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Wieder Attacke auf Herde im Lügde Ortsteil Niese / Bissspuren lassen Schäferin auf einen Hund schließen

Zwei Schafe tot, sieben verletzt

Niese. „Diesmal ist es noch schlimmer als vor einem Jahr“, sagt Ortrun Humpert. Damals hatte ein unbekannter Hund zehn Lämmer und ein Muttertier auf ihrer Weide am Erlengrund von Niese zu Tode gehetzt (wir berichteten). Der Anblick, der sich der Schäferin jetzt bot, hat sie fast noch mehr geschockt als die Attacke vom Juli 2014. „Als ich die Weide am Mittwochabend um 18.30 Uhr kontrollierte, sah ich zuerst ein Schaf, das verletzt unter einem Baum lag“, erzählt die 51-Jährige. „Alle anderen waren nicht zu sehen.“

veröffentlicht am 08.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:07 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Beim Näherkommen dann der Schock: Aus einer riesigen Bisswunde am Bauch des verletzten Schafes quollen die offensichtlich herausgerissenen Gedärme. „Das Tier ist sogar noch aufgestanden“, sagt Humpert. „Ich rief dann gleich meinen Mann an, und der brachte ein Gewehr mit.“

Bevor Andreas Humpert das Tier erlöste, dokumentierte seine Frau den beklemmenden Anblick der gequälten Moorschnucke noch mit einem Foto. Das Bild liegt unserer Redaktion vor. Aber der Anblick ist zu grausig, um abgedruckt zu werden.

Ein weiteres Schaf hatte der unbekannte Angreifer – vermutlich ein Hund – getötet. „Die restlichen 15 standen verängstigt rechts unten in der Ecke der Weide, sieben von ihnen verletzt“, berichtet die Schäferin. Daraus schließt sie: „Der Angriff dürfte von oben erfolgt sein, aus der Richtung, in die Schafe im Zweifel flüchten.“

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  • Ortrun Humpert
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Schon nach der ersten Attacke vor einem Jahr hatte Ortrun Humpert überlegt, die etwa 7000 Quadratmeter große Nieser Streuostwiese am Apfelkamp nicht mehr zu beweiden. „Aber die Fläche ist eigentlich sehr schön“, findet sie. Deshalb ließ sie in diesem Sommer doch noch einmal 15 Tiere dort weiden. Aber keine Lämmer mehr. „Jetzt haben wir die überlebenden Schafe natürlich sofort von der Weide geholt.“ Sie stehen nun im Stall.

Zuvor musste allerdings der Tierarzt ‘ran. „Er hat über drei Stunden genäht, bis er die Wunden der sieben Tiere verschlossen hatte“, erzählt die Schäferin. „Und wir können nicht sicher sein, dass sie überleben.“ Vier der Tiere hätten tiefe Wunden. Blaues Desinfektionsspray soll Entzündungen verhindern. Zudem bekommen die Tiere Schmerzmittel.

Ortrun Humpert hat nun erneut Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Vor einem Jahr stellte die Polizei die Ermittlungen ein; niemand in Niese hatte etwas gesehen. Jetzt sagt die Schäferin: „Jeder, dem Tiere nicht egal sind – also auch Hundehalter – muss ähnlich entsetzt sein wie wir.“ Die meisten Menschen in Niese seien sehr sensibilisiert. So sehe etwa ein Nachbar täglich nach, wie es ihren Schafen gehe.

Humperts Zuversicht, dass der Halter diesmal Rückgrat zeigt, hält sich jedoch in Grenzen. „Er ist entweder mit Absicht unaufmerksam. Oder es macht ihm Freude, wenn sein Hund seinen Jagdtrieb an den Schafen auslebt“, mutmaßt Humpert. Fest steht für sie indes: Der Halter sei „absolut verantwortungslos“.

Was sie erneut so sicher macht, dass es ein Hund war: Der Angreifer hetzte und biss ihre Schafe. Die großen Wunden lassen auf Angriffe von hinten und von der Seite schließen. „Aber das Tier war nicht hungrig. Und es ist auch kein Profi im Jagen. Es hatte Spaß am Zerstören.“ Das Tier müsse nach dem Wildern jedenfalls blutverschmiert nach Hause gekommen sein.

Beamten der Polizei Blomberg befragten noch am Abend der Attacke einige Anwohner – aber offenbar erneut ohne schnelles Ergebnis. Weil die Ermittler auf die Hinzuziehung eines Experten bestanden, bat Ortrun Humpert die Wolfsberaterin Friederike Wolff aus Höxter nach Niese. Die Expertin hielt sich anhand der Verletzungen zwar mit einem eindeutigen Urteil zurück. Aber Ortrun Humpert, die sich als Vorsitzende des nordrhein-westfälischen Schafzuchtverbandes schon intensiv mit der Thematik beschäftigt hat und auch die unterschiedlichsten Bissspuren kennt, ist sicher: „Das war definitiv kein Wolf.“ Dennoch hat sie eingewilligt, mehrere Genproben zu nehmen. Die sollen jetzt im Senckenberg-Institut in Frankfurt untersucht werden. In zwei bis drei Wochen dürfte dann feststehen, welche Art Tier in Ortrun Humperts Schafherde gewütet hat. „Eventuell lässt sich sogar rauskriegen, welcher Hund es war.“

Sieben der 15 überlebenden Schafe haben teil tiefe Bisswunden davongetragen. Blaues Desinfektionsspray soll nach dem Nähen nun Infektionen verhindern. pr



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