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Viele wollen die 2500 Euro mitnehmen, aber der Topf leert sich zusehends / Auto-Auswahl schrumpft

Wer die Abwrackprämie kriegt, ist ungewiss

Lügde (pet/jl). „Die Aktion mit der Abwrackprämie ist ganz gut, und natürlich profitieren wir auch davon“, sagt Eckhart Mirschel vom gleichnamigen Lügder Autohaus. „Wir hatten in letzter Zeit etwa 50 Prozent mehr Kunden.“ Uwe Henze, Automobilkaufmann beim Autohaus Kleimeier, schätzt den Zuwachs gar auf etwa drei Viertel. „Die Hälfte der Kunden kommt nur wegen der Prämie“, bestätigt sein Chef Thomas Kleimeier.

veröffentlicht am 05.02.2009 um 20:34 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 08:41 Uhr

E. Mirschel
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Nachfrage übersteigt

Angebot bei weitem

Keine Frage also: Die Aussicht auf 2500 Euro vom Staat beim Kauf eines abgasarmen Neu- oder Jahreswagens nach Euro-4-Norm facht das Kaufinteresse vieler Altauto-Besitzer auch im Einzugsgebiet der PKW-Händler in der Emmerstadt enorm an. Doch es gibt ein Problem: Die Hersteller, Großhändler und Händler können die Nachfrage kaum befriedigen. Mancher, der jetzt ein neues Auto ordert, wird monatelang darauf warten müssen. Und auch die Auswahl bei den Jahreswagen schrumpft zusehends.

„Bei so viel Interesse ist das Kontingent fast erschöpft, und wegen der dadurch entstehenden Lieferzeiten von bis zu zwölf Wochen ist das Risiko groß, dass der Topf dann leer ist“, meint Uwe Henze.

Auch Horst Föste vom Autohaus Kalle sieht die Sache kritisch: „Die ganze Aktion wurde irgendwie mit der heißen Nadel gestrickt. Es gibt viele Unsicherheiten, und es fehlt ein einheitlicher Leitfaden“, sagt er. Dabei will er das Positive nicht ignorieren: „Der Publikumsverkehr hat sich sicherlich ver- doppelt“, schätzt er.

Horst Föste
  • Horst Föste

Bedenken hat aber auch Eckhart Mirschel: „Wir wissen nicht, wie lange die Aktion gehen wird. Und wenn wir die 2500 Euro vorstrecken, wissen wir auch nicht, wann wir das Geld mal wiederbekommen“, sagte er. „Aber das Risiko muss man als Händler eingehen.“ Möglich allerdings, dass andere Händler das anders sehen. Sind die Lieferzeiten nämlich so lang, dass der Prämien-Topf schon leer ist, wenn das neue Auto endlich auf dem Hof steht, dann darf der Verkäufer das vorgestreckte Geld vom Kunden einfordern. Daher sollte jeder im Vertrag auf Formulierungen wie „vorbehaltliche Prämie“ achten.

Trotzdem profitieren die hiesigen Autohäuser von der Aktion. 90 Prozent der Kunden interessierten sich für Kleinwagen. Bei Mirschels Neu- und Jahreswagen sind besonders der „Skoda Fabia“ und die kleineren VW-Modelle „Polo“ und „Fox“ beliebt. „Aber insgesamt hat der deutsche Markt nicht so viel davon. Vor allem ausländische, günstige Kleinwagen wie der „Dacia“ und „Lancia“ sind gefragt“, meint Mirschel.

Gefragt sind vor allem

günstige Zweitwagen

Beim Autohaus Kleimeier schauen die Kunden ebenfalls „besonders nach kleinen Zweitwagen, bei denen sich die Prämie richtig lohnt“, erklärt Henze. Weiter sagt er, dass viele noch gar nicht vorgehabt hätten, ein neues Auto zu kaufen, aber: „Die Prämie ist dann doch ein Grund, sich einen neuen Wagen anzuschaffen.“ Somit dürfte die Aktion den Autoabsatz zwar im Moment ankurbeln. Die Auswirkungen auf künftige Verkaufszahlen sind aber noch nicht abzuschätzen.

Fest steht: Potenzielle Autokäufer sollten sich möglichst bald entscheiden. Denn die Bundesregierung hat im Zuge des Konjunkturpakets insgesamt „nur“ 1,5 Milliarden Euro für die Abwrackprämie zur Verfügung gestellt. Davon sollen aber auch die Kosten für den Verwaltungsaufwand bezahlt werden. Rein rechnerisch reicht diese Summe dann für etwa 600 000 Anträge. „Man weiß ja nicht, wann das Geld alle ist“, schlussfolgert Eckhart Mirschel.

Thomas Kleimeier und seine Händlerkollegen haben momentan nicht mehr sehr viele Autos auf Lager, deren Käufern sie die Abwrackprämie anbieten können. Fotos: jl



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