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Hochtief-Infoabend zum Pumpspeicherkraftwerk lockt fast 170 Neugierige nach Elbrinxen

Zwischen Hoffnung und Skepsis

Elbrinxen. Am Plan des Baukonzerns Hochtief, im und am Schwalenberger Wald für mindestens 300, vielleicht aber auch 400 oder mehr Millionen Euro ein Pumpspeicherkraftwerk mit zwei fast 30 Hektar großen, eingezäunten Wasserbecken zu bauen, scheiden sich die Geister. Dieser Eindruck drängte sich jedenfalls bei der Bürgerinformation am Donnerstagabend auf. Dazu hatten der Kreis und die Lügder Konzerntochter PSW Lippe GmbH mit Projektbüro in Essen nach Elbrinxen eingeladen. Fast alle 170 Stühle im Festsaal des „Lippischen Hofs“ waren besetzt.

veröffentlicht am 21.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 12:43 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Das Gros der Gäste war vor allem neugierig, was die Konzern-Repräsentanten auf dem Podium über ihre Pläne erzählen würden, die sie ab etwa 2016 umsetzen wollen – sofern die Bezirksregierung Detmold das Projekt genehmigt. Zu diesem Verfahren erklärte Kreis-Umweltamtsleiterin Dr. Ute Röder: „Das Ergebnis ist offen.“

Zudem erfuhren die Zuhörer, dass für die Erstbefüllung des unteren Beckens über mehrere Jahre hinweg bis zu 2,7 Millionen Kubikmeter Wasser aus der Emmer gepumpt werden sollen. Die Menge des später verdunstenden und immer wieder aufzufüllenden Wassers ist hier nicht eingerechnet. Denn die Ingenieure konnten sie noch nicht beziffern. Das Grundwasser werde jedoch nicht angezapft, betonten sie. Und der Pumpbetrieb zwischen den beiden Becken bringe später auch keine Geräuschbelästigung für Anlieger mit sich.

Doch wohin mit dem Bodenaushub, der beim Beckenbau anfällt? „Es macht keinen Sinn, hier irgendwelche Erdmassen durch die Gegend zu fahren“, hatten die Projektmanager schon am Nachmittag bei der Sitzung des Kreis-Umweltausschusses (wir berichteten) erklärt. Der Aushub werde zum Bau der etwa zehn Meter hohen Beckendämme verwendet, sagten sie auch am Abend. Ebenso suchten sie die Bedenken von Naturschützern zu zerstreuen, die um das besonders wertvolle FFH-Gebiet im Mörth fürchten. „Wir bleiben im Nadelwald. Der Buchenbestand wird nicht angetastet“, versprachen die Hochtief-Ingenieure.

Caspar Tillmann, einer von zwei PSW-Prokuristen, zeigt die möglichen Standorte für die Becken. jl

Im Wunsch, das Wohlwollen der Bürger für das Projekt zu gewinnen, erklärte Prokurist Bastian Görke auch, der Eingriff in die Natur werde sich durch die unterirdische Triebwasserleitung in Grenzen halten. Allerdings: Die Leitung soll sieben Meter Durchmesser haben, und Naturschützer kritisieren durchaus auch solche unterirdischen Bauten.

Skeptische Fragen stellten in der von Lügdes Bürgermeister Heinz Reker moderierten Diskussion vor allem jene Besucher, die sich schon im Vorfeld ebenso kritisch wie intensiv mit dem Thema Energiegewinnung und Speicherung auseinandergesetzt und mögliche Geschäftsmodelle unter die Lupe genommen hatten. Die Hochtief-Vertreter betonten zwar: „Wir nehmen hier Geld in die Hand.“ Doch wird der Konzern bei dem Projekt naturgemäß nicht drauflegen wollen. Allerdings schien es, als unterstelle mancher Misstrauische dem Bauriesen nicht nur die üblichen Geschäftsinteressen, sondern wittere in dem möglichen Millionendeal Skandalpotenzial zum Nachteil der Steuerzahler: Die öffentliche Hand investiert, der Private kassiert. Doch PSW-Chef Peter André Jamin betonte: „Hier wird die öffentliche Hand keinen Pfennig in die Hand nehmen.“

Allerdings sucht Hochtief durchaus Investoren und Betreiber – und klammert dabei auch regionale Stadtwerke nicht aus. Denn der Konzern will das Kraftwerk später nicht selbst betreiben, sagten die Manager in Elbrinxen. Die Eintragung der „PSW Lippe GmbH“ beim Amtsgericht Lemgo nennt jedoch auch den „Betrieb eines Pumpspeicherwerks zum Zwecke der Energiegewinnung und -vermarktung einschließlich damit verbundener Nebennutzungen“ als Gegenstand der Gesellschaftstätigkeit.

„Ob das Projekt Rendite erwirtschaften wird, kann ich noch nicht sagen“, erklärte PSW-Chef Jamin auf die Frage nach den Gewerbesteuern für Lügde. Und er setzte hinzu: „Wenn der Strommarkt in zwei, drei Jahren noch so ist wie heute, bauen wir das nicht.“

Als Skeptiker outete sich Lügdes CDU-Ratsfraktionschef Thomas Blum: „Über Jahre hat uns der Kreis dazu gedrängt, im FFH-Gebiet zu investieren“, kritisierte er und bekam den ersten Szenenapplaus des Abends, als er forderte: „Seien Sie bitte kritisch, wenn hier nur die schöne heile Welt dargestellt wird!“ Andere hatten indes Angst, dass die Gegend nach dem PSW-Bau „weiter mit Windrädern zugepflastert wird“. Ein Besucher meinte wiederum, das Pumpspeicherkraftwerk „wäre angenehmer zu ertragen als das AKW in Grohnde“. Er forderte jedoch ein Wirtschaftlichkeitskonzept. Jörg Eickmann (SPD) fand es, trotz „gewisser Grundskepsis“, wichtig, Stromschwankungen auszugleichen. Denn die seien ein Problem für heimische Firmen. Ein anderer Zuhörer bezweifelte derweil, dass ein PSW diese Schwankungen überhaupt auffangen könnte.

Moderator Reker gab sich offen: „Wir sollten nicht mit fliegenden Fahnen vorweg laufen, aber das Projekt auch nicht gleich in Bausch und Bogen verdammen.“ Ein Besucher wünschte sich ein Forum mit neutralen Fachleuten, während Müller-Bau-Seniorchef Reinhard Mühlenhof fand: „Unsere Gegend verfällt zunehmend. Da geht es um jeden Arbeitsplatz.“ Und auch Jörg Brinn bekam Applaus für seine Meldung: „Ich freue mich, wenn ich in 10, 15 Jahren sagen kann: ,Gut, dass Ihr das gemacht habt.’“

Für 2014 ist nun eine Umweltkartierung vorgesehen. Um die kümmert sich der Kreis; bezahlen soll sie Hochtief.

Volles Haus im Festsaal: An die 170 aufmerksame Zuhörer hatten die Hochtief-Manager am Donnerstagabend im „Lippischen Hof“.jl



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