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Die wechselvolle Geschichte des Seilerschen Musikhauses

Von Rittern, Mönchen und Organisten

Lügde. Das Haus Mittlere Straße 26, am Markplatz gelegen und gleichzeitig Eckhaus Brücken-/Mittlere Straße, hat eine sehr lange Geschichte, die bis in die Zeiten der Stadtgründung zurückreicht. Das erste Haus an dieser Stelle ist um 1259 entstanden und gehörte der Ritterfamilie von Huckenhausen. Am 1. April 1330 wurde es in einer interessanten Urkunde erwähnt. Damals genehmigten Bürgermeister und Rat der Stadt die Bebauung des Platzes (Mittlere Straße 24) zwischen Johann von Huckenhausen (Mittlere Straße 26) und Johann von Cecelen (Mittlere Straße 22). Die ursprünglichen Besitzer des Hauses, die Ritter von Huckenhausen, stammten aus dem gleichnamigen Dorf (heute südöstlich der Schiller- und Hohenborner Straße gelegener Teil des Bad Pyrmonter Stadtteils Holzhausen) und gehörten zum unmittelbaren Umkreis der Grafen von Pyrmont. Im 14. Jahrhundert verließen die von Huckenhausen die Grafschaft Pyrmont und siedelten sich unter anderem in Lemgo an. 1354 verkauften sie ihr Haus an das Kloster Marienfeld bei Harsewinkel im Münsterland. Das Kloster richtete dort einen Klosterhof ein und verpachteten die Landwirtschaft. Ob die Zisterziensermönche aus Marienfeld hier eine Klostergründung beabsichtigten, ist leider nicht mehr genau bekannt. Eine Urkunde vom 10. Mai 1360 lässt dies allerdings vermuten, denn das Kloster ließ sich seinen Hof damals gegen die Zahlung von 25 Mark Silber von der Zahlung für den Nachtwächter befreien. Alle anderen Abgaben, wie die Zahlung für die Stadtbefestigung und die Schützen (heute Schützenbruderschaft St. Kilian) musste das Kloster allerdings weiterhin bezahlen. Die Stadt war wahrscheinlich nicht sonderlich an der Gründung eines Klosters interessiert, das meistens keine Steuern bezahlte und dazu noch viele Freiheiten hatte.

veröffentlicht am 26.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:44 Uhr

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Autor:

Manfred Willeke
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Beim Stadtbrand 1599 ist der Marienfelder Klosterhof mit abgebrannt und wurde vom damaligen Pächter Arend Stuckenberg wieder aufgebaut. Nachdem das Kloster in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, verkauften die Mönche alle Güter in der Grafschaft Pyrmont und den Klosterhof in Lügde an die Grafen zu Gleichen-Spiegelberg und Pyrmont. Diese verkauften den ehemaligen Marienfelder Klosterhof 1618 an den Bruder des vorigen Pächters, Andreas Stuckenberg. Im Dreißigjährigen Krieg ist das Haus völlig zerstört worden und musste nach 1634 abermals neu erbaut werden. Der Besitzer Andreas Stuckenberg geriet dadurch in Schwierigkeiten und Arnd Knedeisen übernahm das Haus, das er an den Stadtsekretär Burchardt Tropen weiterverkaufte. Anlässlich ihrer Heirat mit Stadtrichter Carl Seiler übernahm Tropens Tochter Klara Katharina das Haus. Erbe und Nachfolger war der gleichnamige Sohn Carl Seiler, der in Lügde als Organist tätig war. Ihm ist das Haus beim Stadtbrand 1797 abgebrannt und musste wieder neu errichtet werden. 1799 war es 233 Reichstaler wert und gehörte zu einem der prachtvollsten Häuser der Stadt. Es hatte keine große Dielentür wie die anderen Häuser, sondern war ein reines Wohnhaus. Die Räume waren vom (Kunst-)Maler Johannes Tognino ausgemalt worden, und jeder Raum war mit einem Kachelofen ausgestattet. Im vorderen Eckzimmer der ersten Etage, so ist es in der Familie Seiler überliefert, fanden regelmäßig Hauskonzerte statt, weshalb die Lügder das Haus fortan „Seilersches Musikhaus“ nannten. Nach dem Tode des Organisten Carl Seiler im Jahr 1821 verpachteten seinen beiden Söhne das Haus zunächst, bevor sie es dann verkauften. Gottfried Seiler erwarb daraufhin das Haus Vordere Straße 35 (Hotel Seiler, heute Hotel Stadt Lügde) und Dr. med. Otto Seiler zog als Kreisphysikus nach Höxter. Der neue Besitzer des Hauses war Dr. med. Caspar Rincheval, auf den die Lügder große Hoffnungen setzten, denn er sollte die ärztliche Versorgung in Lügde übernehmen. Bei der Choleraepidemie 1866 starb er allerdings als eines der ersten Opfer. Die medizinische Versorgung der Cholerakranken übernahm daraufhin die Heilpraktikerin Elisabeth Eva Hohmann, geborene Wittenberg, der es durch strenge Hygienevorschriften gelang, viele vor dem Choleratod zu bewahren.

Der nächste Besitzer des Hauses war dann Dr. med. Eberhard Gocke, dessen Erben das Haus bis in die 1990er Jahre besessen haben. In dem später eingebauten Ladengeschäft befand sich zunächst das Haushaltswarengeschäft Heribert Hasse, dann das Textilwarengeschäft Liek, eine Filiale einer Textilkette und eine Gaststätte.

Das historische Foto zeigt das Haus Nummer 26 an der Mittleren Straße im Jahr 1934 bei der Gewerbeausstellung.

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So sieht das Haus Nummer 26 an der Mittleren Straße heute aus.



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