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Protestnoten an die Sparkasse

„Wie damals mit unserer Grundschule“

Im Lügder Ortsteil Elbrinxen regt sich zunehmend Unmut gegen den Beschluss der Sparkasse Paderborn-Detmold, ihre Filiale im Dorf zum 30. Juni zu schließen. Ziel der von Ortsbürgermeister Hermann Wenneker ausgelegten Unterschriftenliste sowie einiger Briefe und E-Mails ist es, zumindest den Geldautomaten zu halten. (jl)

veröffentlicht am 14.04.2016 um 20:33 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Elbrinxen. Falls die Manager der Sparkasse Paderborn-Detmold aus der zurückgegangenen Kundenfrequenz in ihrer Elbrinxer Filiale geschlossen haben, dass die Kunden die Nachricht von der beabsichtigten Schließung ohne Murren schlucken würden, dann unterlagen sie einem Trugschluss. Der Widerstand gegen den zum 30. Juni geplanten räumlichen Rückzug des Geldinstituts aus dem Golddorf wird lauter. Mehrere Elbrinxer haben Beschwerde-Briefe und E-Mails an die Sparkasse sowie an deren Verwaltungsrat geschrieben. Und ab heute sollen beim örtlichen Bäcker und im Getränkemarkt Unterschriftenlisten ausliegen. Das hat Elbrinxens Ortsbürgermeister Hermann Wenneker am Donnerstagabend angekündigt.

Zu denen, die nach Paderborn geschrieben haben, gehört Oliver Jürgens. Der zweite Vorsitzende des Elbrinxer Heimat- und Verkehrsvereins hat seine E-Mail an Manfred Müller adressiert. Der Paderborner Landrat steht dem Verwaltungsrat der Sparkasse Paderborn-Detmold vor. Das Gremium hatte die Empfehlung der Sparkassen-Spitze zur Schließung von insgesamt 19 Filialen im Geschäftsbereich des Geldinstituts in der vergangenen Woche einstimmig abgesegnet (wir berichteten).

In seiner E-Mail schreibt der Mann aus Elbrinxens HVV-Spitze mit Blick auf die beabsichtigte Filialschließung: „Dieser Schritt wird unser Dorf hart treffen.“ Nach dem Verlust der örtlichen Grundschule sei das ein weiterer Schritt, der die Bürger an der Zukunftsfähigkeit ihres Dorfes zweifeln lasse.

Jürgens erinnert den Adressaten seines Schreibens daran, dass auch die Sparkasse Paderborn-Detmold immer wieder Sonderpreise beim Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gesponsert hat, und fragt: „Wie passt dieses Engagement mit den jetzigen Schließungsplänen zusammen?“ Sein Vorwurf: „Sie destabilisieren unser Dorf.“

Zudem richtet der Elbrinxer den Fokus auf seine Wahrnehmung von Ursache und Wirkung, wenn er schreibt: „Die Sparkasse führt als einen Hauptgrund das veränderte Nutzungsverhalten an. Das ist sicher richtig. Nur noch wenige Menschen haben Kontakt mit den Angestellten. Aber ist das nicht so gewollt gewesen?“ Jahrelang sei das Netz an Geldautomaten ausgeweitet worden. Die Kunden seien dazu erzogen, die Automaten zu nutzen. Dann seien sie an das Online-Banking herangeführt worden. „Das alles war so gewollt.“ Den Kunden nun vorzuwerfen, dass sie die „Köder“ der Sparkasse geschluckt hätten, halte er für scheinheilig. Ebenso wie die Formulierung im Brief an die Kunden, dass nunmehr „Nähe neu definiert“ werde.

Dass insbesondere ältere Kunden von der Filialschließung besonders hart getroffen sein werden, steht für Jürgens ebenso fest wie für andere Elbrinxer, die beim Plausch an der Kuchentheke von Bäcker Büker-Wieneke über das Ärgerthema reden. „Es ist genau wie damals mit unserer Schule“, sagt eine Frau. Und die anderen stimmen ihr zu. Dem vom Bankhaus avisierten Bargeld-Bringdienst für immobile Kunden sehen die Leute auch eher skeptisch entgegen.

Jürgens glaubt zwar nicht, dass die Sparkasse ihre Schließungsabsicht aufgrund von Protesten zurücknehmen wird. Er schließt seine E-Mail aber mit der inständigen Bitte, wenigstens „den Geldautomaten im Dorf zu lassen“ – als eine Art Würdigung des jahrelangen Engagements im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.

Oliver Jürgens und Hermann Wenneker sind nicht die Einzigen, die ihre Protestnoten nach Paderborn geschickt haben. Auch Christel von der Heide, die Vorsitzende des örtlichen Frauenchors, hat an die Sparkassen-Zentrale geschrieben, nachdem der Rückzug des Geldinstituts auch beim aktuellen Singabend für Aufregung sorgte. Dem Vernehmen nach werden weitere Briefe und E-Mails aus den betroffenen Ortsteilen folgen.

Ob und wie Lügdes Politiker auf die Schließungsnachricht reagieren, ist noch nicht entschieden. „Wir bedauern das sehr“, sagte CDU-Fraktionschef Thomas Blum am Donnerstag auf Anfrage und stellte in Aussicht, sich mit seinem Fraktionskollegen Wenneker kurzschließen zu wollen.

Lügdes SPD-Fraktion traf sich gestern zu ihrer regelmäßigen Sitzung. Laut Fraktionschef Dieter Diekmeier solle dort beraten werden, wie man damit umgehe.

Deutlicher positionierte sich Klaus Meier für die FWG. „Unser Ziel muss sein, wenigstens den Geldautomaten zu erhalten“, sagte der Fraktionschef der Freien Wähler. „Wir werden uns der Unterschriftensammlung von Herrn Wenneker anschließen.“

Es ist noch gar nicht lange her, dass der Geldautomat im Foyer der Elbrinxer Sparkassen-Filiale erneuert wurde. Für seinen Erhalt wollen die Kunden kämpfen, die der Sparkasse geschrieben haben. Denn noch wollen sie den Glauben an den Slogan „Gleich in Ihrer Nähe“ nicht gänzlich aufgeben. Foto: jl



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