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FWG will, dass Lügde den Bau der millionenteuren Pumpspeicherbecken auf und am Mörth begrüßt

Wird die Stadt zur Kraftwerks-Lobbyistin?

Lügde. „Wir sollten nicht mit fliegenden Fahnen vorweg laufen, aber das Projekt auch nicht gleich in Bausch und Bogen verdammen.“ Das hatte Bürgermeister Heinz Reker vor knapp drei Monaten bei der ersten öffentlichen „Bürgerinformation“ zu dem von Hochtief mitten ins naturgeschützte Mörth gewünschte geplante Pumpspeicherkraftwerk (PSW) gesagt. Auf Bitten des Baukonzerns und des Kreises Lippe hatte Lügdes parteiloser Verwaltungschef zwar zwischen den PSW-Lobbyisten auf dem Podium Platz genommen und die Diskussion an diesem Abend moderiert. Doch seine Position hielt er neutral.

veröffentlicht am 13.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 09:16 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Ob Reker diesen offiziellen Standpunkt auch künftig wird aufrechterhalten können, sollen schon bald Lügdes Ratsmitglieder entscheiden. Denn einige örtliche Politiker wollen mehr. Speziell die FWG-Fraktion wünscht sich, dass die Stadt die Planungen zum Bau der mehrere Hundert Millionen Euro teuren Anlage „begrüßt“. „Der Rat der Stadt Lügde beauftragt den Bürgermeister, dieses Projekt aktiv auf dem Wege zur Realisierung zu unterstützen“, fordern die Freien Wähler in einem aktuellen Entschließungsantrag. Das Papier wollen sie in der nächsten öffentlichen Sitzung des Rates am kommenden Montag, 16. Dezember (ab 18 Uhr, Ratssaal), vorstellen.

Mit dem Antrag möchte FWG-Fraktionschef Klaus Meier auch darauf hinwirken, dass Reker mithilft, Investoren für das mindestens 300, vielleicht aber auch 450 Millionen Euro teure Bauprojekt aufzutun. Meier könnte sich hier einen „breit in der Region verankerten Betreiberkreis“ vorstellen. Infrage kämen nach seiner Einschätzung zum Beispiel Kommunen, Bürgerverbände oder Grundstückseigentümer.

Die FWG vertritt die Meinung: „Eine Investition in dieser Größenordnung im Stadtgebiet von Lügde sollte unter Berücksichtigung der Umweltverträglichkeit, der Energiewende, der Gewinnung von Arbeitsplätzen und des Tourismusaspektes aktiv vorangetrieben werden.“ Voraussetzung sei allerdings, „dass ein Pumpspeicherwerk auf dem Mörth ökologisch vertretbar ist, dass die betroffenen Eigentümer zum Verkauf der Grundstücke bereit sind und die Bedenken der anliegenden Bewohner ausgeräumt werden“. Tritt diese Situation ein, dann erhoffen die Freien Wähler von der Großinvestition mehr Gewerbesteuern für die Stadt, neue Arbeitsplätze und eine Bereicherung für den Lügder Tourismus. Seine Recherche bei der für das PSW Goldisthal in Thüringen zuständigen Stadtverwaltung habe ergeben: „Die Führungen im Kraftwerk sind ein halbes Jahr vorher ausgebucht.“

Abgesehen von der Notwendigkeit der Stromspeicherung im Zuge der Energiewende sieht Klaus Meier in dem Projekt „eine Chance für Lügde“. Eine solche zukunftsweisende Investition müsse man auch gut verkaufen. „Wenn alle dahinter stehen, haben wir weniger Gegenwind“, so Meier, im Hauptberuf Finanzbeamter, gegenüber den PN. Dass der Abwägungsprozess über das Mammutprojekt „ganz reibungslos über die Bühne geht“, glaubt allerdings auch der FWG-Ratsherr nicht. Ihm ist klar: „Eine große Klippe wird das Mörth.“

Ob Stadt und Bürgermeister die von der FWG gewünschte Befürworter-Rolle einnehmen, wird Lügdes Rat am Montag aber wohl noch nicht entscheiden müssen. Die Stadtverwaltung hat jedenfalls vorgeschlagen, das Thema nicht jetzt, sondern zunächst im Bauausschuss ausführlich zu behandeln.

Bei der ersten öffentlichen Vorstellung der PSW-Pläne vor knapp drei Monaten in Elbrinxens „Lippischem Hof“ war die Mappe des Lügder Bürgermeisters noch nicht übermäßig mit Informationen gefüllt. Von dem Projekt hatte Heinz Reker selbst erst Anfang Juli erfahren. jl



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