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Ein (fast) vergessener Raum

Adventskalender Tür 8: Kino im Bathildiskrankenhaus

Bis Weihnachten wollen wir für Sie, liebe Leserinnen und Leser, Türen öffnen. Die Redaktion besucht Orte, die nicht für jedermann zugänglich sind und verrät das ein oder andere Geheimnis, das hinter dem Türchen steckt. Heute entdecken wir einen Raum auf dem Dachboden des Pyrmonter Bathildiskrankenhauses.

veröffentlicht am 08.12.2017 um 08:00 Uhr

Bruno Schmalkuche (li.) hat einst für die technische Abteilung des Krankenhauses gearbeitet. Er kann sich noch gut daran erinnern, dass in dem kleinen Raum oberhalb des Hörsaals nicht nur dieses „Epidiaskop III S“, sondern auch ein Filmprojektor stan
Hans-Ulrich Kilian

Autor

Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite

BAD PYRMONT. Wer diese Tür finden will, muss sich auskennen. Justus Thiede, stellvertretender Geschäftsführer des Pyrmonter Bathildiskrankenhauses, kennt sich aus. Mit dem Fahrstuhl geht es ganz nach oben in die fünfte Etage. Dann weiter an vielen Patientenzimmern vorbei bis an das Ende eines Flurs durch eine Glastür und hinauf auf einen Dachboden. Hier befindet sich ein kleiner, abgeschlossener Raum, der eine Überraschung birgt. Auf einem Schrank steht ein gut 60 Jahre alter Leitz-Großraumprojektor – ein sogenanntes Epidiaskop. Im Boden des Raums sind Schienen eingelassen, damit das Gerät bewegt werden kann. Sie erinnern auch daran, dass hier einst außerdem ein Filmprojektor gestanden hat.

Der kleine Raum auf dem Dachboden befindet sich oberhalb vom Hörsaal des Krankenhauses und die wenigsten Mitarbeiter des Krankenhauses dürften ahnen, was es damit auf sich hat. Bruno Schmalkuche (Jahrgang 1931) weiß es. Der Rentner hat bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand für die technische Abteilung des Hauses gearbeitet und er kann sich noch ganz genau erinnern. „Im Hörsaal gab es Kino“, berichtet er. 1953 wurde das Haus als modernstes Versorgungskrankenhaus Deutschlands mit 10 Stationen zu je 30 Betten eröffnet. Es hatte die Aufgabe, „Schwerbeschädigte gesundheitlich wieder herzustellen und zu lebensfrohen Menschen“ zu machen, wie es in einer alten Wochenschau heißt. Es muss ein beeindruckendes Bild gewesen sein, als damals die Patienten, hauptsächlich Kriegsversehrte, in das Krankenhaus einzogen. „Mit allen möglichen Hilfsmitteln hievten sie sich die steile Straße hoch“, kann sich Schmalkuche noch gut erinnern. Fernseher auf den Zimmern gab es nicht, also kam die Leitung des Hauses auf die Idee, im Hörsaal Filme zeigen zu lassen. Als Vorführer wurde Gustav Ohm engagiert, der in Barntrup ein Kino betrieb. An Titel wie „Grün ist die Heide“, Ferien vom Ich“ oder „Ich denke oft an Piroschka“ kann sich Bruno Schmalkuche erinnern. „Gustav Ohm hat Heimatfilme und Kulturfilme gezeigt aber auf keinen Fall Krimis, die waren zu aufregend“, erzählt er. Die Vorstellungen seien gut besuch gewesen, der Saal fast immer voll. „Laufen konnte kaum einer, die meisten saßen im Rollstuhl.“ Aber nicht nur Patienten, sondern auch Mitarbeiter des Hauses gehörten zu den Zuschauern. Sie zahlten 50 Pfennig und ließen sich in eine andere Welt entführen. Zweimal wöchentlich gab es in den 50er und 60er Jahren Vorstellungen. Doch das Interesse ließ nach, es kamen immer weniger Zuschauer. In den 70er Jahren war dann Schluss mit Kino im Krankenhaus.

Der Filmprojektor ist im Laufe der Zeit verschwunden, niemand weiß, was damit geschehen ist. Nur noch der Leitz-Großraumprojektor, mit dem sich die Ärzte damals Röntgenbilder und medizinische Schaubilder in den Hörsaal übertragen ließen, blieb übrig. „Er ist zu groß, um ihn abzutransportieren“, sagt Justus Thiede, der sich sehr dafür interessiert. Aber da der Raum ohnehin nicht genutzt werde, störe das Gerät nicht. So bleibt des die einzige Erinnerung an die Kino-Vergangenheit des Bathildiskrankenhauses.

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