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Der Kampf gegen Eis und Schmelzseen

Von oben tropft’s und unten ist’s noch lausig glatt

Lügde (jl). Glücklich all jene, die gestern nicht vor die Tür mussten. Denn vor allem auf den Nebenstraßen der Kernstadt, aber auch in manchem Ortsteil war es trotz des Tauwetters bei bis zu 3 Grad plus auf dem Pflaster stellenweise lausig glatt. Doch nicht alle rutschigen Ecken waren auf den ersten Blick als solche erkennbar. Deshalb geriet fast jeder Fußgänger ins Schlittern, der sich nach draußen traute. Auf der sicheren Seite waren da nur jene, die sich ein paar große, alte Stricksocken über die Schuhe zogen.

veröffentlicht am 06.01.2011 um 21:09 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 06:21 Uhr

Von der Kunst, den Abfluss zu finden: Stefan Schüttemeyer sticht ein Gitter frei, das unter einem mächtigen Schnee- und Eisberg
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Immerhin: Zumindest in der Notaufnahme des Pyrmonter Bathildiskrankenhauses schlug sich die Glätte nicht so extrem nieder wie befürchtet. Die Ärzte und Pflegekräfte der Notaufnahme mussten nur relativ wenige Patienten versorgen, die sich etwas gebrochen hatten. „Viele Leute haben offenbar die Warnungen beherzigt und sind zu Hause geblieben“, vermutete eine Mitarbeiterin. Allerdings hätte sich nach ihrem Eindruck so mancher Klinikpatient oder -besucher gewünscht, dass die Maulbeerallee besser geräumt wäre.

Auch in den Lügder Arztpraxen hielt sich die Zahl der Patienten mit Sturzverletzungen in Grenzen. Über „nur zwei Patienten mit Prellungen“ berichtete zum Beispiel Dr. Bertel Berendes. Allerdings nahm der Mediziner ein eigenes Erlebnis zum Anlass, um noch einmal ganz deutlich zu sagen: „Wer generell schlecht laufen kann oder gar mit Rollator unterwegs ist, sollte bei derart extremem Wetter gar nicht rausgehen. So wichtig kann kein Einkauf sein!“ Erst am Mittwoch habe er mit seinem Auto im Nordkreisel angehalten, um drei Rollator-Nutzern nacheinander über die Straße zu helfen, die auf dem Weg zu Aldi ins Schlingern gerieten.

So einige von denen, die gestern zu Fuß in den Lügder Seitenstraßen unterwegs waren, fragten sich, ob die Bauhof-Besatzung wohl Überstunden abfeierte. Aber weit gefehlt: Uwe Rinsche hatte seine Mitarbeiter bereits um 3.20 Uhr zum Winterdienst aus dem Bett geklingelt. Doch überall dort, wo noch Schnee und Eis lagen, half auch das Salzen nicht viel. „Wir haben morgens auch in den Nebenstraßen gestreut“, sagt Rinsche. Aber das Salz wirke eben nur an Stellen ohne Eispanzer. „Zum Gehen eignen sich eigentlich nur die Fahrrinnen“, räumt Rinsche ein.

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Helmut Gebauer hackt vor seiner Tür eine Rinne bis zum Loch, damit das Wasser ablaufen kann.

Nachdem die Männer vom Bauhof gestern mit dem Streuen durch waren, gingen sie – wie auch mancher Hausbesitzer vor seiner Tür – mit dem Spaten ans Werk, um diverse Regenwasser-Abflüsse freizulegen. Und das war ein echter Knochenjob, denn ein Gutteil der Gitter verbarg sich unter mächtigen Schneewällen. „Das ist noch ganz schön hart“, fand etwa Stefan Schüttemeyer, der in der Hinteren Straße im Einsatz war, während ein weiterer Trupp in der Vorderen Straße arbeitete und sein Chef Uwe Rinsche einen Abfluss an der Höxterstraße freihackte.

Das Orten der Gitter fiel den Männern indes nicht allzu schwer. Die gingen nach dem Gefälle im Pflaster und landeten in der Regel schon bald an der richtigen Stelle.

Ganz offensichtlich die falsche Stelle suchten sich allerdings auch gestern wieder einige Fahrer zum Halten. Weil am Vormittag ein Lkw die Pyrmonter Straße eine ganze Weile blockierte, wichen die stadteinwärts fahrenden Autos über den Rewe-Parkplatz aus, und ein Linienbus mit Ziel Bad Pyrmont wendete sogar, weil der an dem Laster nicht vorbeigekommen wäre.

Probleme hatten auch die Männer von der Müllabfuhr: Ihnen vermasselten raumgreifend geparkte Autos die Einfahrt in einige enge Straßen wie etwa die Seiler- und die Pfarrer-Nussbaum-Straße. Dort blieben die Tonnen voll. Denn, so ein Müllwerker: „Da wären wir entweder gegen eine Hauswand oder gegen ein Auto gefahren.“

Weil Schnee und Eis dann doch nicht so schnell tauten, blieb das Hochwasser gestern noch aus. Die Emmer-Pegelstände ausgangs des Schiedersees und in Bad Pyrmont hielten sich auf dem Niveau des Vortages.

Derweil sah auch Rudolf Brand die Schneemassen in 500 Metern Höhe auf dem Köterberg schmelzen. „Bei zwei Grad plus taut es hier mächtig“, meldete der Seniorchef des Köterbergshauses.

Übrigens: Einen vor Gericht einklagbaren Anspruch auf geräumte Straßen haben Nordrhein-Westfalens und damit auch Lügdes Bürger nicht. Erst am Mittwoch hat das Verwaltungsgericht Aachen entschieden, dass die Schneeräumung nur dann gerichtlich durchsetzbar ist, wenn eine konkrete Gefahr für Leib oder Leben besteht.



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