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Elbrinxens Ortsbürgermeister entsetzt über die geplante Schließung der Sparkassenfiliale

Wenigstens die Automaten retten

Elbrinxen. Ortsbürgermeister Hermann Wenneker zeigt sich entsetzt über den Beschluss der Sparkasse Paderborn-Detmold zur Schließung ihrer Filiale im Dorf. Mit einem Brief an die Spitze des Geldinstituts und einer Unterschriftensammlung will er dafür kämpfen, dass wenigstens die Automaten erhalten bleiben.

veröffentlicht am 12.04.2016 um 19:50 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:37 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Elbrinxen. Für die Sparkasse Paderborn-Detmold ist es eine simple betriebswirtschaftliche Rechnung: In Niedrigzins-Zeiten mit sinkender Kundenfrequenz dünnt sie zum Sommer ihr Filialnetz aus: von bisher 75 auf dann 56. Vom Rückzug aus der Fläche werden im Bereich Lügde die Kunden in Elbrinxen betroffen sein. Vor allem jene, die ihre Geldgeschäfte bisher mit menschlichem Kontakt abwickeln. Denn die elendslangen Zahlenreihen machen das Überweisen kompliziert.

Aber auch die Automaten im kleinen Foyer des rund 100 Jahre alten Sparkassengebäudes an der Oberen Dorfstraße sollen abgebaut werden. Denn sowohl der Unterhalt des Bank-eigenen Gebäudes als auch die Automaten kosten Geld; deren Betrieb schlägt angeblich mit etwa 15000 Euro pro Jahr zu Buche. Und die nächste Renovierung des Hauses ginge garantiert in die Hunderttausende. Das sind Kosten, die das Geschäft in der Südstadt offenbar nicht einbringt.

Dass seine Elbrinxer Filiale zum 30. Juni geschlossen werden soll, hat das Geldinstitut seinen Kunden jetzt schriftlich gegeben. Die Mitarbeiter erfuhren letzter Woche, dass sie ab 1. Juli auf andere Filialen verteilt werden sollen.

Die Sparkasse Paderborn-Detmold will zum 30. Juni 19 von bisher 75 Filialen schließen – darunter auch die Niederlassung in Elbrinxen. Als offizielle Begründung wird in einem Brief an die Kunden die Verlagerung vieler Bankgeschäfte ins Internet genannt. Allerdings dürfte bei der Entscheidung gegen den Weiterbetrieb der Filiale im Golddorf auch die Unterhaltung des sparkasseneigenen Gebäudes eine Rolle gespielt haben. Fotos: jl

Damit wird das Ende 2011 aus den Sparkassen Paderborn und Detmold fusionierte Geldinstitut die Anzahl seiner Außenstellen binnen zweieinfalb von einstmals 75 personenbedienten Filialen und 14 Selbstbedienungs-Standorten auf künftig 56 Filialen zusammenschmelzen. An den Standorten von 9 der 19 zu schließenden Geschäftsstellen soll immerhin je ein Geldautomat verbleiben. Elbrinxen gehört nach jetzigem Stand nicht dazu. „Das hat etwas mit der Nutzungsfrequenz zu tun“, sagt Sparkassensprecher Heinrich Schmidtpott, ohne jedoch genaue Zahlen nennen zu können. Dabei verweist auf die nächstliegenden Filialen und Automaten in Rischenau und Lügde.

In ihrem Schreiben an die Kunden ihrer Elbrinxer Filiale verkauft die Sparkasse den Rückzug aus der Fläche als Reaktion auf den Trend zum Online-Banking. Das Nutzerverhalten hat sich in der Tat gewandelt. Genaue Zahlen für einzelne Filialen gibt das Geldinstitut zwar nicht preis. Aber laut Schmidtpott hat sich die Anzahl der Ein- und Auszahlungen in den Filialen im Geschäftsgebiet der Sparkasse zwischen 2008 und 2015 von ehemals zwei Millionen auf rund eine Million „Kassenposten“ halbiert. 53 Prozent der Kunden wickelten ihre Bankgeschäfte mittlerweile online ab. Tendenz steigend.

Immobilen Kunden der zu schließenden Filialen will die Sparkasse einen kostenlosen Geld-Bringservice anbieten. Wie der realisiert werden soll, ist aber offenbar noch nicht ganz klar. „Das wird sicher lokal organisiert“, glaubt Schmidtpott. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Mitarbeiter umliegender Filialen das erledigen.“ Denn man lege weiterhin Wert auf eine persönliche Kundenbeziehung.

Denkbar sei auch, den Kunden, die sich in den Bus setzen, um zur Lügder Sparkassen-Filiale zu fahren, das Fahrtgeld zu ersetzen. „Das ist alles gut durchdacht und abfedert“, sagt Schmidtpott.

Elbrinxens Ortsbürgermeister Hermann Wenneker indes ist – wie viele Sparkassenkunden vor Ort – entsetzt von der geplanten Schließung. „Das tut unheimlich weh“, sagt er. Allerdings will er es nicht wehrlos hinnehmen, „dass die Sparkasse auf Kosten der ländlichen und älter werdenden Bevölkerung spart“. Wenneker hat deshalb einen Brief an den Sparkassen-Vorstand aufgesetzt. Außerdem will er sowohl in Elbrinxen als auch in den Nachbarorten Unterschriften sammeln.

Wie Lügdes Bürgermeister Heinz Reker, so fürchtet zwar auch Elbrinxens Dorfchef, dass das Geldinstitut die vor einer Woche einstimmig vom Verwaltungsrat beschlossene Schließung nicht überdenken wird. „Aber wenigstens die Automaten müssen erhalten bleiben“, fordert er. Auch mit Blick auf die Internet-Kapazitäten vor Ort. Denn ohne eine flächendeckende Breitbandversorgung mit einer Geschwindigkeit von über 50 MB sei das Homebanking „fast nicht durchführbar“. Mit der Schließung schaffe die Sparkasse „Menschen erster und zweiter Klasse“, empört sich Wenneker.



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