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Nach der Demontage soll die Fertighaus-Etage der Lügder Familie Wagner ab heute neu aufgebaut werden

Wohngifte zwingen zum Abriss

Was tun, wenn die energetische Sanierung eines rund 40 Jahre alten Fertighauses die Wohngifte drinnen massiv konzentriert? Wegen der gesundheitlichen Folgen stand für die Lügder Familie Wagner fest: Die Wohnung muss weg. Am Montag wurde sie Abgetragen, jetzt wird neu gebaut – und die Schulden wachsen. (jl)

veröffentlicht am 15.02.2016 um 18:22 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:43 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Lügde. Häuser wie das von Birgit Wagner gelten gemeinhin als „schmuck“. 2013 ließen die Eigentümerin und ihr Mann das Gebäude rundum einpacken. Doch die von einem erfahrenen Architekten geplante „energetische Sanierung“ hatte Folgen: Die Abdichtung konzentrierte die im Holz der Anfang der 1970er Jahre aufs massive Erdgeschoss gebauten Fertig-Etage enthaltenen Wohngifte wie Formalhehyd und Lindan im Hausinnern. Das machte Birgit Wagner krank. Ein Umweltmediziner und ein Baubiologe bestätigen das.

Jetzt passiert mit ihrer Wohnung, wozu Wagners nach reiflicher Überlegung keine Alternative sahen: Das ganze Stockwerk kommt weg. „Entweder, man will mit dem Gift leben, oder man will es weghaben“, sagt die 39-Jährige.

Nachdem 18 Helfer aus dem Freundeskreis am Samstag binnen zwei Stunden das Dach abgedeckt hatten, demontierten die Zimmerer einer Elbrinxer Firma gestern die erste Etage. und noch heute wollen sie beginnen, das Geschoss neu aufzubauen. Wieder in Holzrahmenbauweise, aber ohne Gift. „Wir haben unbehandelte Lärche und Fichte genommen“, erklärt „Frei-Sa“-Chef Kai Klinge, während er ein großes Stück per Kran herangeschwebte alte Holz- und Styropor-Verkleidung auf den Hänger bugsiert.

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  • Birgit Wagners Eltern bleiben während des Teilabrisses in ihrer Erdgeschoss-Wohnung. Zum Fotografieren kommt Ursula Tappe kurz heraus. Fotos (3): jl
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Mit Blick auf die Schadstoffkonzentration im Haus glaubt der Fachmann: „Sowas kommt in Zukunft bestimmt noch öfter vor. Von solchen Häusern stehen Tausende im Land.“

Als sie erfuhren, wie hoch die Giftkonzentration in ihrer Wohnung war, zogen die Wagners aus (iwir berichteten). Seither leben sie mit ihren drei Kindern bei einer Tante im Souterrain. Obwohl der Kredit der fast 70 000 Euro teuren Sanierung von 2013 noch läuft, haben sie nun erneut Geld aufgenommen, um den Neubau zu finanzieren. Mit dem damals beteiligten Architekt hatten sie zwar ein Gespräch. „Aber da erklärte er nur, er könne nichts sagen“, berichtet Birgit Wagner, die noch über rechtliche Schritte gegen ihn nachdenkt. Sie empfindet seine Planung von damals als fahrlässig. Denn die Schadstoff-Probleme alter Fertighäuser sind in Fachkreisen längst bekannt.

Immerhin: Schon am Donnerstag wollen die Wagners Richtfest feiern. Die Hauseigentümerin übt sich in Zuversicht: „Nach Ostern können wir Fußboden legen und tapezieren.“

Der Fluch des „schmucken“ Hauses: Birgit Wagner (li.) im Dezember vor dem zartgelb gestrichenen Gebäude. Gestern haben die Handwerker die erste Etage abgetragen (oben). Schon am Donnerstag wollen Wagners mit dem neuen Aufbau Richtfest feiern.



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