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Zwei Dutzend Freiwillige schmücken die vier Altäre für Lügdes Fronleichnamsprozession

Zur Ehre Gottes pflegen sie die Tradition

Lügde. „Als Kind habe ich für die Prozession sogar noch an der Emmer Schilf geholt“, erzählt Karl Windemuth. „Aber das Schilf ist schon lange weg. Da wächst jetzt indisches Springkraut.“ Längst auch führt die Lügder Fronleichnamsprozession nicht mehr durch die Mittlere Straße. In den letzten Jahrzehnten war dort zu viel Verkehr, und jetzt wird gebaut.

veröffentlicht am 08.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 09:22 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Doch die Tradition lebt: Karl Windemuth und eine Gruppe weiterer Freiwilliger schmücken jedes Jahr vier Altäre in der Stadt. „Früher hat fast jede Familie einen aufgebaut“, erinnert er sich. Aber jetzt sind nur noch die vier großen Altäre übrig, die zugleich die Stationen der katholischen Prozession markieren.

Schon eine halbe Stunde, bevor sich der Zug mit den etwa 150 Gläubigen aus Richtung Ehrenmal nähert, sitzt die kleine Gruppe, die den Altar am Dechenheim verantwortet, auf heißen Kohlen. Als die Prozession sich nähert, ziehen sie sich ein Stück zurück. „Wir haben ja noch unsere Arbeitsklamotten an“, erklärt eine der Frauen. Ihr Name solle nicht in die Zeitung, sagt sie. Denn sie will nicht im Vordergrund stehen. „Schließlich ist unser Altar nicht der einzige.“ Aber ihren Antrieb erklärt sie gern: „Das macht uns Freude. Es ist Tradition, und die sollte man pflegen. Zur Ehre Gottes. “

Fast drei Stunden haben die Männer und Frauen gebraucht, um die Verehrungsstätte herzurichten. „Herr Windemuth ist immer sehr genau“, scherzt eine der Frauen. Das blütenweiße Leinen und die hochempfindliche, kunstvoll bestickte alte Seide legt der 73-Jährige immer selbst aus. „Früher gab es in Lügde sogar einen eigenen Paramentenverein“, erzählt er.

Die Frauen indes platzieren die Vasen mit insgesamt 80 gelben Rosen darin. „Jeder Altar hat seine Farbe“, erklärt die Frau. „Wir schmücken ihn immer gleich.“ Für den Blumenschmuck haben die Frauen vorher in der Nachbarschaft gesammelt.

Als der Gesang der nahenden Gläubigen lauter zu hören ist, zündet Windemuth die Kerzen an. Und bald schon wird es für kurze Zeit sehr feierlich vor dem Altar: Die Kommunionkinder, die Schützen, die Frauen, die anderen Gläubigen und schließlich Pfarrer Peter Hellersberg mit den Messdienerinnen nehmen ihre Plätze ein. Der Kirchenchor singt der Geistliche und die Gemeinde beten.

Vergessen ist der Ärger, den die Altar-Gruppe noch kurz zuvor mit auswärtigen Beschickern des Mittelaltermarktes hatte, als die mit ihren Autos zur Unzeit den Park okkupieren wollten. Doch die Wortgefechte zwischen den traditionsbewussten Katholiken und den Mittelalter-Fans endeten friedlich. Die Prozession wird nicht gestört.

Als alles vorbei ist, rücken die Freiwilligen gleich wieder an. Sie sammeln die Blumen ein, um sie später auf die Kapelle am Ramberg und das Heiligenhäuschen zu verteilen und auch welche ins Altersheim zu bringen. Und Karl Windemuth legt die wertvollen Altardecken mit den schweren Goldfransen sorgsam zusammen. Bis zum nächsten Jahr.

Die Gläubigen haben auf Plätze eingenommen, und Pastor Peter Hellersberg schwingt das Weihrauchfass vor dem Altar am Dechenheim.

Fotos: jl



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