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Günter Loges’ letzter Tag im Lügder Rathaus

Zum Abschied eine Karrusselfahrt

Lügde. „Guck mal Johann, hier können wir Karussell fahren“, sagt Günter Loges zum kleinen Enkelsohn auf seinem Schoß. Dabei bringt er den Stuhl hinterm Luftschlangen-geschmückten Schreibtisch ins Rotieren. Allerdings hat Opa den neuen Spaß recht spät entdeckt: in der letzten halben Stunde seines Arbeitslebens – 48 Jahre, nachdem er im Lügder Rathaus seine Verwaltungslehre begann. „Damals haben wir noch alles mit der Hand geschrieben“, benennt der 63-Jährige einen Unterschied zwischen einst und jetzt. „Über fast jede Tätigkeit gab‘s ein Aktenvermerk.“ Und doch seien die Kollegen abends noch öfter etwas zusammen trinken gegangen. „So etwas findet heute kaum noch statt.“ Nicht nur, weil die Arbeit – wie überall – viel komplexer geworden sei. „Heute kommen die Leute aus allen Himmelsrichtungen, und jeder muss fahren.“

veröffentlicht am 20.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:16 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Wer gar nichts macht, ändert erst recht nichts“

Jetzt sitzt der während seiner letzten Arbeitsjahre im zunehmend sperrigen Amtsdeutsch als „Fachgebietsleiter Planen und Bauen“ firmierende Bauamtschef zum letzten Mal in dieser Funktion in seinem Büro im zweiten Stock des Rathauses. Die großen Fenster geben den Blick frei auf die regennassen Dächer der Lügder Altstadt, für deren Umgestaltung er 14 Jahre lang die Verantwortung trug. Und seine Bilanz fällt mit Blick etwa auf die Straßen in der Großgemeinde positiv aus. „Hier und da ist noch was zu machen, aber im Großen und Ganzen sind die Sachen intakt“, sagt er. Nur die Umgehungsstraße sei viel zu spät gekommen, findet Loges mit Blick auf die diversen Leerstände. „Aber wer deshalb die Flinte ins Korn wirft und gar nichts macht, kann erst recht nichts ändern.“ Nun scheint es ihm jedoch, als habe die Stadtentwicklung der letzten Jahre mit dem Park oder der Umgestaltung im Kern schon mehr Menschen optimistische gestimmt und stolz ihren Ort gemacht.

Dass aus den Marienhöfen nichts geworden ist, wurmt ihn indes. „Aber da laufen noch Gespräche. Mal sehen, wie wir da weiterkommen“, sagt er – und denkt dabei wohl auch an den Rentner Loges.

Grundsätzlich will er allerdings „erstmal alles auf mich zukommen lassen“, sagt der angehende Ruheständler und schiebt spöttisch hinterher: „Ich hab’ keine Kreuzfahrt gebucht.“ Vor allem baut er auf eine neue Freiheit: „Ich kann was tun, muss aber nicht.“

Auf die Frage nach dem, was er am wenigsten leiden konnte an seiner Arbeit, fällt Loges zuerst ein Satz ein: „Das haben wir immer so gemacht.“ Erst danach nennt er, leicht grinsend, eine Tätigkeit: „Verwendungsnachweise schreiben.“

Deutlich lieber habe er Ideen entwickelt, die Leute dafür begeistert und die Ideen dann umgesetzt, sagt er. „Und dass es meine Heimat war, für die ich arbeiten konnte.“ Obwohl manchmal erst jemand von außen die Skeptiker überzeuge. „Wenn so einer kommt, dann glauben es die Leute.“

Seinen Job wird künftig jemand anders machen. Wer, das ist noch nicht heraus. Aber Loges hat an einer der wichtigsten Schaltstellen im Lügder Rathaus reichlich Erfahrung gesammelt, was die Anforderungen betrifft: „Man muss sich in viele Bereiche und Prozesse hineindenken, sowohl technisch als auch politisch. Und man muss mit Bürgern und Politikern umgehen können und braucht Ausdauer. Die Verantwortung für die ihm unterstellten Mitarbeiter nicht zu vergessen. Inklusive Bauhof-Mannschaft sind das über 30 Leute.

Auf den Neuen oder die Neue kämen nun – neben dem Leerstandsproblem – mit der Stärkststromleitung „Suelink“, den möglichen Güterverkehrsplänen der Bahn und dem Hochtief-Pumpspeicherkraftwerk einige richtig große Themen zu, zählt Loges auf. Und welche Möglichkeiten hat die Stadt? „Am ehesten kann man noch die Sache PSW beeinflussen“, sagt er, ohne jedoch eine Richtung zu benennen. Denn aus Projekten, für die er nicht die ganze Verantwortung trägt, hat er sich gegenüber der Öffentlichkeit stets herausgehalten.

Dafür versteht er sich umso besser auf die Beziehungspflege. „Fast freundschaftlich“ nennt er die Verbindung ins Kreishaus in Detmold. Aber auch bei der Bezirksregierung und im Bauministerium in Düsseldorf kennt man Lügde – nicht zuletzt durch ihn. Kein Wunder also, wenn mancher Lügder nun gespannt ist, welche Strippen Günter Loges künftig zieht.

Mit dem Enkel im Büro: An seinem letzten Arbeitstag als Bauamtschef im Lügder Rathaus bekommt Günter Loges Besuch vom anderthalb Jahre alten Johann. jl



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