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Warum man erst warten muss, bevor man das Brunnenhaus in Bad Pyrmonts Innenstadt betreten kann

Adventskalender Tür 20: Das Geheimnis der Trampelquelle

BAD PYRMONT. Bis Weihnachten wollen wir für Sie, liebe Leserinnen und Leser, Türen öffnen. Die Redaktion besucht Orte, die nicht für jedermann zugänglich sind und verrät das eine oder andere Geheimnis, das hinter dem Türchen steckt. Heute: ein Blick hinter die Tür der Trampelquelle

veröffentlicht am 20.12.2017 um 05:35 Uhr

Quellmeister Dirk Langhammer gewährt einen Blick in die Quellstube der Trampelquelle. Foto: ti
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Klaus Titze Reporter

Nicht nur, dass sie sich versteckt oberhalb der Stadtsparkasse in einem mit Bruchstein gemauerten Gebilde befindet. Sie sichert sich auch mit einem unsichtbaren Gas. „Bevor wir hineingehen können, müssen wir zunächst noch etwas warten“, erklärt Dirk Langhammer. An dieser Quelle treffe ich also nicht Undina, die Singspiel-Hüterin der Pyrmonter Quellen, an, sondern einen beim Staatsbad beschäftigten Quellmeister, der mit seinem für die technischen Dinge zuständigen Mitarbeiter Patrik Wiegand für die Sicherheit, Funktionsfähigkeit und Qualität der derzeit sieben genutzten Quellen als Wasserspeicher zuständig ist.

Als wir uns der Eingangstür nähern, beginnt plötzlich ein an Langhammers Gürtel hängendes elektronisches Gerät zu piepen und zu blinken. Und je näher wir kommen, desto aufgeregter scheint die Technik uns auf eine Gefahr aufmerksam machen zu wollen. „Das Gerät misst die Intensität von Kohlendioxid, das hier aus der Quelle austritt“, erläutert der Fachmann. Nachdem er die Tür aufgeschlossen und geöffnet hat, geht er vorsichtshalber wieder ein paar Schritte zurück.

Alle aktiv in Bad Pyrmont genutzten Quellen geben mehr oder weniger Kohlendioxid frei. Auch hier, an der Trampelquelle, tritt das Gas, das schwerer als Sauerstoff ist, wie bei der Dunsthöhle aus, nur mit dem Unterschied, dass es in der Dunsthöhle trocken entweicht und bei den anderen Quellen zunächst wassergebunden nach oben steigt. „Kohlendioxid wird in Bad Pyrmont als Heilmittel separiert und angewendet“, erklärt Langhammer. Doch hier an der Trampelquelle ist es eher ein Nebenprodukt, das ungenutzt in die Umluft abgegeben wird. An der Helenenquelle hingegen werde das Gas direkt abgepumpt und dem Königin-Luise-Bad (KLB) zugeführt. Diese Quelle hat den Namen laut Quellmeister nicht daher, dass hier jemand kräftig auf den Boden trampelte und so das Wasser zutage förderte. Bei dieser Quelle handelt es sich um eine sogenannte „artesische Quelle“, bei der sich das Wasser durch Erdverschiebungen und den Druck des umliegenden Grundwasserspiegels den Weg nach oben zu einem natürlichen Austritt bahnt. „Diese Quelle wurde also nicht gebohrt – und deshalb liegt auch kein geologisches Profil vor.“ Lediglich Laboranalysen weisen nach, dass verschiedene Mineralien aus durchdrungenen Gesteinsschichten ausgeschwemmt werden. So enthalte das Quellwasser, das aktuell mit rund 52 Litern pro Minute heraussprudelt, pro Liter 158 mg Calcium, 405 mg Hydrogencarbonat, 38,8 mg Magnesium, 184 mg Sulfat und 1720 mg Kohlendioxid. Das als Säuerling bezeichnete Wasser werde vorrangig zu Trinkzwecken in der Wandelhalle, im KLB und in der Fürstenhofklinik angeboten, Aber auch das Tretbecken im Kurpark wird mit dem Heilwasser befüllt.

Unter dem Gitter befindet sich das ausströmende Quellwasser. Foto: ti
  • Unter dem Gitter befindet sich das ausströmende Quellwasser. Foto: ti
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Nach längerem Warten verstummt das Warngerät, die Quellkammer kann betreten werden. Unterhalb eines Schutzgitters brodelt es förmlich, als koche das Wasser, so stark drängt das Quellwasser in das Auffangbecken. Von hier aus läuft das Wasser in einem unterirdischen Rohrsystem im freien Gefälle bis zum Brunnenplatz, wo es dann zu den Endabnahmestellen verteilt wird. Mit nicht benötigtem Wasser wird auch der Brunnen am Rathaus gespeist.

Der Name der Quelle ist nach dem berühmten Pyrmonter Badearzt Dr. Johann E. Trampel benannt, der von 1737 bis 1817 lebte. In seinem Garten entsprang die Quelle und stürmte so auf natürlichen Wege ans Tageslicht.

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