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Aufführung in der Grundschule Rischenau

Wie ein Theaterstück Kinder gegen Übergriffe schützen soll

RISCHENAU. „Mein Körper gehört mir!“ heißt ein Stück des Ensembles der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück. Das Ziel der Aufführungen ist es, dass die Grundschulkinder auf altersgerechte Weise lernen, wie sie auf körperliche Angriffe reagieren sollen und wie sie diese abwehren können. Kein einfaches Thema.

veröffentlicht am 12.11.2018 um 16:36 Uhr

Die lesende Schülerin erlebt eine höchst unangenehme Überraschung, als ihr der zugestiegene Jugendliche, ganz zufällig unbeabsichtigt“ den Arm um die Schultern legen will. Doch mit einem klar, deutlich und vor allem lautstark geäußerten „Nein!“ hat s
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Wenn Sandra Schömer in die Saiten ihrer Ukulele greift und gemeinsam mit Stefan Beckmann das „Körperlied“ anstimmt, dann sind die Mädchen und Jungen zunächst mucksmäuschenstill. Doch sobald sie den Text der ersten Strophe einmal nachgesprochen haben, singen sie beim zweiten Mal lautstark und begeistert mit. Und auch die Bewegungen, die das Lied begleiten, das Nachahmen des Fliegens oder die zum Zeichen der eigenen Stärke geballte und noch oben gehaltene Faust, haben sie schon drauf.

Die beiden Mitglieder des – inzwischen rund 130-köpfigen – Ensembles der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück kennen diese Reaktionen längst und erleben sie auch in Rischenau wieder, als sie nacheinander vor den beiden dritten und der vierten Klasse mit ihrem interaktiven Theaterspiel „Mein Körper gehört mir!“ auftreten.

Dieses Mal geht es noch nur um den ersten Teil des Stücks und um die erste Strophe des Körperlieds. In dieser und der nächsten Woche werden Sandra Schömer und Stefan Beckmann noch zweimal nach Rischenau anreisen und die beiden weiteren Teile der Aufführung sowie die zweite und die dritte Strophe des Körperlieds mitbringen. Denn die Kinder sollen nicht gleich beim ersten Mal mit all dem konfrontiert und geradezu „überfrachtet“ werden, was es für sie zum Thema „Mein Körper gehört mir!“ zu sehen und zu hören, zu erfahren und zu lernen gibt. Denn das ist das Ziel der Aufführungen: Die Grundschulkinder sollen auf altersgerechte Weise lernen, wie sie auf körperliche Angriffe reagieren sollen und wie sie diese abwehren können. Andernfalls könnten sie durchaus Gefahr laufen, Opfer von sexuellem Missbrauch bis hin zur Vergewaltigung zu werden. Und dabei geht es nun wahrlich nicht mehr um „Übergriffe“, auch wenn dieser beschönigende und gänzlich unangebrachte Ausdruck in diesem Zusammenhang immer wieder – und leider keineswegs nur von den Tätern – gebraucht wird. Es handelt sich dann vielmehr um brutalste Gewalt, die dem betroffenen Kind angetan wird, die es erleiden muss.

Deshalb erfahren die Mädchen und Jungen, wie sie schon erste Ansätze zu derlei Handlungen erkennen und sich, auch wenn sie selbst noch klein und schwach sind, gegen solche „Grenzverletzungen“, – auch so ein übler Euphemismus – zur Wehr setzen können.

Voraussetzung dafür ist wiederum unter anderem die Fähigkeit zur klaren Unterscheidung zwischen dem „Ja“– und dem „Nein“-Gefühl, verbunden mit der Bereitschaft, die gefühlte Ablehnung auch deutlich zum Ausdruck zu bringen, zum Beispiel mit einem klaren und für möglichst viele Umstehende hörbaren „Nein!“

Eben das war jetzt in der Grundschule Rischenau gewissermaßen die „Lektion der ersten Stunde“. Aber auch, dass niemals sie selbst an derlei Missbräuchen „schuld“ sind, dass sie sich vielmehr ihnen nahestehenden Erwachsenen, in erster Linie also ihren Eltern, anvertrauen können und von ihnen Verständnis und Unterstützung erfahren, lernten die Dritt- und Viertklässler. Die beiden Theaterpädagogen machten all das in verschiedenen Szenen vor, spielerisch, kindgerecht, vor allem aber begeisternd und so absolut überzeugend, dass sich den Kindern das Erlernte tief ins Gedächtnis eingeprägt haben dürfte. Als Gast der ersten Aufführung war Andreas Weber nach Rischenau gekommen. Weber ist Vorstandsmitglied der Volksbank Ostlippe, die die Kosten übernommen und, so Schulleiterin Dagmar Schulz, „überhaupt erst möglich gemacht hat, dass wir die Theaterwerkstatt mit ihrem gefragten Präventionsprogramm überhaupt erst für unsere Schule gewinnen konnten“. Und für den Banker steht jetzt außer Frage: „Jeder Euro, den wir hier für sie investiert haben, wird sich in der Zukunft der Kinder zehnfach bezahlt machen.“



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