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„Smart Country Side“ braucht Zeit

Wann wird Elbrinxen digital?

ELBRINXEN. Das Storchendorf ist einer von 16 Modellorten des Projekts „Smart Country Side“ in den Kreisen Lippe und Höxter. Diese Initiative soll die Lebensqualität der Menschen auf dem Land sichern helfen – und dabei die „digitale Transformation“ vorantreiben. Aber vor Ort braucht es noch Geduld.

veröffentlicht am 01.03.2018 um 22:34 Uhr

Auch Nachbarschaftshilfe könnte künftig digital organisiert werden – mittels einer Kümmerer Plattform. Diese und andere Bausteine des Projekts „Smart Country Side“ sind aber noch in der Mache. Symbolfoto: dpa
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Der Kontakt untereinander, Nachbarschaftshilfe, gemeinsame Projekte vor Ort – all das funktioniert, so lange die Menschen im Dorf miteinander ins Gespräch kommen. Beim Bäcker, im Verein, beim Feierabendbier. Aber da geht‘s schon los: Die Kneipen werden rar. Und wer Arbeit hat, will abends meist nur noch aufs Sofa. Ältere Menschen haben zwar mehr Zeit. Aber sie bitten andere ungern um Hilfe. Man will ja keinem zur Last fallen. Und die schönste Mitfahrbank bleibt leer, wenn keiner weiß, wie lange er drauf muss, bis er vom Fleck kommt.

In Elbrinxen soll all das bekanntlich besser werden durch das Projekt „Smart Country Side“, via Wirtschaftsförderung also mit praktischem Nutzwert. Möglich für Elbrinxen und die anderen Orte wären zum Beispiel eine Dorf-App oder eine ehrenamtlich zu pflegende Homepage.

Und was hat sich getan seit der Elbrinxer Auftakt-„Dorf-konferenz“ zum Thema im Oktober? Da hieß es, im Frühjahr könnten die ersten konkreten Ergebnisse vorliegen. Vor einem Monat wurde die Initiative aus Lippe und Höxter als Leuchtturmprojekt bei der „Grünen Woche“ in Berlin präsentiert (wir berichteten).

Bis der erste Digital-Service im Ort ankommt, brauchen die Menschen aber noch etwas Geduld. Denn die smarten Lösungen zur „Stärkung der Dorfgemeinschaften und des persönlichen Miteinanders“ – so das Ziel der Initiatoren – sind noch in der Mache.

Zum einen soll eine Dorfplattform entstehen: Hier können Nutzer Neuigkeiten, einen Marktplatz oder auch historische Infos finden. Die gewünschten Funktionen können die Modellorte selbst kombinieren. Zudem sind eine „Kümmerer“-Plattform zur Nachbarschaftshilfe sowie eine Kirchen-Plattform geplant.

„Ein Webportal wäre mir am liebsten“, sagt Elbrinxens Ortsbürgermeister Hermann Wenneker. „Das ist vielseitiger als eine App. Davon hätten auch Leute ohne Smartphone etwas.“ Darüber entscheide aber der Kreis.

Mitreden dürfen sollen die Elbrinxer aber weiterhin, bei einer zweiten Dorfkonferenz. Für die hofft Wenneker auf deutlich mehr Mitwirkende. „Der Bedarf ist ja da.“ Und er sieht in dem Projekt „eine Riesenchance für unser Dorf“.

Nicht zuletzt knüpft er an Elbrinxens Pionierrolle auch die Hoffnung auf den Glasfaser-Ausbau für ein schnelleres Internet. Denn diese Basis zukunftsicherer digitaler Kommunikation fehlt bekanntlich noch, spielt bei der „Smart Country Side“ allerdings keine Rolle. Die 840 000 Euro Fördergeld von der EU und vom Land für 16 Orte reichen nicht für derart große Würfe. Von dem Geld werden auch die Personalkosten für das Projektteam bezahlt. Aber immerhin: Der verantwortliche Projektleiter Dr. Klaus Schafmeister aus dem lippischen Kreishaus schätzt die finanzielle Unterstützung für die Digital-Services in jedem Dorf auf 5000 bis 10 000 Euro. „Die Summen stehen aber noch nicht fest“, sagte er gestern auf Anfrage. „Sie richten sich nach dem Bedarf vor Ort.“

Damit in den Modellorten auch Bewohner ohne eigenes Smartphone und Computer die digitalen Anwendungen nutzen können, will das Projektteam in den Dorfgemeinschaftshäusern Lern- und Medienecken einrichten. Je nach Bedarf mit Laptops, Druckern oder interaktiven Displays.

Auch Einführungen könnten angeboten werden, zum Beispiel in die Videotelefonie, die Öffentlichkeitsarbeit für Vereine oder ins Online-Banking. Aber auch für die Leute, die sich ums Dorfportal im Internet kümmern wollen. Schafmeister: „Wir liefern den Dörfern die digitale Technik und das Wissen. Wie diese letztlich eingesetzt werden, bleibt aber den Bewohnern vorbehalten.“



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