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Thomas Jensen kartiert 2000 Hektar Forstfläche und gibt Empfehlungen

400 Gruben im Waldboden

Bad Pyrmont. Dieser Mann durchlöchert den Pyrmonter Wald. Bohrung an Bohrung setzen Thomas Jensen und sein Team. Er lässt auch einen Bagger anrücken und bis zu zwei Meter tiefe Gruben ausheben, insgesamt gut 400 an der Zahl. Und das alles, um dem Ökosystem Wald langfristig zu helfen. Jensen ist Standortkartierer im Dienst der Niedersächsischen Landesforsten, seine Grabungen und Bohrungen sollen künftig die Grundlage der Entscheidung bilden, welche Bäume an welchen Standorten angesiedelt werden.

veröffentlicht am 28.06.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 00:41 Uhr

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Autor:

Hans-Ulrich Kilian
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„Wir wollen den richtigen Baum auf dem richtigen Boden. Ich bin frei von politischen oder wirtschaftlichen Zwängen – ich kann das empfehlen, was aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist“, erläutert der Kartierer. „Ökologie vor Ökonomie“ ist das Motto, das der Forstexperte ausgibt. „Natürlich wollen die Forstbetriebe auch Geld verdienen, aber dabei darf der Naturschutz nicht aus dem Blick gelassen werden“, sagt Jensen. Außerdem: Bei der Wahl der richtigen Baumarten für einen Standort fälle man Entscheidungen für die nächsten 150 bis 250 Jahre.

Es ist die erste flächendeckende Standortkartierung im Wald der Stadt Bad Pyrmont, bislang hat es nur punktuelle Untersuchungen gegeben. „Und zwar immer dann, wenn wir Neuanpflanzungen geplant haben“, so Forstamtsleiter Uwe Schenkemeyer. 2000 Hektar Waldfläche will Jensen noch bis Ende August untersuchen. 300 mal 300 Meter misst jeweils das Netz an „Bodeneinschlägen“, Gruben rechts und links der Waldwege, die dem Kartierer Aufschluss über die bodenkundlichen und geologischen Verhältnisse des Waldbodens geben sollen. Um auch örtliche Standortunterschiede zu erfassen, verdichtet Jensen in einem zweiten Arbeitsgang das Netz auf 100 mal 100 Meter und bohrt mit einem Erdbohrer rund 1,80 Meter tief. „Das sind 1550 bis 1600 Bohrungen“, rechnet er vor. Das dichte Netz müsse sein, zu unterschiedlich sei die Bodenbeschaffenheit. Übrigens besteht der Boden im südlich gelegenen Mosterholz vor allem aus Buntsandstein, auf der anderen Talseite herrsche Muschelkalk vor.

Die Bodenproben schickt er zur Analyse in ein forstkundliches Institut in Göttingen und komplettiert die Ergebnisse mit seinen eigenen Beobachtungen zum Standort, sodass später eine Karte mit Details der Standorte wie Wasserhaushalt, Nährstoffversorgung und Bodenlagerung entsteht – die Basis für Entscheidungen, an welchen Standorten Buchen oder Eschen gegenüber Fichten die besseren Wuchsbedingungen haben, wo die natürliche Waldverjüngung noch unterstützt werden muss, wo gestörten Böden geholfen werden muss. Jensen lässt in seine Beurteilungen Ergebnisse der Klimatologie, der Vegetationskunde und der Bodenkunde einfließen.

Am Ende bekommen Uwe Schenkemeyer und sein Team eine gutachterliche Empfehlung. „Dieses Gutachten ist Voraussetzung, damit wir Fördermittel beantragen können“, erläutert er.

Bis zu zwei Meter tief gräbt sich der Kartierer Thomas Jensen für ein Bodenprofil in den Pyrmonter Wald.NLF



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