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Auch Pyrmonter Praktiker sind gegen die Einführung von Pflicht-Gesundheitstests für Autofahrer ab 65

„Ältere nicht auffallend an Unfällen beteiligt“

Bad Pyrmont (Hei). Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar wurde er dieser Tage heiß diskutiert: der mögliche Tauglichkeits-Test für ältere Autofahrer. Neben Frankreich, Belgien und Österreich gehört Deutschland zu den wenigen EU-Ländern, in denen der Führerschein bis jetzt noch lebenslang gilt. Was sich aber schon bald ändern dürfte: Ab 2013 schreibt die EU eine Befristung auf maximal 15 Jahre vor. Eine damit einhergehende verpflichtende Gesundheitsprüfung für Senioren konnte sich jetzt unter den Experten in Goslar dennoch nicht durchsetzen.

veröffentlicht am 02.02.2009 um 19:34 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 18:21 Uhr

Hans-Georg von Bodecker (72) fährt seit 52 Jahren unfallfrei. Er
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Auch in Bad Pyrmont, wo der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung 28,5 Prozent beträgt (bundesweit sind es 20 Prozent), halten Praktiker einen ,,Pflicht-Test“ für Ältere nicht für geeignet, um die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen.

Ältere verursachten 17,8

Prozent aller Unfälle

,,Bei Unfällen und Verkehrskontrollen sind ältere Menschen nicht auffallend beteiligt“, sagt der Leiter des Pyrmonter Polizeikommissariats, Hauptkommissar Udo Nacke. Zahlen sprechen für sich: Im vergangenen Jahr machte die Polizei bei 78 von 451 Unfällen Senioren als Verursacher aus; das entspricht einer Quote von 17,8 Prozent und in etwa der der Vorjahre. Hauptursachen der Senioren-Unfälle waren Fehler beim Wenden, Einparken und Vorfahrt-Fehler.

Zwar melden sich hin und wieder besorgte Angehörige oder Nachbarn älterer Menschen bei der Polizei, um diskrete Hinweise auf das beobachtete Fahrverhalten zu geben. Aber, so erklärt Nacke: ,,Wir haben dann keine Entscheidungskompetenz, sondern leiten die Hinweise ans Straßenverkehrsamt weiter, das den Sachverhalt prüft.“

Allerdings, so der Polizeichef, würde er Senioren raten, ihr Seh- und Hörvermögen regelmäßig überprüfen zu lassen. ,,Man sollte auch auf den Zusammenhang von Medikamenten und Fahrtüchtigkeit achten, der wird oft unterschätzt“, unterstreicht Nacke.

Auch bei der Pyrmonter Verkehrswacht sieht man keinen zwingenden Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter, gesundheitlichen Leistungsbeschränkungen und Unfallhäufigkeit. ,,Wir sind gegen verordnete Sonderprüfungen für Senioren“, betont der Ortsvorsitzende Friedhelm Guternacht. ,,Meist fahren Senioren rücksichtsvoller. Sie rasen nicht und machen nachlassende Fitness mit Erfahrung und Verantwortungsgefühl wett.“ Dass ältere Autofahrer für 40 oder 50 Jahre unfallfreies Fahren ausgezeichnet würden, sei keine Seltenheit. ,,Das Auto und den Führerschein abzugeben, hat etwas mit dem Verlust von Mobilität und Lebensqualität zu tun“, gibt er zu bedenken. Man müsse auch an die Jüngeren appellieren, damit die sich auf das etwas bedächtige Verhalten von Senioren einstellen und sie nicht bedrängen.

Auflagen könnte sich

von Bodecker vorstellen

Den richtigen Zeitpunkt zu finden, um das Auto stehenzulassen und den Führerschein abzugeben, sei schwierig, meint der Vorsitzende des Pyrmonter Seniorenbeirats Georg von Bodecker, Jahrgang 1936 und seit 52 Jahren unfallfreier Autofahrer. Auch er hält nichts von Pflicht-Tests. ,,Wenn einmal tatsächlich ein Senior in einen Unfall verwickelt ist, wird das oft von den Medien ausgeschlachtet“, so von Bodecker. Allenfalls könne er sich Auflagen vorstellen wie die Beschränkung auf Fahrten im Hellen oder außerhalb von Autobahnen.

Es komme vor, dass Autofahrer ab 75 Jahre sich einem freiwilligen Test unterziehen, weiß Fahrlehrerin Nicole Wolff-Zetzsche. Etwa 20 Prozent bestehen den nicht. ,,Wenn ich feststelle, dass ein Senior nicht mehr die nötige Reaktionsfähigkeit zum Beispiel beim Bremsen zeigt, sage ich es ihm ohne Umschweife. Das ist dann zwar bitter, aber man muss mit offenen Karten spielen.“ Grundsätzlich glaubt sie aber, dass die Fahrtüchtigkeit im Alter individuell ist. Ihre bisher älteste Schülerin für den Erwerb des Führerscheins war 63 und topfit.



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