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Gesundheitsministerium bezieht klare Stellung / Ansturm auf die Spritze in Lügder Arzt-Praxen

Verwirrendes Impf-Chaos im Grenzbezirk

Lügde (jhe). Dürfen Patienten aus Niedersachsen von nordrhein-westfälischen Ärzten gegen die Schweinegrippe geimpft werden? Ja, sagen die Lügder Hausärzte Dr. Antje Ahrens und Dr. Bertel Berendes. Nein, meint die Leiterin des Gesundheitsamtes Lippe. Die Verwirrung ist groß im Grenzbezirk der beiden Bundesländer.

veröffentlicht am 03.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 20:21 Uhr

Katrin Brinkmeier (li.) lässt sich von der Impfassistentin Sabin
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„Uns hat noch kein Arzt oder Patient gefragt“, sagt Renate Stolze. Die Leiterin des Gesundheitsamtes gibt aber zu, nicht genau über die Regelung informiert zu sein. Zu viele Einzelfragen bezüglich Abrechnung, Nebenwirkungen oder Bestellungen seien im Rahmen der Impfaktion aufgetaucht, so dass sich wohl niemand über die Grenzregion-Problematik Gedanken gemacht habe, meint Stolze.

Da ist das Gesundheitsministerium in Düsseldorf allerdings anderer Meinung: „Es gab landesweit engste Kooperationen zwischen dem Ministerium und den Gesundheitsämtern“, sagt ein Sprecher. Stets sei der Standpunkt der Landesregierung klar gewesen, dass in Nordrhein-Westfalen niemand wieder nach Hause geschickt werde, der sich impfen lassen wolle. „Sogar Diplomaten, die nur wenige Minuten in Nordrhein-Westfalen sind, können sich hier impfen lassen.“

Zwar werden laut Ministeriumssprecher auch in NRW zunächst vorrangig medizinisches Personal, Polizei, Rettungskräfte und chronisch Kranke geimpft. Aber auch Patienten, die keiner Risikogruppe angehörten, „werden vom Arzt nicht wieder nach Hause geschickt“. Höchstens aus Unwissenheit könne so etwas vereinzelt mal passieren, so der Sprecher.

Befürchtungen, dass der Impfstoff für die eigenen Einwohner nicht ausreichen könnte, gibt es nicht. „Wir sind da bester Dinge“, gibt sich der Sprecher zuversichtlich. Zehn Millionen Dosen habe das Land bestellt, was für etwa 30 Prozent der Bevölkerung reiche – und das bei zweimaliger Impfung, die nach jetzigem Kenntnisstand bei Gesunden nicht nötig sei.

Anders als in Niedersachsen, wird die Verteilung des Impfstoffes in NRW über die Gesundheitsämter geregelt. „Wir nehmen die Bestellungen der Ärzte entgegen und teilen den Impfstoff zu“, erklärt Renate Stolze. Seit Beginn der Woche sei die Nachfrage sprunghaft angestiegen. Zwischen 4000 und 7000 Dosen stünden dem Kreis Lippe wöchentlich zu, sagt die Leiterin des Gesundheitsamtes. Die Anzahl werde anhand der Einwohnerzahl berechnet und sei davon abhängig, wie schnell neuer Impfstoff nachgeliefert werde.

Auch Dr. Bertel Berendes, der am 13. November mit den Impfungen beginnen will, bestätigt, dass die Nachfrage in dieser Woche enorm angestiegen ist. „Man kann es schon fast als Hysterie bezeichnen“, sagt der Lügder Hausarzt, der auch Patienten aus Bad Pyrmont hat. Schlagartig habe sich die Akzeptanz ganz deutlich erhöht. „Leute, die noch vor einer Woche die Impfung strikt abgelehnt haben, wollen nun am liebsten schon gestern geimpft worden sein.“ Auch die Praxis von Dr. Antje Ahrens wird von Impf-Willigen gestürmt. „Wir haben ganz viele Nachfragen und kommen kaum hinterher.“ 30 Patienten wurden gestern geimpft, zehn weitere haben einen Termin für Donnerstag und knapp 70 Patienten stehen auf der Warteliste. Als eine der ersten ließ sich gestern Katrin Brinkmeier die Spritze geben. Sie arbeitet in einer Zahnarztpraxis und hat täglich mit vielen Menschen zu tun. „Für mich ist es mit der Impfung sicherer. Vor allem, da auch die Nebenwirkungen nur gering eingeschätzt werden“, sagt sie.

Aber nicht nur die Zahl der Impfwilligen, auch die Zahl der Erkrankten hat sich laut Ahrens deutlich erhöht. „Täglich machen wir Abstriche“, sagt die Allgemeinmedizinerin. Hauptsächlich betroffen seien junge Menschen und Menschen mittleren Alters. Waren in der vergangenen Woche zehn aktuelle Fälle im Kreis Lippe gemeldet, waren es bis gestern schon zehn neue. Die Dunkelziffer schätzt Renate Stolze noch deutlich höher ein. „Theoretisch können alle Menschen, die Symptome eines grippalen Infektes haben, von der Schweinegrippe infiziert sein. Manche sind nur leicht erkrankt und gehen deshalb nicht zum Arzt“, so die Leiterin des Gesundheitsamtes. Insgesamt sind 210 Fälle von Schweinegrippe im Kreis Lippe gemeldet worden.

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