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Erzieher wünschen sich mehr Mitspracherecht bei Delfin 4 / 18 Lügder Kinder werden gefördert

Wie sinnvoll ist der Sprachtest für Vierjährige?

Lügde (jhe). Nicht jeder Schulanfänger kann so gut sprechen, wie es seinem Alter angemessen wäre. Bei manchen hapert es an der Grammatik, bei anderen am Wortschatz, und wieder andere trauen sich erst gar nicht, etwas zu sagen. Um die sprachlichen Defizite der zukünftigen Schulanfänger möglichst früh herauszufinden, werden in Nordrhein-Westfalen alle Vierjährigen anhand des „Delfin 4“-Tests untersucht.

veröffentlicht am 07.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 22:41 Uhr

Im Kindergarten Falkenhagen setzen die Erzieher bei ihrer Betreu
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Im Stadtgebiet Lügde hat der diesjährige Test ergeben, dass 18 von 85 Kindern eine Sprachförderung brauchen. Mit rund 21 Prozent Förder-Kindern „stellt sich Lügde im lippischen Kontext ganz normal dar“, sagt Schulrat Wilfried Starke aus Detmold.

Seit Testbeginn im Jahr 2007 sind in Lügde insgesamt 52 Kinder für die Förderung ausgewählt worden. In diesem Sommer sind die ersten Delfin 4-Kinder eingeschult worden. Lügdes Grundschulleiterin Anneli Runte kann bislang noch nicht beurteilen, wie sich die zweijährige Förderung im Kindergarten auf das Sprachvermögen ihrer Erstklässler ausgewirkt hat. Sie geht aber davon aus, dass Kinder, die regelmäßig an der Sprachschulung teilgenommen haben, „bestimmt bessere Sprachkenntnisse haben als ohne diese zwei Jahre“.

Besser können hingegen die Erzieherinnen in den Tagesstätten den Fortschritt der Kinder beurteilen. „Die Sprachförderung ist auf jeden Fall sinnvoll“, betont Anja Jeschonnek, Erzieherin und Fachkraft für Sprachförderung im städtischen Kindergarten „Pusteblume“ in Lügde. In der sprachlichen Entwicklung der Kinder sehe sie „beim allergrößten Teil“ eine deutliche Verbesserung.

Falkenhagens Kita-Chefin Martina Deppenmeier weiß, dass auch Eltern die Förderung „als Chance für ihre Kinder begreifen.“ Viele seien sogar enttäuscht, wenn ihre Kinder nicht an der Delfin 4-Gruppe teilnehmen dürften. Auch ihr Sprachförderungs-Fachkraft Ute Niggemann findet es „schade, dass nicht noch mehr Kinder in den Genuss der Sprachförderung“ kommen.

An dieser Stelle sehen die Erzieherinnen ein Problem im Delfin 4-Testverfahren. Jeschonnek: „Manche Kinder mit Sprachproblemen fallen ’raus, und jene ohne Probleme werden gefördert.“ Sie wünsche sich, dass die Auswahl der Förder-Kinder mehr in die Hände der Erzieherinnen gelegt werde, denn „wir wissen ja, wie die Kinder sprechen“.

Für Delfin 4 ist aber eine Testsituation vorgesehen, in der eine Lehrerin der zukünftigen Grundschule zusammen mit einer Erzieherin Punkte vergibt. Die Kinder sind in kleinen Gruppen alphabetisch zusammengewürfelt und kennen sich zum Teil gar nicht. In dieser Konstellation sollen sie ein Spiel spielen und haben nur an wenigen Stellen Gelegenheit, etwas zu sagen.

„Entweder, das Kind antwortet und bekommt dafür Punkte Oder es sagt nichts. Doch dann kann es später keine Punkte nachholen – auch dann nicht, wenn es etwas sagt“, erklärt Jeschonnek, die den Test zu starr und mit bis zu 40 Minuten zu lang für die jungen Kinder findet.

Auch Anneli Runte hat beobachtet, dass „gerade bei dem Spiel viele Kinder blockiert“ seien. Sie müssen dann anschließend in die zweite Runde – was für die testenden Lehrer einen großen Zeitaufwand zulasten des Unterrichts bedeute.

Dennoch hält Schulrat Starke den Test für sinnvoll. „Er verläuft auf objektivierbarer Basis.“ Könnten allein die Erzieherinnen bestimmen, welches Kind gefördert werde, gelten in Kindergarten A andere Maßstäbe als in Kindergarten B. „Dann hätten wir eine bunte Basis, wer Sprachförderung bekommt und wer nicht.“

Und schließlich sei die Förderung auch mit Geld verbunden. Denn für jedes Kind bekommt ein Kindergarten 340 Euro – Geld, das für Personalstunden oder Material verwendet werden kann.

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