weather-image

Kabarettist Mathias Tretter begeistert das Publikum im Klostersaal mit seiner Theorie

Warum wir nicht zur Revolution taugen

Lügde. „Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas! Wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“ An dieser Einschätzung von Lenin hat sich bis heute nichts Wesentliches verändert. Darauf wies auch Mathias Tretter hin, der am Samstag im Lügder Kloster den Gedanken durchspielte, eine Revolution als Event zu vermarkten.

veröffentlicht am 18.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 19:21 Uhr

270_008_6947634_pn301_1802_Tretter.jpg

Autor:

Carlhermann Schmitt
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Twitter-Revolution in Berlin: Alle sind dabei und keiner kriegt’s mit. Es läuft unter „beste Revolution der 90er, 00er und von heute“ und verspricht, eine Riesenparty vorm und im Bundestag zu werden. Die einen kommen, weil sie auf ein Geheimkonzert von Ramstein hoffen, andere freuen sich auf Freibier. Oder sie machen sich wenigstens Hoffnung, den Weinkeller von Brüderle noch stürmen zu können. Und Ex-Vizekanzler Philipp Rösler kommt, weil er einmal noch den Bundestag von innen sehen will.

„Das war wohl das beste Kabarett-Programm, das ich in den letzten Jahren gesehen habe“, versichert eine vom Lachen völlig erschöpfte Besucherin. Und sie besuche viele Kleinkunstveranstaltungen, versichert sie – wie zum Beweis, dass ihr Lob aus berufenem Munde kommt. Und sie ist nicht allein mit ihrer Sicht: Auch die übrigen 130 Gäste zeigen sich restlos begeistert.

Tretter berichtet von der Absurdität sozialer Netzwerke, programmiert von Computerfreaks, deren Sozialkompetenz sogar von Autisten getoppt wird. Nerds, die sich die Smartphones erschaffen haben zum öffentlich akzeptierten Displaypetting.

Aber der Kabarettist will sich nicht abfinden mit dem Phlegma des Deutschen, der angepasst im Mainstream dem Nirvana entgegenschwimmt. „Also hab’ ich mit meinen beiden Kumpels ein asoziales Netzwerk gegründet“, erzählt er. Also so etwas wie einen Stammtisch.Das klingt zwar lustig und subversiv. Ist aber zum Scheitern verurteilt. Denn der moderne Revoluzzer kauft sich keine Bahnsteigkarte, sondern eine Eintrittskarte ins Kabarett.

„Schaut, ich war im Widerstand“, kann er dann seinen Nachkommen zurufen. Von dort bezieht er seine Munition, mit der er beim Stammtisch um sich ballert, um sich dann guten Gewissens und mehr oder weniger leicht angetrunken ins Bett fallen lassen zu können, müde vom revolutionären Diskurs mit Gleichgesinnten.

Munition für den Kampf um die Lufthoheit über den Stammtischen verteilt Tretter jede Menge. Er zieht das gewünschte No-Spy-Abkommen, das er für so sinnvoll hält wie einen No-Fuck-Vertrag mit einem Triebtäter, genauso durch den Kakao, wie die Politiker, die immer noch nicht erkannt haben, dass nach dem Absolutismus, Faschismus und Kommunismus auch der Kapitalismus gescheitert sei und vielleicht abgelöst werden kann von einer „Relaxokratie“.

Mathias Tretters Vision: „Wenn die Leute einsehen, dass Krieg viel zu stressig ist und Wachstum auf Teufel komm raus so unentspannt ist, wird’s dann für alle auf der Welt deutlich lebenswerter.“

Selber schuld, wer’s verpasst hat: „Das beste Kabarett-Programm, das ich in den letzten Jahren gesehen habe“ brachte Mathias Tretter nach Überzeugung nicht nur einer Zuschauerin am Samstag auf die Bühne des Lügder Klostersaals. yt



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt