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So geht es weiter bei Weber am Markt

Zum Fest ‘ne gute Nachricht

Lügde. Heerscharen von Kindern haben sich an den Schaufenstern ihre Nasen plattgedrückt, voller Neugierde auf die dahinter drapierten Spielsachen. Auch für viele Erwachsene war Weber am Markt ein lohnendes Ziel.

veröffentlicht am 24.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:41 Uhr

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Autor:

Wolfgang Siefert
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Hier, wo Großvater August Weber mit Zigarren gehandelt hatte und die Eltern Marie und Eduard Weber ihren Lebensunterhalt mit Haushalts- und Lederwaren verdienten, setzte Monika Rinsche nach dem Umbau ab 1983 nur noch auf Spielwaren – und hatte damit Erfolg. Das Einzelhandelsgeschäft ist eine Institution in der Emmerstadt. Hier gab es immer eine Vielzahl von Geschenkideen – Beratung und Service inklusive. „Wichtige Geschenke haben wir auch schonmal bis zum Köterberg geliefert. Das gehörte einfach dazu, war selbstverständlich“, sagt Monika Rinsche mit einem Lächeln zu ihrem Ehemann Harald Rinsche, der in solchen Fällen den „Auslieferungsfahrer“ gab.

Doch der Siegeszug des Internets hat eine andere Kaufkultur etabliert: „Es gibt Kunden, die fotografieren die Geschenkverpackungen, notieren sich den Preis und bestellen dann etwas günstiger im Internet. Das ist bitter und lässt mich auch schon einmal verzweifeln“, gesteht Monika Rinsche. „Aber dagegen können wir nichts machen.“

Der Grund für ihren Rückzug aus dem Geschäftsleben sei das aber nicht gewesen, sagen die Rinsches, die zudem zwei engagierte Mitarbeiterinnen beschäftigten. „Wir arbeiten jetzt in verschiedenen Berufen zusammen 99,5 Jahre. Da wird es Zeit für den Ruhestand. Wir haben es uns auch verdient“, sagt Harald Rinsche.

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Tobias Jahn arbeitet sich in der Lügder Postfiliale schonmal ein. Der 24-Jährige übernimmt das Geschäft am Markt. heb (3)

Als sie von der anstehenden Schließung erfuhren, waren viele Kunden dennoch geschockt. Umso erleichterter sind sie nun, wo die Lichter bei Weber doch nicht ausgehen. Dass sich nun ein Betreiber für die seit 1999 an dieser Stelle bestehende Kernstadt-Postagentur gefunden ist, erscheint manchem gar als echtes Weihnachtsgeschenk. Nachfolger Tobias Jahn (24) hat via Internet-Forum Facebook schon zig Glückwünsche kassiert.

Der gelernte Textil-Einzelhandelskaufmann ist ein Lügder Junge und hat sich nach einer Bedenkzeit und dem fachlichen Rat seines Vaters für den von vielen als mutig gelobten Schritt in die Selbstständigkeit entschieden. Zusätzlich will er ab Ende Januar auch Schreibwaren in sein Programm aufnehmen. „Wir wollen die entstandene Marktlücke in unserer Stadt schließen“, hat sich Jahn vorgenommen. Und die Lage in der Vorderen Straße, direkt am Marktplatz, fernab vom Durchgangsverkehr und mit ausreichend Parkflächen findet der neue Betreiber ebenso günstig wie der bisherige.

60 Post-Schließfächer sind derzeit belegt. Täglich kommen rund 200 Kunden, bringen Briefe, Päckchen und Pakete. Zum Klönen bleibt an diesem Vormittag kaum Zeit, es ist Vorweihnachtszeit. Monika Rinsche und ihr Nachfolger haben alles im Griff. Auch das Einschreiben in die Türkei wird ausreichend frankiert und registriert.

„Ich finde alles prima. Schön, dass wir die Post hier haben und behalten. Ich komme jeden Tag“, ruft Franz Schaper in den Raum, und die anderen Kunden stimmen ihm zu.

Es ist ein Minutengeschäft, schnell ist der Laden wieder leer. Ob die letzten Spielwaren wohl noch verkauft werden? Den Ken gibt‘s zum Sonderpreis, das Barbie-Doppelbett ist für 35 Euro zu haben. Playmobil und Lego gehen immer, die Carrera-Bahn muss noch warten, die coolen Flitzer dazu kosten fünf Euro pro Stück. Inline-Skater, Schlitten und ein paar Ravensburger Spiele – viel ist nicht mehr übrig aus Webers Sortiment.

Kommt beim Blick auf die leeren Regale Wehmut in Monika Rinsche aus? „Zurzeit noch nicht“, sagt sie. „Vielleicht am letzten Tag. Aber wir haben es doch auch so gewollt.“ Vor allem freut die Geschäftsfrau, „dass es weitergeht“. Gut möglich, dass Tobias Jahn sich künftig noch ein paar Tipps bei ihr holt. Ihre Telefonnummer kennt er schon auswendig. Und dann lachen beide.



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