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Bahnkunden warten vergeblich auf die S 5, obwohl Zug angeblich gar nicht ausfällt / Kryptische Infos

Was schiebt Lügde so plötzlich aufs tote Gleis?

Lügde. Mittwochmorgen, 6.57 Uhr. Eine Minute noch, dann soll die S 5 in den Lügder Bahnhof einfahren. Doch der Zug aus Paderborn kommt nicht. „Wir haben bis 7.10 Uhr gewartet. Dann mussten wir sehen, wie wir nach Hameln zur Schule kamen“, erzählt eine 17-Jährige, die sich dann von ihrer großen Schwester im Auto fahren ließ. „Auf der Anzeigetafel steht ja ab und zu was“, berichtet die junge Frau weiter. Aber an diesem Morgen habe auch der Blick aufs Display nichts gebracht.

veröffentlicht am 21.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 17.01.2017 um 16:04 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Ein bisschen anders sah es auf dem Pyrmonter Bahnhof aus. „Da stand immerhin auf der Tafel, dass der 7-Uhr-Zug ausfällt“, erzählt ein anderer Lügder, der seit über zehn Jahren jeden Morgen erst am Kurstadt-Bahnhof in den Zug nach Hameln steigt, weil dort mehr Züge starten als in Lügde. Die Ursache für die gestrichene Verbindung ist aber auch ihm unbekannt. „Die sagen einfach nichts“, mokiert sich der genervte Pendler, der im Übrigen findet: „Es wird jeden Winter schlechter.“

„Was soll der Dreck?“, fragt eine aufgebrachte junge Internet-Netzwerkerin auf Facebook im Austausch mit anderen frustrierten Bahnkunden, die sich ebenfalls schlecht informiert fühlen. Eine erhellende Aufklärung bietet allerdings auch die weitere Suche im Computer nicht: Wer das offizielle Serviceportal „reiseauskunft.bahn.de“ nach einer Verbindung von Lügde nach Hameln befragt, erhält zum Beispiel für heute genau zwölf Verbindungen. Allerdings weisen sie als Fahrzeit nicht die sonst üblichen 18, sondern bis zu 143 Minuten aus. Also fast zweieinhalb Stunden. Denn zwischen der Emmer- und der Kurstadt fahren zeitweise plötzlich nur noch Busse – ohne jede Erklärung und obendrein später als sonst. Für viele zu spät, um noch pünktlich zur Arbeit oder zur Schule zu kommen. „Niemand weiß, warum das so ist“, sagt eine andere Lügderin, die sich am Mittwoch die Fahrtabenteuer sowohl ihres Ehemannes als auch ihrer Tochter anhören musste: „Was ist, wenn jemand ein Vorstellungsgespräch oder einen Gerichtstermin hat?“, fragt sie und findet: „Da ist seitens der Bahn eine Entschuldigung fällig.“

Auf der Suche nach Antworten müssen jetzt die Profis ‘ran. Doch, Fehlanzeige: Der auf Presseanfragen spezialisierte Mitarbeiter der Konzernkommunikation in Düsseldorf kann auch kein Licht ins Dunkel bringen. „Befremdlich“ und „äußerst seltsam“ findet er, dass sein Rechercheergebnis so gar nicht zu dem passt, was die verhinderten Bahnfahrer aus Lügde am Mittwoch erlebt haben. „Wir hatten an diesem Tag keine Zugausfälle“, beteuert er und beruft sich auf die elektronisch geführten Statistiken der Bahn. „Es gab nur eine drei- und eine sechsminütige Verspätung, weil das Einsteigen in Schieder länger dauerte als sonst.“ Wenn aktuelle Störungen nicht angezeigt würden, könne das nur am System liegen, mutmaßt er. Der Blick in den elektronischen Fahrplan scheint dann allerdings auch ihn zu verwirren. Mit „Ich kann das heute nicht mehr aufklären“, beschließt er entschuldigend das letzte Telefonat am Abend, verspricht aber, sich erneut zu melden, wenn er mehr weiß.

Derweil seufzt die 17-jährige Lügderin: „Ich bin froh, wenn ich 18 werde und endlich Auto fahren kann.“

Plötzliche Zugausfälle, verwirrende Fahrplaninfos: Lügder Bahnkunden sind genervt. Nicht einmal die Konzernkommunikation der Bahn bringt Licht ins Dunkel. Verschwörungstheoretiker könnten fast geneigt sein, des Rätsels Lösung in den kryptischen Markierungen der alten Bahnschwellen zwischen Lügde und Bad Pyrmont zu suchen. Foto: jl



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