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Ein Jahr nach der Insolvenz ziehen ehemalige Mitarbeiter Bilanz

Was wurde aus der Müller-Bau-Familie?

Falkenhagen. „Verbessert habe ich mich zwischen Daumen und Zeigefinger, aber eine Familie habe ich verloren.“ Diese Aussage hört man am Nachmittag zwischen Baustellenbier und angeregten Stehtischplaudereien im Falkenhagener Dorfgemeinschaftshaus nicht nur einmal. Wenn die ehemaligen Mitarbeiter des Rischenauer Traditionsunternehmens Müller Bau, das vor knapp einem Jahr Insolvenz anmelden musste, auf die vergangenen Monate zurückblicken, sind sich die meisten nach wie vor einig: Auf ihren ehemaligen Arbeitgeber und ihren Ex-Chef Bernd Mühlenhof lassen sie nach wie vor nichts kommen. Mehr als 50 der ehemals über 120 Mitarbeiter der insolventen Baufirma waren der Einladung zum Gedankenaustausch gefolgt, darunter auch der Betriebsratsvorsitzende Felix Hergesheimer sowie der kaufmännische Assistent der Geschäftsleitung, Heinrich Deppenmeier.

veröffentlicht am 17.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:48 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Deppenmeier ist einer der wenigen Mitarbeiter, die noch für Müller Bau arbeiten – und zwar im Abwicklungsteam. Der Kaufmann war 30 Jahre für die Baufirma tätig, ein Grund, warum gerade er gefragt wurde, ob er Lust habe, an der Abwicklung des Unternehmens mitzuarbeiten, wie er erzählt. Ist in so einer Situation die Formulierung „Lust an der Arbeit“ überhaupt angebracht? Für Deppenmeier gibt es da nur eine Antwort: Der Job sichert nicht nur ihm die Weiterbeschäftigung bis März 2018. Für seine ehemaligen Kollegen versucht er durch seine Arbeit für den Insolvenzverwalter so viel Masse wie möglich für den Sozialplan zu erwirtschaften, damit deren Abfindungsforderungen bestmöglich befriedigt werden können.

Finanzielle Lohneinbußen hatten die Müller-Bau-Mitarbeiter durch die Insolvenz kaum, wie die Stehtischrunde bestätigt. Das Aus von Müller Bau hat damals nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die Mitarbeiter wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel getroffen. „Rückblickend betrachtet zeichnete sich erst in den letzten zwei Monaten ab, dass da etwas in die Hose geht“, sagt Deppenmeier. Ihm steht noch bevor, was ein Großteil seiner Kollegen bereits erfolgreich durchlaufen hat: Das Bewerbungsverfahren um einen neuen Arbeitsplatz.

Rund 90 Prozent der ehemaligen Mitarbeiter haben einen neuen Job, so die grobe Schätzung der Runde. Rolf Lohöfer hatte bereits eine Woche nach seiner insolvenzbedingten Entlassung eine neue Arbeitsstelle gefunden. „Klar muss man Abstriche machen, wenn man von einem alteingesessenen Unternehmen in eine junge Firma wechselt, die sich erst noch am Markt etablieren muss“, erklärt der 46-jährige Polier, doch letztlich habe er nach einem erneuten Arbeitgeberwechsel innerhalb eines Jahres einen Aufstieg erfahren, der in dieser Form bei Müller Bau so schnell nicht möglich gewesen wäre, wie er sagt. Dennis Dähne wurde vom Fleck weg von einem Wettbewerbsunternehmen abgeworben, als die Insolvenz des mittelständischen Familienunternehmens bekannt wurde. Der Spezialfacharbeiter hätte nie gedacht, dass er die Firma Müller Bau nach nur zwei Jahren wieder verlassen würde. In seinen Augen war Müller Bau sein Arbeitgeber für die Zukunft, wo der 31-Jährige eigentlich alt werden wollte.

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  • Das Firmenschild der Müller Bau GmbH.

„Freiwillig wäre keiner von uns gegangen“, sagen auch Andreas Nolte, Uwe Rakemann und Florian Oppermann. Die beiden Poliere und der Kranführer haben sich zwar finanziell durch den ungeplanten Arbeitgeberwechsel verbessert, das Arbeitsklima in den neuen Firmen sei aber nicht mit dem bei Müller Bau zu vergleichen. „Das war einfach einmalig. Wir waren alle eine große Familie“, berichten sie. Einzig Hergesheimer, der nach wie vor bis 2018 amtierender Betriebsratsvorsitzender ist, ist heute der Meinung, er hätte schon vor 20 Jahren das Unternehmen wechseln müssen. „Bei meinem jetzigen Arbeitgeber konnte ich innerhalb kürzester Zeit jede Menge neue Berufserfahrungen sammeln“, räumt der 58-jährige Polier ein.

Das Resümee dieses ersten Zusammentreffens der durch die Insolvenz zerrissenen Müller-Bau-Familie fällt nahezu einstimmig aus: Der Blick der Männer vom Bau ist mittlerweile nach vorn gerichtet, obwohl sie der Vergangenheit noch immer ein wenig nachtrauern. Unter den mehr als 50 ehemaligen Mitarbeitern, die zum Treffen gekommen waren, war niemand, der öffentlich im Zorn zurückblickte.



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