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Intendant der Nordwestdeutschen Philharmonie beschreibt bei Stiftungsrat-Versammlung seine Aufgabe

„80 Leute bei Laune halten“

BAD PYRMONT. Mit einem informativen Mittelteil peppte die Musikbad Pyrmont Kulturstiftung ihre Stiftungsrat-Versammlung am Mittwochabend in der Wandelhalle ordentlich auf, indem sie ausführlich Andreas Kuntze zu Wort kommen ließ. Dieser konnte als Intendant der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford einiges an Insiderwissen zu dem renommierten Klangkörper vermitteln, der zudem am 28. April mit großer Besetzung im Konzerthaus gastieren wird.

veröffentlicht am 22.02.2018 um 18:20 Uhr

Intendant Andreas Kuntze (li.) mit Arndt Jubal Mehring, Vorsitzender der Musikbad Pyrmont Kulturstiftung. foto: ar
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Rudi Rudolph Reporter
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Arndt Jubal Mehring, Vorsitzender der Stiftung, befragte Kuntze in einem launigen Gespräch zu seiner Rolle als Intendant eines solchen Regionalorchesters. Und Kuntze beschrieb diese kurz und knackig: „Der Intendant macht ein Programm, muss Geld auftreiben und 80 Leute bei Laune halten.“ Damit war eigentlich alles gesagt, doch ging der studierte Cellist dezidiert auf das Rüstzeug eines Intendanten ein, der ja wesentliche Managementaufgaben zu erfüllen hat.

Ihm kam entgegen, dass er als Cellist „mit großem Herzblut studiert hatte, aber nach 38-maligem Vorspielen bei Orchestern nicht soo gut war,“ dass es zu einer Profi-Karriere gereicht hätte. Und da ihm das Organisatorische schon immer lag, hängte er in Hamburg ein Studium Kulturmanagement an. Beide Aspekte vereinten sich für ihn in einem Wunschberuf. „Ich kann Musik machen lassen, muss nicht üben und bin mit wunderbaren Menschen zusammen,“ erklärte er auf der kleinen Bühne der Wandelhalle.

„Es ist eine ständige Balance zwischen Bauch und Herz in Richtung Musik und andererseits der knallharten betriebswirtschaftlichen Kalkulation,“ erläuterte Andreas Kuntze, der immerhin rund 6,5 Millionen Euro im Jahr bewegt. Denn das Orchester mit seinen 78 Planstellen, von denen gegenwärtig 72 besetzt sind, ist ein riesiger Kostenfaktor. „Das ist eine Herausforderung für Profis. Da kann es schon vorkommen, dass morgens Beethoven geprobt und abends Bach gespielt wird, auch, dass zusätzliche Konzerttermine eingeschoben werden.“

Das Programm wird aus den zirka 150 Stücken des Orchesterrepertoires zusammengestellt, und der Intendant stimmt es mit dem Chefdirigenten ab. Welche Stücke sollen gespielt werden? Wie groß muss die Besetzung sein? Treiben Besetzung oder Aufführungsrechte die Kosten in die Höhe?

Andreas Kuntze sah das ganz nüchtern. „Bestimmte Stücke wollen die Leute nicht hören, damit vergrault man nur das Publikum und kann nichts verdienen.“

Eine Kann-Position ist seine Anwesenheit beim Vorspielen von Bewerbern für das Orchester, bei Flötisten von bis zu 80 Bewerbern, bei Geigern etwa 30.

Die komplizierte Prozedur mit mehreren Vorspiel-Durchgängen endet jedoch meist in Übereinstimmung mit dem Dirigenten und dem anschließenden Anstellungsvertrag. Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Tätigkeit im Jugend- und Bildungsbereich in ganz Ostwestfalen mit besonderem Augenmerk auf die Arbeit mit Schülern und Lehrern. Auf das Konzert in Bad Pyrmont freute sich Andreas Kuntze besonders, denn in das Konzerthaus „passt alles rein, vor allem das klassisch romantische Repertoire.“

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