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Radfahrer: gefährliche Stelle

Zum Golfplatz: Reicht ein Unfallopfer für ein Stoppschild?

LÜGDE. Reicht das Halteschild vor dem Kombi-Geh- und Radweg im Einmündungsbereich der Straße „Zum Golfplatz“/Hohenborner Straße nicht aus, um Autofahrer auf kreuzende Radfahrer aufmerksam zu machen?Ein dort von einem Auto erwischter Radfahrer findet: Hier sollte auch ein Stoppschild hin, wie an der Schlesierstraße.

veröffentlicht am 27.02.2018 um 22:33 Uhr

Vor dem Kombi-Geh- und Radweg im Einmündungsbereich der Lügder Straße „Zum Golfplatz“/Hohenborner Straße steht ein Halteschild. Ein dort von einem Auto erwischter Radfahrer findet: Hier sollte auch ein Stoppschild hin, wie an der Schlesierstraße. Fot
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Im lippischen Polizeibericht vor einem Monat war es eine Kurznotiz: Da hieß es, an der Hohenborner Straße sei am Samstag, 27. Januar, vormittags ein Radfahrer beim Zusammenstoß mit einem Ford leicht verletzt worden. Der Meldung aus der Leitstelle zufolge hatte eine auf die Straße abbiegende Ford-Fahrerin (70) die Kollision verursacht. Die Pyrmonterin hatte die Vorfahrt des 62-Jährigen auf dem kombinierten Rad- und Fußweg nicht beachtet. So weit, so unspektakulär.

Aus dem Mund des Betroffenen hört sich die Geschichte hinter der Meldung folgenschwerer an. Seine Verletzungen schmerzen den Lügder noch immer. Nach vier Tagen Krankenhaus durfte er zwar wieder nach Hause. Aber erst jetzt kann er wieder kurze Strecken gehen. „Die linke Schulter ist gebrochen, und außerdem drei bis vier Rippen“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Dass die Zahl der Rippenbrüche trotz diverser Untersuchungen nicht feststeht, sei seinem Fitnesslevel vor dem Crash zuzuschreiben. „Ich war gut trainiert.“

An die Kollision kann sich das Unfallopfer nicht erinnern. Dass er über die Motorhaube flog, weiß der 62-Jährige nur aus Erzählungen. Die Gehirnerschütterung hat seine Erinnerung gelöscht. „Der erste Mensch, den ich nach der Ohnmacht sah, war eine nette Frau. Blonde Haare, schwarze Lederjacke, Jeans“, sagt er und sieht vor seinem inneren Auge noch weitere Ersthelfer aus der Nachbarschaft. Einer von denen sei Unfallchirurg. „Er sah gleich, was los war. Da hatte ich großes Glück, denn mich hat niemand falsch bewegt. Und die Hilfsbereitschaft hat mich gefreut.“

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Gut auch, dass der Radfahrer einen Helm trug und unter seiner reißfesten Jacke zwei dicke Baumwollpullover. Die dürften den Sturz wenigstens etwas abgepuffert haben.

Was er noch weiß: Auf dem ansteigenden Streckenabschnitt der Hohenborner Straße, ein Stück vor der Einmündung der Straße „Zum Golfplatz“, stieg er zunächst vom Rad, „weil mir bei Kälte die Luft fehlt“. Erst kurz vorher stieg er wieder aufs Rad und rollte dann stadtauswärts langsam zur Einmündung. 10 bis 15 km/h las er später im Protokoll der Polizei.

Wie andere Radfahrer, so ist der Lügder eigentlich gern an der Hohenborner Straße unterwegs. Denn die Strecke ist beinahe windstill. Doch er findet auch: „Das ist eine gefährliche Stelle.“ Immer wieder führen Autos herunter zur Hohenborner Straße, ohne vor dem Abbiegen auf Radfahrer zu achten. „Andere haben mir das bestätigt. Sie mussten dort auch schon vollbremsen, weil Autofahrer nicht aufpassten.“ Vor allem guckten viele von denen nicht nach rechts.

Beim Fotografieren vor Ort am Dienstag nickt ein Schnee fegender älterer Anlieger, der den Unfall aus einiger Entfernung sah. „Ich wäre hier auf dem Rad auch schonmal fast angefahren worden.“ Er teilt die Auffassung des Unfallopfers: „Hier müsste auch ein Stoppschild mit dicker Haltelinie vor dem Radweg hin, wie an der Schlesierstraße.“ Dort, an der nächsten Einmündung, hielten immerhin die allermeisten Autofahrer an.

Und wie stehen die Chancen? „Ganz ungefährlich ist es nicht“, sagt Lügdes Polizei-Bezirksbeamter Reinhold Hartmann über die Einmündung „Zum Golfplatz“. Das mache er künftigen Grundschülern beim Schulwegtraining auch immer deutlich. Jedoch gelte die Einmündung nicht als Unfallhäufungsstelle. Weil sie als übersichtlicher eingeschätzt worden sei als die Einmündung Schlesierstraße, stehe aus Richtung Golfplatz das Halteschild vor dem Radweg. Falls dessen Austausch gegen ein Stoppschild beantragt werde, gebe es einen Ortstermin mit dem Kreis. Sehe die Behörde die Notwendigkeit, ordne sie die Maßnahme an, und die Stadt veranlasse sie.

Grundsätzlich rät der Polizeibeamte: „Jeder sollte an solche Einmündungen vorsichtig heranfahren.“ Der Radfahrer tat das am 27. Januar. Aber die Autofahrerin übersah ihn. Trotz leuchtroter Jacke.



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