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Was „Liuhidi“-Macher Zimmermann am Mittelalter mag

Wollkutte und Holzschuhe müssen für ihn einfach sein

Lügde (jl). Acht Tage noch, dann kann Niklas Zimmermann endlich durchatmen. Denn dann sind die Zelte des „Luihidi“-Marktes am Emmerufer aufgebaut, und die Mittelalter-Sause kann beginnen. Vorher aber hat der ehrenamtliche Macher – neben seinem Beruf als Kaufmann – noch allerhand mit der Organisation zu tun. So will er in diesem Jahr erstmals die diversen Parkplätze ausschildern, damit die Baustelle mitten in der Stadt die vielen auswärtigen Besucher nicht verwirrt. Viel Zeit zur Vorfreude bleibt ihm da nicht. Erst, wenn er sich am 9. Juni – in Wollkutte und alten Holzschuhen – unters Volk mischt, beginnt auch für ihn der Spaß.

veröffentlicht am 01.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 18:41 Uhr

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Dass die altertümlich gewandeten Recken und Ritter, Musikanten und Marktleute seit neun Jahren regelmäßig zu Hunderten die Ackerbürgerstadt heimsuchen und Tausende nach Lügde locken, ist Niklas Zimmermann zu verdanken. „Ende der 1990er Jahre hatten wir zu Ostern einen ganz kleinen Mittelaltermarkt in der Vorderen Straße“, erinnert sich der heute 38-Jährige an den Beginn seines Faibles für die historischen Spektakel. Denn fortan besuchte er hie und da Mittelalter-Märkte, feierte sogar einen Geburtstag im Stil der Zeit und holte – getragen von der damaligen Werbegemeinschaft – schließlich 2001 den ersten Liuhidi-Markt in Lügde. „So ein Konzept passt doch gut hierhin“, findet er noch heute.

Auch wenn die Besucherzahlen wetterbedingt schwanken und der Marketing-Verein mit dem Event auch schon Miese machte – die Akteure kommen stets gern an die Emmer. „Anderswo würden die Beschicker, die davon leben, vielleicht mehr Umsatz machen“, sagt Zimmermann. „Aber in Lügde finden sie es einfach netter.“

Das mag auch daran liegen, dass die Gewandeten hier gut behandelt werden. „Sie kriegen Feuerholz gestellt, Wasser gelegt und dürfen im TuS-Sportheim duschen“, erzählt Zimmermann. Denn den ganz authentischen Mittelalter-Mief am Körper liebt das Gros der zeitreisenden Marktleute dann doch nicht so sehr.

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Und wer Lebensmittel verkauft, befolgt – bei allem Streben nach Authentizität – selbstverständlich die heutigen Hygieneregeln. „Auch, wenn ein Gastro-Stand nach außen mit Lumpen verkleidet ist – innen muss es ganz korrekt zugehen“, erklärt Zimmermann – und ist froh, dass auf den Markt-Profi, mit dem er zusammenarbeitet, Verlass ist. „Der weiß, dass man da keinen Pfusch gebrauchen kann und sieht den Besuchen des Gesundheitsamts immer ganz gelassen entgegen.“

Sein Geld verdient allerdings nur ein geringer Teil der Akteure mit dem Mittelalter-Geschäft. „Für die meisten ist die Teilnahme ein reines Hobby. Sie haben ganz normale Berufe und leben sonst in ganz normalen Wohnungen“, erzählt Zimmermann.

Und was mag er am Mittelalter? „Die Menschen lebten damals noch natürlicher als heute“, sagt er. Diese Ausflüge in ein schlichteres, ursprünglicheres Dasein sind es, die ihm noch immer Spaß machen.

Seine persönlichen Favoriten beim Liuhidi-Markt: „Das Tavernenspiel am Samstag um 21 Uhr, wenn alle Künstler zusammen auftreten, und der Bruchenball – wenn eine Horde eingeölter Männer mit einem Kohlkopf Rugby spielt.“ Ob er si das selbst antut, will Niklas Zimmermann am Sonntag aber erst spontan entscheiden. Denn: „Es macht Spaß, tut aber auch weh.“

In einer Woche ziehen die Mittelalter-Fans und Gaukler wieder in Scharen an die Emmer – zum ersten „Liuhi- di“-Markt im neuen Park. Fotos: Archiv/yt



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