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Zündapp & Co.: Warum Lügder alte Zweiräder lieben

Wenn das Herz im Zweitakt schlägt

LÜGDE. Die Legenden sind tot – es leben die Legenden. Zündapp, Hercules, Kreidler, Maico Schwalbe und aus Österreich: Puch. Wiederbelebte Namen einst erfolgreicher Zweiradhersteller die heute, in Zeiten der „Scooter“, nur noch kundige Jugendliche kennen. Doch die Zweitakt-Freunde schwören auf die alten Zweiradschätze.

veröffentlicht am 26.06.2017 um 17:31 Uhr
aktualisiert am 26.06.2017 um 21:15 Uhr

Ein unvergessliches Erlebnis war das Zündapp-Treffen zum 100. Jubiläum in Sigmaringen mit Teilnehmern aus ganz Europa. Foto: Widany/pr
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Autor

Uwe Bosselmann Reporter
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Die Namen der Hersteller von Mofas, Mopeds, Mokicks und Kleinkrafträdern sind durchaus noch präsent. In Garagen, Scheunen und Kellern stehen die Zweiräder – liebevoll gepflegt und restauriert oder manchmal auch vergessen. Vielen der bis zu 50 oder 60 Jahre alten Maschinen ist es vergönnt, ihre Schönheit und ihren Charme wieder zu zeigen.

Formen und Linien, die sich heute wohltuend von den zeitgenössischen Zweirädern, Rollern und Motorrädern unterscheiden. Waagerechte, beruhigend ausgeglichene Linien, klare Trennung von Motor, Tank und Sitzbank und – nicht zu vergessen – ein motorradähnliches sicheres Fahrverhalten durch große Räder, lange Radstände und zum Teil leistungsfähige Bremsanlagen kennzeichneten die Ära dieser Zweiräder in den 1950er, 1960er, 70er und 80er Jahren. Allen gemeinsam ist der Hubraum von 50 Kubikzentimetern, scherzhaft auch „Schnapsglasklasse“ genannt. Bis 1980 wurden landläufig pedallose Kleinkrafträder mit Kickstarter und einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 40 Stundenkilometer als „Mokicks“ bezeichnet. Darüber, ohne Geschwindigkeitsbeschränkung, „Kleinkrafträder“. Sie trugen ein „richtiges“ Kennzeichen.

Viele der alten Mofas, Mopeds, Mokicks und Kleinkrafträder werden sich mit ihren Fahrern am Samstag, 1. Juli, ab 10 Uhr, in Lachem am Sportplatz zum 10. Zweitakter-Treffen zusammenfinden. Neben den Fachgesprächen mit Gleichgesinnten, dem Austausch von Erfahrungen und der Pflege der Kontakte stehen Ausfahrten separat für Mokicks und Kleinkrafträder auf dem Programm.

Zündapp verschiedener Baujahre stehen bei den Zweitaktfreunden Harald Lüdeke, Michael Nagel, Lukas Lüdeke, Andreas Röper und Udo Widany hoch im Kurs. Foto: ubo
  • Zündapp verschiedener Baujahre stehen bei den Zweitaktfreunden Harald Lüdeke, Michael Nagel, Lukas Lüdeke, Andreas Röper und Udo Widany hoch im Kurs. Foto: ubo
Liebe zum Detail: ein geprägtes Schild auf dem vorderen Schutzblech der Sport Cobinette. Foto: ubo
  • Liebe zum Detail: ein geprägtes Schild auf dem vorderen Schutzblech der Sport Cobinette. Foto: ubo

Seit 2008 nehmen die „Zweitakt-Freunde Lügde“ jedes Jahr am Zweitakter-Treffen teil. Aus der eher lockeren Verbindung ist eine feste Gruppe von zwölf Personen geworden, die in jedem Jahr rund zehn kürzere und längere Ausfahrten unternimmt. „Wir haben uns durch Zufall zusammengefunden“, erzählen Michael Nagel, Andreas Röper, Udo Widany sowie Lukas und Harald Lüdeke im Gespräch. „Wir sind zusammen zur Schule gegangen“, ergänzen Andreas Röper und Harald Lüdeke. Allen gemeinsam ist die Liebe zu ihren Zweitakt-Schätzen. Bei ihnen steht Zündapp hoch im Kurs. Eine KS 80 (Michael Nagel), eine KS 50 WCTT (Andreas Röper), eine C 50 Sport, angelehnt an eine GTS 50 (Udo Widany) sowie eine C 50 Sport (Harald Lüdeke) und eine Sport Combinette (Rafael Wesolowski – an diesem Abend von Lukas Lüdeke) gehören zum Fuhrpark.

„Daneben sind auch Hercules und Kreidler vertreten und unsere Frauen fahren auch“, ergänzen die Zweitakt- Freunde. Selbstverständlich waren sie auch beim 100. Geburtstag von Zündapp im Mai in Sigmaringen. Knapp 1500 Fahrer aus ganz Europa trafen sich zu diesem Jubiläum. „Es war grandios. Welch seltene Maschinen man dort sah, tolle Lackierungen und viele Gleichgesinnte. Es war super. Unsere Maschinen haben wir im Transporter transportiert“, schwärmen sie noch immer. Die Strecke bis zur Schwäbischen Alb wollten sie ihnen (und sich) nicht zutrauen. „Früher hätte man es vielleicht gemacht. Geräusche störten damals nicht.

Doch heute achtet man auf jedes Klappern, damit nichts Schaden nimmt. Früher fuhr man so schnell es ging, heute nicht mehr, weil jeder Schaden richtig Geld kostet“, erklärt Andreas Röper. So werden die Schätze auch nicht mehr jeden Tag gefahren. „Dafür haben wir andere Fahrzeuge“, meint Harald Lüdeke. Ersatzteile für die alten Schätze sind noch im Netz und bei gut sortierten Händlern zu bekommen, doch sie haben ihren hohen Preis. Repariert wird meist selber. „Auch untereinander kennt und hilft man sich“, ergänzt Udo Widany. Originalität steht dabei im Vordergrund. „Einige der Maschinen sahen wirklich schlimm aus. Die musste man zerlegen und neu aufbauen. Andere haben 30 Jahre lang im Kuhstall gestanden, es ist nichts verrostet. Die Substanz und der Lack sind gut und die Maschinen springen nach auf den zweiten Tritt auf den Kickstarter an.

Die Maschinen belässt man so, weil sie so original sind und die Patina der Jahrzehnte haben“, sind sich die Freunde einig. So gehören 60 Jahre alte Mopeds im Originalzustand wie auch restaurierte Fahrzeuge zum Fuhrpark. Allen gemein ist die Bewunderung für die Kleinkrafträder, Mopeds und Mokicks der anderen. Die jeweilige Marke spielt dabei keine Rolle. „Wenn ich diese Formen, Linien und die Liebe zu jedem Detail sehe, weiß ich, dass sich da jemand sehr große Mühe gemacht hat, es genau so zu gestalten“, schwärmt Harald Lüdeke und verweist auf die ausladenden Schutzbleche, die Verkleidungen um den Vergaser und auf die Seitendeckel mit dem erhabenen Zündapp-Zeichen. „So was Schönes gibt es heute einfach nicht mehr“, schiebt er hinterher. Deshalb sind für die Zweitakt-Freunde auch die modernen Roller und Motorräder keine Alternative.

„Wenn ich mit meiner Zündapp fahre, vergesse ich die Zeit, das Fahren ist erheblich leichter als mit einem schweren Motorrad und ich kann nebenbei noch viel von der Landschaft genießen. Es ist Entspannung für die Seele“, stimmen die anderen den Worten von Lukas Lüdeke zu und Michael Nagel ergänzt: „Mit den kleinen macht es einfach mehr Spaß.“ Und so leben die Legenden von einst in den Herzen und Garagen ihrer Besitzer fort.

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