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Neustart mit neuem Namen im Süden

Abschied von „Gerd“ – Pyrmonter Kragenbär zieht weg

BAD PYRMONT. Seit Dienstag ist die Kragenbären-Haltung im Pyrmonter Tierpark Geschichte. Am späten Vormittag öffnete Betreiber Linus Kampe das Tor für Bernd Nonnenmacher und Esther Kohnke vom „Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald“. Dann ging alles ganz schnell.

veröffentlicht am 13.03.2018 um 21:27 Uhr

Abschiedsfoto: An seinem letzten Tag im Pyrmonter Gehege hat Maya Kampe Kragenbär „Gerd“ beim Sandbaden fotografiert. Foto: pr
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Das zweiköpfige „Rettungsteam“ von der „Stiftung für Bären“, die den Park in Süddeutschland betreibt, fuhr den Transporter samt Hänger vors Bärengehege. Und schon nach wenigen Minuten war die Transportbox mit Kragenbär „Gerd“ darin verladen. Aus dem an den Längsseiten mit Luftlöchern versehenen Kasten war nur noch zu hören, wie das rund 32 Jahre alte Tier gelegentlich mit seinen langen Krallen am Boden kratzte. In dem zehn Hektar großen Park in Bad Rippoldsau-Schapbach wird der Bär nun deutlich mehr Platz bekommen als in seinem bisherigen 150-Quadratmeter- Gehege in Bad Pyrmont.

Wer Gerd gestern gern noch einmal gesehen hätte, wurde enttäuscht. Die Tierpark-Crew hatte ihn schon am Morgen in die Transportkiste befördert. Ziel sei es gewesen, den betagten Bären möglichst nicht zu stressen, sagt Linus Kampe. „Er ist da ganz entspannt reingegangen.“

Schon während der vergangenen Wochen war Gerd an die Kiste gewöhnt worden. Zunächst wurde sie als Schleuse zwischen dem Außen- und Innenbereich des Geheges in seinen Alltag eingebaut. Er musste also immer wieder durch. „Und letzte Woche haben wir ihn in der Kiste gefüttert“, sagt Kampe.

Gerd schüttelt sich in der Box.Foto: Kampe/pr
  • Gerd schüttelt sich in der Box.Foto: Kampe/pr
Abfahrt Richtung Schwarzwald: Kragenbär „Gerd“ lässt sein altes Leben im kleinen Gehege hinter sich. Foto: jl
  • Abfahrt Richtung Schwarzwald: Kragenbär „Gerd“ lässt sein altes Leben im kleinen Gehege hinter sich. Foto: jl

In den vergangenen Tagen seien dann doch immer wieder Fans von Gerd gekommen, um Abschied zu nehmen. „Er war beliebt und längst vielen Leuten ans Herz gewachsen.“ Dass sich das betagte Tier mit seinen bisherigen Umfeld irgendwie arrangiert hatte, zeigt ein Foto, dass Kampes Tochter Maya noch am Montag schoss: Da nahm der Bär rücklings ein Staubbad im Gehege. „Gerd macht einen sehr guten Eindruck“, sagt Bernd Nonnenmacher. „Wir hoffen, dass er bei uns noch ein paar gute Jahre hat.“

„Dass Gerd uns verlässt, schmerzt uns sehr“, sagt der Pyrmonter Tierpark-Chef. „Aber es war seit Jahren unser Anliegen, ihn an einem Ort unterzubringen, an dem er mehr Platz hat.“ Darüber, dass das nun geklappt habe, „sind wir natürlich erleichtert“. Immer wieder einmal hatten Tierfreunde an den Haltungsbedingungen Anstoß genommen. Doch lange fand sich niemand, der den betagten Bären aufzunehmen bereit war. Deshalb hätte Kampe Gerd auch bis zu dessen Lebensende halten dürfen, toleriert vom Kreisveterinär.

Und warum dauerte es bis zur Umsiedlung so lange? „Wir stehen seit Jahren in Kontakt mit dem Bärenpark“, sagt Kampe. „Aber wir haben eine Warteliste von zwölf Tieren“, ergänzt Bernd Nonnenmacher. Bevor er am Dienstag in Bad Pyrmont ankam, hatte er bereits eine Kragenbärin namens „Antonella“ aus dem nordrhein-westfälischen Brüggen geholt. Auch sie habe unter „suboptimalen Bedingungen“ leben müssen, erklärte die Stiftung im Vorfeld der Aktion per Pressemitteilung. Die Box mit der Bärin darin war schon auf der Laderampe festgeschnallt, als Gerd verladen wurde.

Im Schwarzwald werden die beiden Neuzugänge nun auf einige Braunbären, aber auch Luchse oder Wölfe treffen in einem Gehege, das „genug Platz bietet, um einander aus dem Weg zu gehen“, sagt Nonnenmacher.

Das Gerd und Antonella im Schwarzwald „symbolisch für den neuen Lebensabschnitt“ in „Chandak“ und „Chadna“ umbenannt werden, dürfte den Tieren egal sein. Nun bleibt zu hoffen, dass sie die Ortsveränderung gut wegstecken – und der Pyrmonter Bär die anstehende Kastration gut übersteht. Denn züchten will die Stiftung die Tiere nicht.



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