weather-image
21°
Warum Lügdes evangelische Gemeinde künftig noch mehr Geld sparen muss

Winter-Gottesdienste im Wichernhaus?

Lügde. Am vergangenen Freitag kamen rund 100 Delegierte aus evangelischen Gemeinden zur Landessynode der evangelischen Kirche Westfalen. Neben den evangelischen Gemeinden aus den Kreisen Paderborn und Höxter, war auch die Exklave Lügde vertreten.

veröffentlicht am 06.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 22:41 Uhr

270_008_6775077_pn301_0612.jpg

Autor:

von julia rau
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Hauptaugenmerk der Synode waren eine neue Finanzsatzung und Haushaltsplanungen für die nächsten Jahre. Zwar sei die Höhe der Mittel des Kirchenkreises in den nächsten zwei Jahren „stabil“, wie Finanzausschuss-Vorsitzender Martin Gasse sagte. Ab 2016 seien aber große Einschnitte zu erwarten.

Am Ende dieses Jahres dürfte Westfalens Kirche zwar über 8,7 Millionen Euro an Kirchensteuern eingenommen haben. Für 2014 rechnet der Kirchenkreis zudem mit Steuerzuweisungen von etwa 9,2 Millionen Euro. 2015 wird ein Rückgang um 300 000 Euro prognostiziert. Da die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder insgesamt in Westfalen zurückgehe und 2016 obendrein viele Mitglieder in Rente gingen und somit als Kirchensteuer-Zahler ausfielen, müsse man sich jetzt schon auf weitere Einsparungen einstellen, so Gasse. Die wirtschaftliche Tendenz und die Entwicklung des Steuersystems tun laut Gasse ihr Übriges. Er warnt deshalb davor, „die Hände in den Schoß“ zu legen. Verwaltungsleiter Jürgen Jurczik verwies derweil auf steigende Personalkosten. „Vorsorge treffen ist das Gebot der Stunde“, stellt er klar.

In einigen Gemeinden der Kreise Paderborn und Höxter mussten in den vergangenen Jahren sogar Immobilien verkauft werden. „Das steht in Lügde nicht zur Debatte, da wir nur das Pfarrhaus, das Gemeindehaus und die Kirche haben“, sagt Pfarrer Holger Nolte-Guenther auf PN-Anfrage.

270_008_6777632_pn302_0612_4sp_jl_Holger_0806.jpg
  • Pastor Holger Nolte-Guenther bei einer Veranstaltung in St. Johannis. Möglich, dass er die Gottesdienste im Winter künftig aus Spargrünen ins Wichernhaus verlegt. Entschieden ist das aber noch nicht. Archiv/jl

Er hat selbst an der Landessynode teilgenommen und blickt skeptisch Richtung Zukunft. „Die finanzielle Situation ist und bleibt schwierig“, glaubt der Pfarrer. Schon 2005 mussten der Organistin und der Küsterin die Arbeitsstunden gekürzt werden, und auch sein Gehalt schrumpfte. Nun müsse weiter gespart werden.

Zwar kann die Lügder St.-Johannis-Gemeinde durch eine neue Finanzsatzung nun freier entscheiden, wofür sie ihr Geld ausgeben will. Mehr wird es dadurch aber nicht.

Die neue Satzung sieht zudem eine neue Berechnung der Zuweisungen vor, die sich stärker an der Zahl der Mitglieder orientiert. Bisher wurde das Geld im Rahmen eines Bedarfsplans verwaltet, in dem bestimmte Fixkosten vorgesehen waren. Alles Zusätzliche musste angefordert werden.

Die neue Satzung hat laut Pfarrer Nolte-Guenther aber noch keine Auswirkungen auf seine Gemeinde. „Wir bekommen etwa wieder so viel wie im Vorjahr“, überschlägt er. Konkret sind das bis 2016 jährlich 56 000 Euro, die in Eigenregie verteilt werden können. Die Gehälter für die Organistin, den Gärtner, die Küsterin und eine Sekretärin seien davon noch abzuziehen.

Da aber seit dem Jahr 2000 die Mitgliederzahl in Lügde von über 2000 auf nun etwa 1700 zurückgegangen ist und damit auch die zugewiesenen Mittel geringer werden und obendrein noch weitere Einbrüche bei den Steuern zu erwarten sind, überlegt der Pfarrer, wo er noch sparen kann. Personelle Kürzungen solle es aber nicht geben.

„Eine Möglichkeit wäre, eine Winterkirche einzurichten. Also den Gottesdienst während der kalten Monate im Gemeindehaus abzuhalten, statt in der Kirche“, sagt Nolte-Guenther. An anderen Stellen sind es kleine Aufmerksamkeiten wie Weihnachtsbriefe an Senioren, Kalender oder Päckchen, die vielleicht nicht mehr ins Budget passen. „Die Seniorenfreizeit werden wir natürlich weiter anbieten“, sagt der Pfarrer. Aber man müsse hier und dort vielleicht manches kürzen.

Angesichts dieser Entwicklung ist es kein Wunder, dass bei der Synode auf den Vorschlag eines Teilnehmers, drei neue Stellen in der Kreisverwaltung zu schaffen, eine heftige Diskussion ausbrach und für den größten Aufreger des Tages sorgte.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare