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Wie sich Lügdes Marktplatz durch Kunst aufpeppen ließe / Umgestaltung könnte im Juni beginnen

„Ziegenbrunnen“ als Attraktion mit Geschichte

Lügde. Was haben Städte wie Hameln, Springe oder Bodenwerder, was Lügde nicht hat? Ganz einfach: öffentliche Brunnen, die städtische Plätze aufpeppen. Denn das Spiel mit dem Wasser und den Brunnenelementen lockt Kinder an – und ihre Eltern gleich mit. „Wenn so ein Brunnen, vielleicht ein bisschen witzig, eine Geschichte erzählt, wird er zur Attraktion. Und die Menschen nehmen eine bleibende Erinnerung mit“, sagt Lügdes Bauamtsleiter Günter Loges.

veröffentlicht am 06.03.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 17.01.2017 um 16:03 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Ein solch belebendes Element könnte im Zuge der zwischen Juni und Oktober angepeilten Neugestaltung auch Lügdes künftig autofreien Marktplatz verschönern. Die mögliche Optik des Brunnens stellte Lügdes maßgeblicher Gestalter den Politikern am Montagabend im Bauausschuss vor. Denkbar wäre demnach ein „Ziegenbrunnen“. Ein paar erste Skizzen des Bildhauers Bernd Maro aus Wunstorf lieferte Loges gleich mit. Die Idee dahinter: Das gute halbe Dutzend der in unterschiedlichen Positionen agierenden Bronze-Tierchen träfe sich nicht von Ungefähr am Brunnen vor dem Rathaus. Wer Mitte des 20. Jahrhunderts schon in der Emmerstadt lebte, wird sich erinnern: „Bis 1954 hielten hier viele Familien Ziegen“, erzählt Loges. Die genügsamen Milch-, Butter- und Käselieferantinnen wurden morgens von einem gemeinsam bezahlten Hirten auf die Hänge rund um die Stadt getrieben und abends wieder eingesammelt. Treffpunkt war der Marktplatz. Hier holten die Besitzer ihre Tiere auch wieder ab, sofern die den Nachhauseweg nicht selber fanden.

Der jetzige, von vielen nur als großer Mülleimer genutzte Brunnen würde für die Ziegenversammlung allerdings ein Stück versetzt und flacher gestaltet werden müssen. Ein paar Bänke drumherum könnten zum Verweilen einladen.

Überarbeitet werden soll im Zuge der Neugestaltung von Markt- und Kirchplatz mit einem einheitlichen Pflaster bei insgesamt weniger Grün auch der Rathaus-Eingang. Hier steht ein größerer Eingangsbereich mit halbrunder Treppe zur Diskussion. Überdacht würde er für Aufführungen eine bessere Bühne hergeben als bisher. Und weil die 30 Jahre alte Rolli-Rampe mit ihrer scharfen Kurve keineswegs barrierefrei ist, sieht die Planung des Lügder Ingenieurs Hans-Harald Hartmann stattdessen je eine gerade Rampe an beiden Seiten des Rathauseingangs vor. Eine vom Hotel „Stadt Lügde“ betriebene erweiterte Außengastronomie könnte den Platz zusätzlich aufwerten. Und: Nach aktuellem Stand sollen sechs der jetzt acht Bäume vorm Rathaus erhalten bleiben.

2 Bilder

Die Baukosten für alles zusammen schätzt man im Rathaus auf 972 000 Euro. Das sind 32 000 Euro über dem bisherigen Ansatz. „Aber das können wir durch Einsparungen beim Park ausgleichen“, glaubt Loges.

Den Löwenanteil verschlingt mit 847 000 Euro das Pflaster für Markt- und Kirchplatz. Das Eingangsdach würde etwa 30 000 Euro kosten, während die Ingenieurleistungen mit 25 000 Euro zu Buche schlügen. Für die Skulpturen kalkuliert Günter Loges 70 000 Euro. Weil Lügde voraussichtlich 70 Prozent der Gesamtkosten aus dem Städtebau-Fördertopf des Landes NRW bekommt, bleiben der Stadt 292 000 Euro Eigenanteil.

Übrigens: Die auf dem Marktplatz wegfallenden Parkplätze sollen von 28 neuen Stellplätzen (darunter zwei für Behinderte) sowie zwei Motorradstellplätzen hinterm katholischen Pfarrhaus ersetzt werden. Laut Loges ist die Kirchengemeinde hiermit – ebenso wie mit der Pflasterung rund um die Kirche – schon einverstanden. Fehlt nur noch das endgültige Okay des Erzbistums.

Entschieden ist die gesamte Neugestaltung noch nicht. Das bleibt, nach einer Diskussion in den Fraktionen und im Bauausschuss, dem Lügder Rat überlassen. In einer ersten Reaktion sahen vor allem die Elbrinxer Thorsten Klinge (CDU) und Werner Rissiek (FDP) die Brunnen-Idee wegen der Kosten kritisch. Rüdiger Bode (SPD) indes schloss sich Günter Loges‘ Sicht an und fand: „Wenn wir etwas gestalten, sollten wir es richtig tun.“

Warum der Bauamtsleiter gerade die Kunst so wichtig findet: „Der Brunnen ist das einzige künstlerische Element im ganzen Konzept. Wer so etwas billig gestaltet, darf sich nicht wundern, wenn die Leute wegbleiben.“ Im Übrigen mache allein der Materialwert die Hälfte der Kosten aus – ganz zu schweigen von der Arbeit des Künstlers. Zum Vergleich: Die privat bezahlte „Zigarrendreherin“ soll inklusive Sockel 35 000 Euro gekostet haben. Überdies befände sich Lügde mit einem attraktiven Brunnen in guter Gesellschaft. „Kunst im öffentlichen Raum gewinnt einen erweiterten Stellenwert zur Wahrung des regionalen kulturellen Gedächtnisses“, heißt es in einem Aufsatz zum Thema. Und weiter: „Städte und Gemeinden, die das Potenzial zur Imagebildung nutzten, hatten neben dem Imagegewinn auch einen wirtschaftlichen Nutzen durch einen verstärkten Tourismus.“

Erste Skizze: So könnte sich der Wunstorfer Künstler Bernd Maro den „Ziegenbrunnen“ am Markt vorstellen.

Links: Von Bänken umgeben, könnte der Brunnen in Richtung Mittlere Straße stehen. Rechts: Rund 60 Jahre alt ist diese Postkarte vom Ziegenaustrieb.Verlag R. Schönbach



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