weather-image
21°

Heute ist der „Ehrentag der Pflanze“: Biologe Matthias Füller erklärt, welche Pflanzen in Lügde warum auf dem Rückzug sind

„Vom Feldthymian können wir uns verabschieden“

Lügde. Alles sprießt und blüht und endlich ist der Frühling zu spüren und vor allem zu sehen. Pflanzen sorgen jedes Jahr für die schönste Frühlingskulisse. Zwischen 320 000 und 500 000 Pflanzenarten gibt es auf der Erde. Den heutigen „Ehrentag der Pflanze“ nehmen die Pyrmonter Nachrichten zum Anlass, bei Matthias Füller, Leiter der Biologischen Station Lippe in Schieder-Schwalenberg nachzufragen, wie sich Lügdes Fauna in den letzten Jahrzehnten verändert hat und welche Pflanzen warum auf dem Rückzug sind.

veröffentlicht am 13.04.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:21 Uhr

270_008_7703405_pn306_1304.jpg

Autor:

von Julia Rau
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Natürlich gibt es dafür viele Gründe, einer ist die Veränderung der Lebensräume“, sagt der Diplom-Biologe. Die modernen Anbaumethoden verdrängten immer mehr die so genannten „Ackerbegleitpflanzen“. In den letzten 20 Jahren sei zudem Waldläusekraut, Hundsveilchen oder Feldthymian immer seltener vorzufinden. „Die Pflanzen, die sonst auf Magerrasen gediehen, haben uns fast schon verlassen“, sagt Füller. Die haben vor allem mit der Luftverschmutzung zu kämpfen. Nicht, dass sie wegen Autoabgasen eingehen würden, ganz im Gegenteil: „Über den Regen, der natürlich auch Stoffe aus der Luft wieder mit zur Erde bringt, bekommen diese Pflanzen eine so hohe Nährstoffversorgung, wie sie schon fast für eine halbe Grünlanddüngung ausreichen würde“, erklärt der Biologe. Mit Nährstoffen ist in erster Linie der Stickstoff gemeint. Die Zufuhr zu vieler Nährstoffe führt dazu, dass sich das Artinventar verändert und etwa „Hungerkünstler“, also Pflanzen, die normalerweise auf kargem Boden wachsen, immer weiter verschwinden.

„Wenn man sich die Wörmkeaue ansieht, kann man sehen, dass dort, wo früher Blütenpflanzen standen, heute eher Gehölze wachsen“, erklärt Füller. Und wieder ist der Mensch die Ursache: „Damals, etwa in den 1950er Jahren wurden diese Böschungen noch beweidet. Schafe und Ziegen grasten dort.“ Ohne diese Bewirtschaftung sind die hochwüchsigen Gräser, wie etwa der Adlerfarn wieder auf dem Vormarsch. Sie wachsen überall dort, wo die Beweidung eingestellt wurde. „Auf Böden über Sandsteinen bilden die auffälligen Böschungen der Wörmkeaue – gut zu sehen von der Straße zwischen Blankenburger Mühle und Elbrinxen – gab es früher blütenreiche Abschnitte mit Thymian, Färberginster und Knolligem Hahnenfuß.“ Viele der ehemaligen Standorte, etwa am Osterberg, dem Kirchberg oder am Winzenberg sind verschwunden, weil sie nicht mehr regelmäßig beweidet wurden, sagt Füller. „An den Hängen im Talkessel sieht man ganz deutlich, dass an vielen Stellen noch vor 30 oder 40 Jahren noch Magerrasen war, da die Flächen nicht mehr genutzt werden, dort Gehölze durchkommen.“ Insgesamt, so sagt Füller, „gewinnen in unseren Klimaten die Gehölze“. Einzig an Standorten, die gepflegt, also beweidet werden, könne man noch Blütenpflanzen retten. Diese sind wiederum wichtiger Lebensraum, Nahrungsquelle und Brutkasten für etliche Insekten.

„Vom Feldthymian können wir uns eigentlich verabschieden.“ Somit fehle auch den Thymian-Widderchen, eine Schmetterlingsart, Platz, um ihre Eier abzulegen. „Früher, etwa vor 20 Jahren, konnte man sie in der Wörmkeaue finden, heute kenne ich nur noch eine Flugstelle, an der sie sich die noch aufhalten“, so Füller.

5 Bilder
Feldthymian.


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?