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Prozess nach Vatertags-Attacke

Vor allem die Adidas-Jacke hat sich den Zeugen eingebrannt

DETMOLD/LÜGDE. Mit den Aussagen sieben weiterer Zeugen ist die Verhandlung gegen vier Angeklagte der Lügder Vatertags-Prügelei vom 25. Mai 2017 am Montag vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Detmold fortgesetzt worden. Den meisten Zeugen ist neun Monate nach der Tat vor allem etwas präsent: eine Adidas-Jacke.

veröffentlicht am 26.02.2018 um 20:48 Uhr

Welcher der vier Angeklagten – hier mit ihren Verteidigern vor Beginn des zweiten Verhandlungstages am Montag in Detmold – schlug zu? Wer trat? Zur Zuordnung der einzelnen Handlungen ergibt sich kein ganz einheitliches Bild. Bisher haben zehn Zeugen
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Was geschah am Nachmittag des Himmelfahrtstages 2017 im Umfeld des Lügder Bahnhofs ganz genau? Wie kam es zu der Gewalt zwischen zwei Gruppen von Vatertagsausflüglern? Wer könnte wen durch einen fiesen Spruch, wie ihn die Angeklagten gehört haben wollen, wozu provoziert haben? Und, vor allem: Wie kam es dazu, dass letztlich ein 35 Jahre alter Familienvater aus Schieder bewusstlos, blutend und mit drei Brüchen im Gesicht am Boden lag? Um diese Fragen zu klären, hörte die Große Jugendkammer des Landgerichts Detmold unter Vorsitz von Richterin Anke Grudda am gestrigen zweiten Verhandlungstag gegen vier Angeklagte aus Bad Pyrmont und Lügde sieben Zeuginnen und Zeugen an: drei aus der Gruppe des späteren Hauptgeschädigten, einen unbeteiligten Kumpel der zwei Hauptangeklagten sowie drei völlig unbeteiligte Zeugen.

Unbestritten ist: Das Opfer wurde mit Schlägen und Tritten übel zugerichtet. Doch wer schlug? Und, vor allem: Wer trat noch auf den Mann ein, als der schon am Boden lag? Entscheidend ist das, weil ein solches Handeln als versuchter Totschlag gelten kann.

Die Aussagen der Zeugen am Montag werden der Kammer die eindeutige Zuordnung der Tätlichkeiten zu einem oder mehreren bestimmten Angeklagten nicht unbedingt vereinfachen. Denn neun Monate nach der Tat sind die Erinnerungen an den 25. Mai 2017 doch zum Teil verblasst.

Aber immerhin: Ein Krankenpfleger (52) und seine Lebensgefährtin (47), die Bruchstücke der Attacken aus den Fenstern einer Hochparterrewohnung mit ansahen, haben noch eine dunkle Adidas-Jacke mit Neonstreifen als Kleidung des Hauptaggressors im Gedächtnis. Den mutmaßlichen Träger der Jacke, einen hauptangeklagten Azubi (23) aus Bad Pyrmont, erkannten die indes nicht. Ähnlich geht es einer Gastronomin. Auch sie hat noch den Tritt vor Augen. Den Tretenden kann sie aber nicht beschreiben.

Einen Eindruck vermitteln die Aussagen der drei Unbeteiligten jedoch ganz sicher: Der Tritt in das Gesicht des wehrlos Liegenden muss sehr brutal ausgeführt worden sein. „Der stand total neben sich. Das war nicht normal“, sagte der 54-Jährige über den Aggressor. Seine Freundin bestätigt: „Wie von Sinnen“ habe er „mit Anlauf getreten“. Ihr Partner war dann hinausgeeilt, um dem Opfer zu helfen.

Zum Verhalten des zweiten Hauptangeklagten ergibt sich kein klares Bild: Während die Freundin des Krankenpflegers ihn „ziemlich angetrunken“ torkeln und stürzen sah, meinte ein gleichaltriger ehemaliger Kumpel des 19-jährigen Jurastudenten sich zu erinnern, dass er es war, der trat. Wenige Tage nach der Tat hatte der junge Zeuge bei der Polizei sogar noch ausgesagt, der Freund habe „mit voller Wucht zugetreten“. Davon rückte er nun ein wenig ab.

Ein DNA-Gutachten der Schuhe der Hauptangeklagten ergab Gen-Material des Opfers nur am Schuh des 23-Jährigen.

Die Verhandlung gegen die vier Angeklagten wird am Mittwoch, 9 Uhr, fortgesetzt.



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