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Opfer mit angeblich schlechter Mülltrennung eingeschüchtert / Bei Kerstin Kloß an der falschen Adresse

Vorsicht, wenn der Anrufer Bußgeld fordert!

Lügde (jl). Da hatte der unbekannte Anrufer die Rechnung ohne seine Zielperson gemacht: Ausgerechnet bei Kerstin Kloß klingelte jetzt das Telefon, und der Mann am anderen Ende der Leitung erklärte, er sehe es als seine Staatsbürgerpflicht an, die Lügderin darauf hinzuweisen, dass sie ihren Abfall nicht richtig trenne. Außerdem müsse sie achtgeben, dass sie keine Unterlagen mit ihren persönlichen Daten in die Papiertonne werfe. Zum Schluss erklärte der Unbekannte ihr auch noch, er werde weiter ein Auge auf ihren Umgang mit dem Hausmüll haben und sich wieder melden.

veröffentlicht am 19.10.2010 um 20:07 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 08:21 Uhr

Kerstin Kloß arbeitet im Bürgerbüro des Lügder Rathauses und ken
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Dass die Rolle der Müllsünderin denkbar schlecht zu Kerstin Kloß passt, wusste der Anrufer nicht: Sie arbeitet im Bürgerbüro des Lügder Rathauses und kennt sich mit dem Thema Müll bestens aus: „Wenn das Abfuhrunternehmen Tönsmeier bei seinen Kontroll-Stichproben Sachen findet, die nicht in die Tonne oder den gelben Sack gehören, lassen die Müllwerker die Behälter auch schonmal stehen“, sagt Kerstin Kloß. „Bei uns rufen die Bürger dann an, um nach dem Grund zu fragen oder sich zu beschweren.“

Dann gehört es zu Kloß’ Job, den Leuten zu erklären, dass sie wohl etwas falsch gemacht haben. In solchen Fällen sucht sie dann auch den Kontakt zur Firma Tönsmeier.

Gegenüber dem Mann am Telefon hielt sie mit ihrem Beruf erst einmal hinterm Berg. „Ich wollte abwarten, was passiert“ – bis gestern bekannt wurde, dass die Trickbetrüger offenbar kreisweit ihr Unwesen treiben.

Von anderen potenziellen Opfern forderten der Anrufer und seine „Kollegen“ auch gleich noch 50 Euro und kündigten an, das Geld werde in der nächsten Stunde abgeholt.

„Wie viele Leute tatsächlich gezahlt haben, wissen wir nicht“, sagt Lügdes Ordnungsamtschef Karl-Heinz Köhne. „Aber das scheint eine neue Betrugsmasche zu sein.“

Die Stadtverwaltung Lügde treibe auf diese Weise jedenfalls keinesfalls Bußgeld ein. „Wer solche Anrufe erhält, sollte gleich die Polizei benachrichtigen“, rät Köhne.

Seine Mitarbeiterin Kerstin Kloß hält es jedenfalls für durchaus möglich, dass viele Laien auf die Masche hereinfallen und zahlen, wenn die Männer kurz nach dem Telefonat vor der Tür stehen. Denn: „Der Anrufer drückte sich sehr fachmännisch aus.“

Wer nicht im Thema sei, könne dem vorgeblichen Experten schon auf den Leim gehen, glaubt sie. Zumal die Anrufer sich in manchen Fällen auch als Männer „vom Müllamt“ oder der „Müllgesellschaft“ ausgegeben haben. „Und sie treten sehr sicher auf“, sagt eine Tönsmeier Mitarbeiterin über die Erfahrungen, die ihr mittlerweile einige von den Unbekannten eingeschüchterte Anrufer mitgeteilt haben.

Übrigens: Das Alter des Mannes, der mit unterdrückter Rufnummer bei Kerstin Kloß anklingelte, schätzt die Lügderin auf zwischen 40 und 50 Jahre. Seinen Namen dürfte der Mann bewusst undeutlich ausgesprochen haben, „aber er klang ähnlich wie Tönsmeier“, erinnert sich die Rathaus-Mitarbeiterin.

Und was unternimmt die Stadt Lügde, wenn ihr vom Abfallunternehmen aus Porta Westfalica wirklich einmal ein Müllsünder gemeldet wird? „Dann sprechen wir die Bürger erst einmal an, klären sie auf und verwarnen sie“, sagt Köhne. „Aber wir verhängen nicht gleich ein Bußgeld.“

Schlimm sei es zum Beispiel, wenn Altöl-Behälter oder Medikamente im Hausmüll landeten. „Alte Tabletten mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum können in jeder Apotheke abgegeben werden“, betont der Ordnungsamtschef.

Wie viele Lügder den Trickbetrügern aufgesessen sind, weiß man im Rathaus indes nicht. Doch die Opfer sollten ihre Scham überwinden und die Polizei informieren. Denn so wächst die Chance, dass die Ordnungshüter den Kriminellen das Handwerk legen. „Zahlen Sie auf keinen Fall“, warnte gestern auch Pressesprecherin Anne Helpup von der Kreisverwaltung in Detmold.



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