weather-image
15°
Lügdes „Tag der offenen Moschee“ lockt jede Menge neugieriger Besucher an den Wall

Viele haben nicht nur über den Zaun geguckt

Lügde. Obwohl sie in diesem Jahr viel Werbung für ihren „Tag der offenen Moschee“ gemacht haben – mit so vielen Besuchern hatten die Mitglieder der muslimischen Gemeinde nicht gerechnet, erklärt Cemil Türkoglu.

veröffentlicht am 05.10.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 00:41 Uhr

Gastgeber und Besucher (v.li.): Yuniz Dincer, vor ihm sitzend seine Frau, stehend Merve Ucmaz, davor ihre Mutter Serife Ucmaz un

Autor:

Claudia Guenther
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Unter den Gästen waren auch einige Mitglieder der Lügder Feuerwehr, die von ihrem Mitstreiter, dem aktiven Feuerwehrmann Adil Simsek, eingeladen wurden, um bei dieser Gelegenheit mehr über seinen Glauben zu erfahren.

Im Juli frisch in Lügde aus Tokat (Schwarzmeerregion) angekommen ist der neue Hodscha Jakup Ucmaz mit seiner Frau Serife und der 13-jährigen Tochter Merve. Um die täglichen fünf Gebete mit den Gläubigen in der Moschee beten zu können, bewohnt der Vorbeter mit seiner Familie eine Wohnung in dem Gebäude am Wall. Fünf Jahre soll er in Lügde bleiben.

Ucmaz freut sich über die vielen Besucher, sorgt dafür, dass die Musik leiser gestellt wird und weitere Tische herausgetragen werden, um allen Gästen Platz zu bieten. Zwischendurch führt er gemeinsam mit dem dolmetschenden ehemaligen Vorsitzenden Yunis Dincer durch die Moschee oder hält das Mittagsgebet.

270_008_4869793_pn302_0510_5sp_cg_Moschee_5_.jpg
270_008_4869794_pn303_0510_5sp_cg_Moschee_6_.jpg

An den Tischen geht es bunt zu. Da sind Mitglieder der muslimischen Gemeinde im Gespräch mit Nachbarn, dem evangelischen und dem katholischen Pastor, mit Bürgermeister Heinz Reker und Ortsbürgermeisterin Birgit Platte sowie mit einigen Lehrern und Mitschülern.

„Wir gehen jedes Jahr hin, weil wir Nachbarn sind, nicht aus religiösem Interesse“, sagt Anja Hasse. „Wenn die ein Fest machen, dann sollte man das tun. Es gibt auch eine unheimliche Gastfreundschaft, fast überschwänglich.“ Kontakt zu finden sei aber trotzdem nicht einfach, auch wegen der getrennten Sitzordnung von Männern und Frauen. „Wenn man keinen kennt, ist es schwierig, ins Gespräch zu kommen“, deshalb setzt sie sich zu jemandem, den sie kennt. Die Männer hätten es da einfacher, denn Fußball sei immer ein Gesprächsthema. Manche Besucher trifft Anja Hasse jedes Jahr. Das sind die „Menschen, die Interesse an ihrem Umfeld haben“. Aber auch Überraschungen seien möglich. So traf sie erstaunt auf einen Bekannten, der ihr erklärte, sein muslimischer Geselle habe ihn eingeladen.

Bei der Führung durch die Moschee berichtet Yunis Dincer auch von der Arbeit mit muslimischen Kindern und Jugendlichen. Die würden an den Wochenenden nicht nur Unterricht über den Koran erhalten, sondern man lege viel Wert auf ihr gutes Benehmen gegenüber Erwachsenen, Nachbarn und Hilfsbereitschaft, das sei heutzutage leider nicht für alle selbstverständlich. „Doch wir leben alle zusammen in einer Welt. Was nützt es, wenn jemand Koran lesen kann und ist Terrorist?!“, so Dincer.

Stolz ist er darauf, dass seine Gemeinde für hungernde Menschen in Somalia 5100 Euro gespendet hat. Denn ein Moslem sollte etwa 2,5 Prozent seines Geldes sowohl der eigenen Gemeinde als auch Hilfsbedürftigen spenden.

Demnächst soll es in der Moschee eine theoretische Brandschutzübung geben, erzählt Löschzugführer Joachim Piel. Vielleicht finden sich dann ein paar Interessenten, die bei der Jugendfeuerwehr einsteigen wollen, wie damals sein Kollege Adil, hofft Piel.

Türkoglu berichtet über Freizeitaktivitäten mit den Jugendlichen. Außerdem erzählt er von einen kürzlichen Besuch einer Gruppe von zehn Polizisten, mit denen ein Austausch über das Verhalten bei Unfällen oder Todesfällen stattfand, wenn Muslime betroffen sind.

Alle zwei Jahre wählen die Männer der Gemeinde einen neuen siebenköpfigen Gemeindevorstand, so auch wieder Anfang 2012. Die Frauen organisierten ihre Angelegenheiten ebenfalls untereinander, erklärt Dincer.

Die Gastgeber sind sehr zufrieden über das große Interesse am „Tag der offenen Moschee“ und hoffen auf weitere Gelegenheiten zum Miteinander ins Gespräch kommen.

Links: Auch Lehrkräfte der Johannes-Gigas-Schule – hier Sarah Briese (Mi.) und Brigitta Wulf im Gespräch mit Cemil Türkoglu – gehörten zu den Besuchern. Rechts: Die süßen Spezialitäten waren den ganzen Tag über gefragt.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt