 2011 verbuchen. Was fehlt, ist noch ein Kleinkunstraum. Solange hier nicht die ideale Lösung gefunden ist, dient das Kurtheater der Kleinkunst, die immer beliebter wird. Und wenn im Kurtheater nur das Parkett besetzt ist und die Ränge leer bleiben, liegt das nicht am mangelnden Interesse der Besucher, sondern daran, dass die obere Etage aus Gründen des Brandschutzes geschlossen bleiben muss.

„Damit das Kulturprogramm auch künftig funktioniert, müssen alle an einem Strang ziehen, ist ein Netzwerk wichtiger als je zuvor. Dazu gehört nach Meinung Blomes auch, dass der Einzelhandel mitzieht und einheitliche Öffnungszeiten anbietet. „Denn jeder Tagesgast kann ein Kurgast von morgen sein“, betont Blome.

Kurdirektor Heinz-Hermann Blome und Veranstaltungsleiterin Silke Schauer anlässlich der Vorstellung des Jahresprogramms 2011.

Foto: Hei



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