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Realer Verlust durch Realitätsverlust – Mit Ingo Börchers begeistert ein Star des geistreichen Kabaretts im Klostersaal

Wortakrobat prangert die Informationsgesellschaft an

Lügde. Mit Ingo Börchers hat die Kolpingsfamilie ihren Gästen im Lügder Klostersaal wieder einmal einen absoluten Star geistreichen Kabaretts präsentiert. Unter dem Titel „Die Welt ist eine Google“ beschrieb er den Weg von der Produktions- in die Informationsgesellschaft, von der Realität in die Virtualität. „Eigentlich ist es gar nicht wichtig, dass wir etwas wissen, sondern nur noch wissen, wo wir etwas finden.“ Wobei das Finden selbst gar nicht mehr wichtig erscheint: „Bauer sucht Frau, Deutschland sucht den Superstar, Tiere suchen ein Zuhause.“ Vor diesem Hintergrund sei die Antwort egal, die könne immer „42“ lauten, dann sei die Frage schon die Antwort und die Lösung das Problem. Mit spielerischer Wortakrobatik prangerte Börchers den Trend an, die Realität in die Virtualität überzuführen und den Konjunktiv gesellschaftsfähig zu machen. „Im Netz kann man sich seine Realität neu erschaffen – Zeitgeist ist Zweitgeist.“

veröffentlicht am 15.02.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 07:41 Uhr

Feinsinniger Formulierer: Ingo Börchers im Klostersaal.

Autor:

Carlhermann Schmitt
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Was durch ein Gespinst feinsinniger Formulierungen als Pointe daherkam, hätte die begeisterten Gäste in anderem Zusammenhang zur Verzweiflung treiben können. „Durch den Realitätsverlust Einzelner müssen viele nun ihre Verluste realisieren.“

Börchers blickt auch hinter den Daten-Tsunami: „Warum haben die Bahn und die Stasi Daten missbraucht? – Weil sie es können.“ Und er befürchtete, dass Tchibo bald Recht hat mit seinem Slogan „Jede Woche eine neue Welt.“ Dann fehlt nur noch, dass der Vatikan und Google fusionieren. „Dann sind Glaube und Wissen eins, und die Bemerkung, ‚das schaff’ ich doch mit Links’ bekommt eine ganz neue Qualität.“ Der Mensch befreit sich nicht nur im Netz von seiner Realität. Sie holt ihn dort auch wieder ein. Wer seine Tropfen nicht zum Datenmeer beisteuert, existiert nicht. Wer es tut, ist gläsern.



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