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Mit der Pferdekutsche fuhr Volker Schrank 280 Kilometer von Bad Pyrmont nach Bitterfeld

Übernachtung beim Bestatter

Bad Pyrmont. „Eine Dusche zu finden, war nicht immer einfach, und manchmal habe ich im Schlafsack auf der Kutsche geschlafen.“ Dass man auf manchen Luxus verzichten muss, wenn man im Planwagen unterwegs ist, war Volker Schrank und drei weiteren Pferdefreunden klar, als sie am 4. Mai vom Bad Pyrmonter Schellenhof aus ins gut 280 Kilometer entfernte Bitterfeld in Sachsen-Anhalt aufbrachen. Dass er auf dem Weg in die Stadt bei Leipzig mittelalterliche Trutzburgen, „B(a)rockenhexen“ und Westernstädte entdecken würde, hat er allerdings nicht erwartet, als er seine beiden Welsh-Cob-Stuten „Flying witch“ und „Girly“ anspannte. Normalerweise kutschiert Schrank Kurgäste durchs Pyrmonter Tal, doch jetzt sollte es mit dem Gefährt, das mit Bordküche und Wassertanks ausgestattet ist und im Notfall auch als Schlafmöglichkeit taugt, auf eine weite Reise gehen.

veröffentlicht am 05.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:21 Uhr

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Autor:

Lucie Flebbe
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„Die Idee entstand an einem lockeren Abend mit Detmer Dierks“, berichtet Schrank im Gespräch mit den Pyrmonter Nachrichten. Den Betreiber des Schellenhofs Dierks zog es in seine Geburtsstadt Bitterfeld. „Bitterfeld? Ist doch gleich um die Ecke, da können wir mit der Kutsche hinfahren“, entgegnete Schrank und Dierks nahm ihn prompt beim Wort. Bernd Albrecht und Debora Thiel, zwei Wanderreiter, die Volker Schrank bei seiner letzten Planwagentour nach Bremen kennengelernt hat, schlossen sich ihnen an.

„Wir planten Etappen von 40 bis 50 Kilometern pro Tag“, erzählt Schrank. Ausschlaggebend für den Verlauf der Reiseroute war, dass die vier Pferde abends untergebracht werden konnten. „Allerdings haben wir bei der Planung nicht berücksichtigt, dass man sich auch mal verfährt oder unvorhergesehene Hindernisse den Weg versperren würden.“

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Das wurde den Abenteurern am dritten Tag der Reise bewusst, als sie bei strahlendem Sonnenschein Almstedt bei Hildesheim hinter sich ließen. „Es war eine der schwierigsten Etappen“, erklärt Schrank. Flüsse, Bundesstraßen und Bahnübergänge mussten überquert werden. Abends um halb acht lagen noch immer zehn Kilometer zwischen den Pyrmontern und ihrem Etappenziel, einem Reiterhof in der Nähe von Salzgitter. „Plötzlich standen wir mitten im Wald vor einer heruntergelassenen Bahnschranke.“ Auf einen Zug warteten die Reisenden aber vergebens. Doch nach einigem Suchen entdeckten sie eine Telefonnummer am Hindernis. So erfuhren sie, dass die Schranke nur von einem einzigen Bauern benutzt wurde und dieser sie auch öffnen konnte. Der Mann räumte das Hindernis für die Pferdefreunde aus dem Weg.

„Wir haben sehr viel Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft erfahren“, betont Schrank. So auch bei den „B(a)rockenhexen“ im Harz. Auf dem Fels-Hof, wo Barockpferde ausgebildet werden, setzten die „Hexen“ für ihre Gäste einen Kessel Gulasch auf.

Am fünften Tag der Reise überquerte die Pyrmonter Kutsche die Grenze zu Sachsen-Anhalt und kehrte in Bernburg in einer mittelalterlichen Trutzburg ein, die den örtlichen Reitverein beherbergte. „Und die vorletzte Etappe der Tour führte uns dann in eine echte Westernstadt“, berichtet Volker Schrank. In „Tombstone Village“ in Edderitz leben Menschen wie im Amerika des vorigen Jahrhunderts. „Sie verzichten sogar größtenteils auf fließend Wasser und Strom. Dort gibt es Saloonbesitzer, Cowboys und einen Sheriff“, wundert sich Schrank. „Wir haben beim Bestatter übernachtet.“ Wenn es dort an der Tür klopfte, musste der Bestatter ausrücken, um einen beim nachgestellten Duell „Erschossenen“ einzusammeln.

Nach neun Etappen auf Wald- und Feldwegen durch teilweise unberührte Natur erreichte die Pyrmonter Kutsche durch eine letzte Gewalttour von 57 Kilometern ihr endgültiges Ziel: Den Reiterhof Plodda bei Bitterfeld, nördlich von Leipzig. „Gerade rechtzeitig, denn jetzt holte uns der verregnete Frühling endgültig ein und spülte die Kartoffeln von den Feldern.“ Deshalb änderte Volker Schrank seinen Plan, auch den Rückweg per Kutsche anzutreten. Pferde und Wagen kehrten per Anhänger nach Bad Pyrmont zurück.

Möglicherweise werden zukünftig auch in der Kurstadt Wanderreiter ihr Quartier aufschlagen. „Statt Bezahlung für Unterkunft und Verpflegung würden wir uns über eine Gegeneinladung freuen“, hatten sich die B(a)rockenhexen aus dem Harz gewünscht.

Fast wie im Wilden Westen: Die von Volker Schrank gelenkte Kutsche mit ihrem Begleitschutz.pr.

Volker Schrank (re.) und einer seiner Mitreisenden in der Westernstadt „Tombstone Village“ in Edderitz.pr.



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