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Verband sieht Public Viewings kritisch

Was der Dehoga Lügde zum Rudelgucken sagt

LÜGDE. Die Pläne des Heimat- und Verkehrsvereins Sabbenhausen, in seiner vereinseigenen Scheune während der Fußball-Weltmeisterschaften Public Viewings anzubieten, sind beim Ortsverein Lügde-Köterberg des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga auf scharfe Kritik gestoßen.

veröffentlicht am 14.03.2018 um 22:19 Uhr

„Natürlich ist dieses Public Viewing eine Konkurrenz für uns“, kritisiert Lügdes Dehoga-Chef Fritz Köhne die Initiative des Heimat- und Verkehrsvereins Sabbenhausen. Symbolfoto: dpa
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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„Dagegen haben wir sehr wohl etwas, denn das ist nichts anderes als Schwarzgastronomie, die uns grundsätzlich schon lange Probleme bereitet“, sagte der Dehoga-Vorsitzende Fritz Köhne im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die Wirte werden von den Vereinen einfach nicht mit ins Boot genommen“, ärgerte sich Köhne.

„Vor der Fußball-WM 2006 zum Beispiel hat man uns angeboten, die Spiele ohne deutsche Beteiligung zu übertragen. Das war ein Witz.“ Er wies die Einschätzung des neuen Sabbenhausener HVV-Vorsitzenden Stefan Vierus zurück, dass eine Fußball-Party in der Vereinsscheune für die Gaststätten vor Ort keine Konkurrenz sei. Vierus hatte sich dabei auf Absprachen mit den Wirten in Sabbenhausen berufen und das in der Versammlung vor Mitgliedern auch so wiedergegeben (wir berichteten).

„Natürlich ist dieses Public Viewing eine Konkurrenz für uns“, kritisiert Lügdes Dehoga-Chef Köhne, der das Hotel „Sonnenhof“ in Lügde betreibt. „Aber wir haben einfach keine Lobby, uns gegen die Vereine zu wehren und handeln uns nur Ärger ein, den wir natürlich nicht haben wollen und nicht gebrauchen können.“

Mit einem Vergleich erklärt Köhne seine Sicht: „Ich möchte sehen, was los wäre, wenn Vereine zum Beispiel Bekleidung oder etwas anderes verkaufen würden. Dann wäre der Protest groß.“

Ihm gehe es mit seiner Kritik nicht einmal in erster Linie um die geplanten Public Viewings in Sabbenhausen („Mit 50 Zuschauern sind das doch nur Peanuts“), sondern um die Konkurrenz durch die Vereine in Lügde und anderswo grundsätzlich. „Das ist ein fortwährendes Problem. Es gibt immer weniger Gasthäuser und immer mehr Dorfgemeinschaftshäuser, in denen die Leute ihre privaten Feiern ausrichten“, zieht er eine Verbindung zwischen Wirkung und Ursache, die Wirte schon vor 20 Jahren hergestellt haben. „Aber es ändert sich einfach nichts.“

Köhne selber bietet in seinem Hotel kein Public Viewing in großem Stil an. „Wir tun das nur in kleinem Rahmen mit einen ganz normalen Fernseher“, berichtet er auf Nachfrage. Auch die Wirte in Sabbenhausen haben hinsichtlich der Fußballspiele für die kommende WM keine großen Pläne.

Arne Bergmannshoff vom Hotel-Restaurant „Zu den drei Linden“ hatte während vergangener Fußballmeisterschaften bei seinen Public Viewings häufig den Saal voll. „Wir hatten immer gute Stimmung“, sagt er. Ob er auch in diesem Sommer WM-Spiele via Beamer auf die Leinwand wirft, weiß er noch nicht. Eine Kooperation mit dem HVV würde er nicht ausschließen, falls der Verein das wünsche.

Friedrich Bute, der das Landgasthaus „Schierbrucher Krug“ in Sabbenhausen führt, brach zwar nicht in Begeisterungsstürme aus, als er im Nachgang der HVV-Versammlung von Vierus telefonisch über den Public-Vieving-Plan informiert wurde, wie er auf Anfrage sagt. Aber der Gastronom bleibt gelassen. Bute glaubt: „Leute, die zu denen gehen, kämen wahrscheinlich sowieso nicht alle zu uns.“ Er werde, wie bisher, zur Fußball-WM den Fernseher anschalten. „Wir lassen’s so, wie’s immer war“, sagt der 68-Jährige. „Wer kommt, der kommt. Und wer nicht kommt, der bleibt weg.“

Beim lippischen Dehoga-Kreisverband bedauert man den Verzicht von Gastronomen auf eigene Aktionen. „Das muss jeder Wirt selber entscheiden. Aber grundsätzlich ist das ein Zusatzgeschäft, das man mitnehmen sollte. Und es ist auch gut für die Gäste“, sagt Geschäftsführer Kai Buhrke auf Anfrage.

Grundsätzlich sei die Konkurrenz durch die Vereine problematisch für die Gaststätten vor Ort – zumal Vereinen längst nicht so strenge Auflagen gemacht würden, wie sie für Wirte gelten, deren Existenz an ihren Betrieben hänge. „Ich halte es aber grundsätzlich für den richtigen Weg, wenn sich private Veranstalter im Vorfeld mit den Wirten absprechen“, so Buhrke.

Ein Gastronom aus der Region, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, reagiert auf die Initiative mit einem resignierten Schulterzucken. „Wenn nun noch ein Verein ein Public Viewing anbietet, dann schwächt das unsere Position weiter. Wir brauchen dann gar nicht mehr damit anzufangen.“



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