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Mann aus Mecklenburg-Vorpommern stürzt weitere sechs jüdische Grabsteine um

23-Jähriger wütet auf Friedhof

Bad Pyrmont. Nachdem ein zunächst noch unbekannter Täter in der Nacht zum Sonntag insgesamt fünf Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof an der Bombergallee stark beschädigt hat, wurden in der Nacht zum Dienstag sechs weitere Grabsteine durch Vandalismus erheblich beschädigt. Ein 23 Jahre alter Mann aus der Umgebung von Rostock in Mecklenburg-Vorpommern, der sich zurzeit in der Kurstadt in einer Klinik aufhält, hat sich gestern bei der Polizei in Bad Pyrmont gemeldet und gestanden, die insgesamt elf Grabsteine im Alkoholrausch umgestützt zu haben. Einen rechtsradikalen Hintergrund schließt die Polizei aus. „Da, wo der Mann genau herkommt, gibt es nicht einmal eine rechtsradikale Szene“, versicherte Polizeisprecher Jörn Schedlitzki.

veröffentlicht am 27.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

Hans-Ulrich Kilian
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Offenbar hatten die Beamten einigen Druck in die Ermittlungen gelegt. Beim Klinkenputzen hörten sie von einem 23-Jährigen, der durch einen Grabstein am Bein verletzt worden sein soll. Als die Beamten auf der Wache mit dieser Information eintrafen, um die Fahndung nach dem Mann einzuleiten, war der dort schon erschienen. Offenbar hatte er gehört, dass die Polizei nach ihm suchte. Zunächst habe er eine falsche Geschichte aufgetischt, die aber unglaubhaft gewesen sei. „Dann räumte er in der Vernehmung ein, die Taten im Rausch nach einem Kneipenbesuch auf dem Nachhauseweg begangen zu haben, ohne darüber nachzudenken.“ Dass der Mann die Taten alleine begangen haben will, sei glaubhaft, so der Polizeisprecher. Mit der Feiergesellschaft in der Schutzhütte am Bomberg, die nach der ersten Tat ins Visier der Ermittler geraten war, habe er nichts zu tun.

Der Vandalismus stieß in Bad Pyrmont auf Bestürzung. „Ich kann nicht verstehen, wie jemand so etwas tun kann. Ich bin darüber sehr traurig“, sagte Klara Behnke von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Bad Pyrmont, die zudem auf die Bedeutung des Friedhofs hinwies. „Es ist sehr selten, dass ein Jüdischer Friedhof in relativer Nähe zu einem Stadtzentrum die Zeiten überstanden hat.“ Auch Klaus Titze vom „Arbeitskreis 27. Januar“, der auf dem Friedhof alljährlich am 9. November an die Pogromnacht der Nazis erinnert, war entsetzt. „Das sind Grabmäler von Menschen, die hier gelebt haben. Das ist sehr beschämend.“

Bad Pyrmonts Bürgermeisterin Elke Christina Roeder zeigte sich empört. „Respekt ist einer der Grundwerte unserer demokratischen Gesellschaft. Dazu gehört auch die Totenruhe auf Friedhöfen. Wir wissen alle um unsere Geschichte und das unendliche Leid des jüdischen Volkes. Gerade in diesem Zusammenhang ist große Sensibilität gefragt. Diese erneute Sachbeschädigung ist eine schlimme Sache und ich verurteile dies zutiefst.“

Die Polizei hat gestern einen Sachschaden von über 2000 Euro gemeldet. Ob die Summe ausreicht, ist fraglich. „Der Schaden ist erheblich. Viele der in der letzten Nacht umgestürzten Grabmäler sind zerbrochen“, so Klara Behnke. „Das wird keine einfache Arbeit sein, sie wiederherzustellen“, vermutete sie. Möglichst noch vor der nächsten Gedenkstunde am 9. November, spätestens aber vor dem Beginn des Winters, so hofft sie, müssten die Steine wiederhergestellt werden, um weitere Schäden durch die Witterung zu vermeiden. Eigentümer des Friedhofs ist der Landesverband Jüdischer Gemeinden in Niedersachsen, der jetzt die Schadenshöhe ermitteln wird. Ob der 23-Jährige dafür wird aufkommen können, ist fraglich. Dem Mecklenburger drohen zudem drei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe wegen Störung der Totenruhe.



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