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Mit Hausmittelchen gegen Milbenbefall

Warum Lügder Hühnerzüchter unbelastete Hühnereier garantieren können

LÜGDE. Die Dimensionen des aktuellen Skandals des in Geflügelbetrieben eingesetzten Desinfektionsmittel Fipronil sind noch längst nicht abschließend geklärt. Täglich kommen neue Horrormeldungen über Millionen zu vernichtende Eier, die den Verbrauchern auch in den Märkten nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Regionale Erzeuger profitieren von der Skepsis der Verbraucher. So auch die Lügder Hühnerzüchter.

veröffentlicht am 08.08.2017 um 16:27 Uhr
aktualisiert am 08.08.2017 um 18:30 Uhr

Jeweils nachmittags sammelt Christian Schlüter über 200 saubere Eier aus dem Dinkelspelz. Die Nachfrage ist seit Bekanntwerden des Finopril-Skandals sprunghaft gestiegen. Foto: afk
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Achim Krause Reporter
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Schmackhafte, gesunde Eier von glücklichen Hühnern – das ist derzeit ein Wunsch, der guten Gewissens vor allem bei lokalen Hühnerzüchtern erfüllt werden kann. „Wir Züchter setzen bei uns auf unsere alten Hausmittelchen. Da jeder seine eigenen Rezepte, um Milbenbefall zu verhindern“, versichert der Vorsitzende des Rassegeflügelzuchtvereins Lügde, Josef Rüsenberg.

Bei den Hühnerzüchtern vor Ort ist die Gefahr eines Befalls durch Ungeziefer eher gering. Freilandhaltung ist hier Standard. „Und dann haben die Hühner auch die Möglichkeit ihrer Natur folgend zu scharren und ihre geliebten Staubbäder zu nehmen, die zum Beispiel auch Milbenbefall verhindern“, erklärt Rüsenberg. Im Winter, wenn der Boden gefroren ist, behilft er sich mit Kaminasche und weiß: „Die lieben die Hühner sehr.“

Ein weiteres Hausmittel ist Kieselgur. Das Siliciumdioxid dringt in die Atmungsorgane der Milben ein, und es kommt zu einer Austrocknung von Innen heraus. Darüber hinaus blockieren die feinen Siliciumdioxid-Kristalle die Gelenke und führen damit zu einer Immobilisierung der Milben. „Allerdings werden sie dadurch nicht sofort abgetötet. Beim Kontakt mit dem Pulver trocknen sie aus und können noch eine Weile beweglich sein. Deshalb ist es am wirksamsten, Kieselgur immer vorbeugend im Stall zu haben“, verrät der erfahrene Lügder Züchter.

Einen wahren Ansturm erlebt derzeit auch „Schlüters Hof“ in der Vordere Straße 28. Im März hatte sich Christian Schlüter ein sogenanntes „Hühnermobil“ angeschafft, das seither in den Emmerwiesen steht. Dieser „Campingwagen für glückliches Federvieh“ übernimmt alle Aufgaben, die eine vom Verbraucher auch zunehmend gewünschte Freilandhaltung garantieren. 225 Legehennen finden hier ideale Lebensbedingungen. „Hühner als Körnerfresser lieben frisches Grün für ihre Ernährung. Rund 20 Prozent ihres Futterbedarfs decken sie täglich durch Gras und Kräuter. Und so verwandeln sie innerhalb kürzester Zeit eine Grünfläche durch das natürliche Scharren in eine Kraterlandschaft, auf der dann erstmal nichts mehr Grünes vorhanden ist“, weiß der Geflügel-Experte. „Aber Hühner sind nun mal tagsüber gern an der frischen Luft, genießen Staub- und Sonnenbäder und picken am liebsten den ganzen Tag.“ Bei stationären Hühnerställen sieht der Auslauf dann schnell unansehnlich aus. Zudem überdüngt der Kot der Tiere den stallnahen Bereich und Krankheitserreger und Schädlinge wie Milben können sich vermehren.

Dieses Hühnermobil ist ein vollmobiler, komplett eingerichteter Stall auf Rädern. Schlüter: „Dieses Mobil ist für die Tiere ein schützendes Zuhause. Hier können sie sich zurückziehen, fressen, schlafen und natürlich Eier legen.“ Durch den regelmäßigen Standortwechsel alle ein bis maximal zwei Wochen bilden Ausscheidungen der Legehennen keine Krankheitsquelle und führen auch zu keiner Überdüngung des Bodens. Im Inneren des mobilen Stalls ist an alles gedacht, um den Grundbedürfnissen der Tiere gerecht zu werden. Über die gesamte, helle Stallfläche erstreckt sich ein Scharrbereich zum Sandbaden auch bei schlechtem Wetter. Im Mittelteil gibt es Tränken, Sitzstangen, Zusatzfutter und bequeme spelz-eingestreute Nester. Hydraulische Bänder transportieren den Mist in einen Auffangbehälter. „Die Legeleistung ist hoch und liegt pro Henne bei bis zu 95 Prozent“, hat der Lügder festgestellt. Die gelegten Eier versinken in einem weichen Bett aus Dinkelspelz und sind so sauber, das sie ohne Reinigung entnommen werden können. Am Spätnachmittag sammeln Schlüters täglich um die 200 Eier ein. „Ich kann mich vor Nachfragen nach unseren unbelasteten Eiern kaum noch retten“, erzählt er. „Derzeit könnte ich glatt noch ein zweites Mobil anschaffen.“ Das will aber gut überlegt sein, denn das erfordert eine Investition von rund 40 000 Euro. Schlüter: „Wer sagt mir aber, dass die Käufer wiederkommen, wenn der Eiernotstand vorüber ist.“

Auf Schlüters Hof in der Vordere Straße 28 können die Eier aus dem Hofladen direkt bezogen werden. Zudem ist auch ein Lieferservice unter der Telefonnummer 0151/700 35784 eingerichtet.



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