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1919 eröffnete Elbrinxer Sparkassenfiliale schließt am 1. Juli endgültig

Zum 100. fehlen drei Jahre

ELBRINXEN. Mehr als 360 Unterschriften sowie mehrere Protestbriefe gegen die Schließung der Sparkassen-Filiale im Golddorf haben nichts geholfen: Am 1. Juli schließt sie. Offenbar will der Finanzdienstleister auch die Automaten im Foyer demontieren, auf deren Erhaltung mancher noch gehofft hatte.

veröffentlicht am 29.06.2016 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:25 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Seit fast 100 Jahren gehörte sie ganz fest zum Ort: die 1919 als „Gemeindesparkasse“ in einem eigens errichteten stattlichen Haus an der Unteren Dorfstraße eröffnete heutige Sparkassenfiliale. Doch damit ist ab 1. Juli Schluss. Den Rückzug aus der Fläche hatte die Sparkasse Paderborn-Detmold schon Anfang April beschlossen (wir berichteten).

Letzter offizieller Öffnungstag ist der 30. Juni. Die bisher mit zwei Beschäftigten besetzte Filiale hatte wegen der schon vor Längerem reduzierten Öffnungszeiten de facto aber bereits am Dienstag ihren letzten Tag.

So mancher treue Kunde kam jetzt noch einmal persönlich vorbei, um Abschied zu nehmen. Einige sogar mit kleinem Geschenk. Allerdings: So ganz aus der Welt ist die kleine Belegschaft nicht. Sie wird künftig in den Filialen in Lügde und Lothe anzutreffen sein.

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Heute werden immerhin noch die Automaten im Vorraum zu benutzen sein. Danach werden aber wohl auch sie demontiert. Das hatte das Management des Geldinstituts ebenfalls schon im April avisiert. Eine neuerliche offizielle Bestätigung aus der Zentrale der 2012 fusionierten Sparkasse Paderborn-Detmold steht indes noch aus. Die beiden Pressesprecher waren am Mittwoch nicht erreichbar. Einer ist im Urlaub, sein Kollege war terminlich verhindert. Antworten auf die per E-Mail gestellten Fragen hat er für Donnerstag angekündigt.

Elbrinxens Ortsbürgermeister Hermann Wenneker fürchtet jedoch, dass seine von mehr als 360 Menschen unterschriebene Protestnote und auch die Briefe anderer Elbrinxer an die Chefetage des Finanzdienstleiters fruchtlos waren. Lügdes Bürgermeister habe ihm Bescheid geben wollen, wenn er Nachricht aus Detmold bekomme.

Mit guten Nachrichten kann Heinz Reker indes noch nicht aufwarten. Mit Blick auf einen im Dorf lautgewordenen Vorschlag nach dem Vorbild in anderen Dörfern, den Elbrinxer Volksbank-Bankomaten künftig auch für Sparkassenkunden gebührenfrei nutzbar zu machen, soll es Gespräche zwischen beiden Geldinstituten gegeben haben. Wer mit wem sprach und was dabei herauskam, erfuhr Reker jedoch nicht.

„Wir haben das Thema noch nicht mit dem Aufsichtsrat diskutiert“, sagt Hans-Jürgen Necker, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Ostlippe, auf Anfrage. Ohne ein Votum dieses Gremiums könne er Fragen nach der strategischen Ausrichtung nicht beantworten. Klar sei für die Volksbank bis auf Weiteres nur: „Wir behalten die Elbrinxer Geschäftsstelle und den Automaten.“ Wie lange diese Aussage Bestand habe, lasse sich jedoch aktuell nicht sagen, muss Necker einschränken.

Denn, klar: Die Entwicklung, die die Sparkasse Paderborn-Detmold zur aktuellen Schließung von insgesamt 19 Filialen gebracht hat, dürfte auch nicht ewig vor der kleinen ostlippischen Volksbank haltmachen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre lehrt: Änderte das eine Geldinstitut etwas, dann folgte das andere meist auch nach einer gewissen Zeit.

„Es kann sein, dass das Thema in einer der nächsten Aufsichtsratssitzungen zur Sprache kommt“, sagt der Blomberger Volksbank-Chef. Aber noch sei hausintern nichts diskutiert – geschweige denn entschieden.

Was dem Ortsbürgermeister im Moment bleibt, ist das Bedauern über den Abschied von der Sparkasse. Dass durch das Homebanking „Nähe neu definiert wird“, wie es im April hieß, tröstet ihn nicht. „Die auf dem Land lebenden Bürger werden zu Menschen zweiter Klasse“, sagt Wenneker. Denn wieder bricht nun ein Stück Infrastruktur weg.

Das sehen auch Kunden so, die kurz vor Toresschluss noch einmal „ihre“ Sparkassenfiliale aufsuchen. „Scheiße ist das“, sagt ein Mann und winkt frustiert ab. Und eine Kundin bedauert: „Nun gibt es wieder zwei Arbeitsplätze weniger hier im Ort.“

Immerhin: Sparkassen-Sprecher Heinricht Schmidtpott hatte im April gesagt: „Wer heute Mitarbeiter unseres Hauses ist, bleibt durch die Änderung der Filialstruktur Mitarbeiter. Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten.“

Mit Sorge beobachtet man übrigens auch im „Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung“ (BBSR) die Entwicklung in vielen kleineren Orten. So meinte BBSR-Direktor Harald Herrmann vor einiger Zeit, Kitas, Schulen, Ärzte, Apotheken, Sparkassen- und Postfilialen sowie öffentlichen Nahverkehr müsse es auch in Schrumpfungsregionen weiterhin geben.



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