weather-image
13°

Ordnungsamtsleiter schlägt die Erarbeitung einer Gestaltungssatzung für Lügdes Innenstadt vor

Vernünftige Farben und Markisenverbot

Lügde. Was für Hameln so prächtig und vor allem reibungslos funktioniert, kann doch für Lügde nicht verkehrt sein. Das dachte sich zumindest Karl-Heinz Köhne, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales, als er am Montag in der Sitzung des Ausschusses Ordnung, Umwelt und Forsten mit Verweis auf die Rattenfängerstadt die Erarbeitung einer Gestaltungssatzung für Lügdes Innenstadt vorschlug.

veröffentlicht am 30.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 22:41 Uhr

270_008_6767094_pn310_3011.jpg

Autor:

von julia rau
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Wir haben natürlich die Vorgänge in Hameln verfolgt und sie thematisch bei uns anklingen lassen“, so Köhne. Er wollte zur Diskussion stellen, ob so etwas auch für Lügde in Frage kommt. So etwas, das heißt konkrete Regeln für Werbeschilder und Stühle im öffentlichen Raum, was Farbe, Größe und Standort betrifft. In Hameln sorgte die Satzung für großes Aufsehen unter den Bürgern und Einzelhändlern. Köhne war dennoch von der Richtigkeit dieser Art der Kontrolle überzeugt. In der Mittleren Straße würden sich einige Gastronomiebetriebe Biergärten wünschen, andere stellten schon jetzt im Sommer kleine Tische vor die Läden. Und damit das nicht unkontrolliert überhandnimmt, müssen eben Regeln her. Köhne begründete seinen Vorschlag vor allem im Hinblick auf die „Verkehrssicherheit“. „Man kann ja nicht die Fußgänger zwingen, auf die Straße auszuweichen“, sagte er.

Zudem seien in der Innenstadt zunehmend „Auswüchse festzustellen“, zum Beispiel „Abfallgefäße im Verkehrsraum“, sagte Köhne. Oder selbst gemachte Schilder. Dieses Argument kann man Köhne nicht absprechen. Einige Bürger lassen sich schon etwas einfallen, um sich ihren Lieblingsparkplatz zu sichern. Doch obwohl der Fachbereichsleiter betonte, dass „nicht alles minuziös geregelt“ werden muss, aber wenigstens Grundsätze geschaffen werden könnten, wird man bei seiner Vorstellung davon doch stutzig. Nur noch „vernünftige Farben“ sollen das Stadtbild zieren. Markisen und Sonnenschirme sollten seiner Meinung nach ganz verschwinden, da diese „im Stadtbild negativ auffallen“, wie er sagte.

Da jeder, der etwas auf den Gehweg stellen möchte, eine Sondernutzungserlaubnis brauche, könne man laut Köhne dort die Gestaltungssatzung vorschalten. „Gleiches kann auch für Ortsdurchfahrten gelten“, ergänzte er. Jetzt im Winter habe man Zeit, sich über eine Gestaltungsrichtlinie Gedanken zu machen. Nicht zu bestreiten ist, dass echte Verkehrsbehinderungen beseitigt werden müssen. Ob man für die Innenstadt deswegen aber gleich einen umfassenden Regelkatalog braucht, stellten die anwesenden Ausschussmitglieder doch sehr in Frage.

3 Bilder

„Solange der Verkehr nicht behindert wird, kann man vieles erlauben“, meinte Hermann Wenneker (CDU) dazu. Köhne verwies daraufhin auf die Häufigkeit der Verstöße. „Oft parken Fahrzeuge so, dass der Blindenstreifen verdeckt ist“ sagte er. „Dann müssen eben Verwarnungen ausgesprochen werden“, entgegnete Dr. Christian Tennie (CDU). Rüdiger Bode von der SPD hielt die Idee des Fachbereichsleiters ebenfalls nicht für sinnvoll: „Wir sollten froh sein, wenn man ein Tisch vor der Tür steht und man Leben in der Stadt hat“, meinte er und konfrontierte Köhne direkt: „Können Sie das denn nicht vom Ordnungsamt aus leisten, wenn ein konkreter Fall vorliegt?“ Köhne räumte ein, dass er nur 25 Verstöße gezählt habe, diese seien auch mit Bußgeldern oder Verwarnungen zu lösen.

Bei den ansässigen Gewerbetreibenden, die diese Satzung betreffen würde, ist man geteilter Meinung. „Die Mülltonnen und das Wild-West-Parken sind nicht okay, aber da muss man hingehen und die Leute verwarnen“, so Ines Weber, Geschäftsführerin eines Bekleidungsgeschäftes in der Mittleren Straße, „aber unser Schild lasse ich draußen“. Sie meint, dass durch Einschränkungen das Stadtbild eher leblos als schick aussähe. Ingrid Zimmermann von Ahrens meint sogar, „dass es gefährlich ist, in Lügde solche Regeln einzuführen“. Andererseits ist sie aber auch der Meinung, dass etwa Stühle im öffentlichen Raum „stilvoll“ sein sollten. Ein Dorn im Auge ist ihr nur die Parksituation. So geht es auch Jan Büsing, der im Vulcanos arbeitet. Zugunsten der Verkehrssicherheit würde er auch weniger Stühle vor den Geschäften in Ordnung finden, „aber das nimmt auch viel von der Atmosphäre in der Stadt“, fügt er hinzu. Um die macht sich der Apotheker Dr. Gerd Münninghoff nur Sorgen, wenn die Stadt mit Werbung überfrachtet würde. „Jetzt finde ich es noch nicht nötig, aber zukünftig sollte Lügde nicht mit bunten Schildern und Werbung zugepflastert werden. Es ist gerade erst schön gemacht worden, da muss man es ja nicht wieder verschandeln.“ Für das historische Antlitz würde Münninghoff auch ein einheitliches Farbkonzept begrüßen, wie er betont.

Diese „Auswüchse“ möchte Karl-Heinz Köhne nicht mehr sehen: oben eine kleine Sitzgelegenheit vor einem Geschäft. Sollte sie Fußgänger zwingen, auf die Straße auszuweichen, müsse sie weg. Rechts: Selbst aufgestellte Schilder einiger Lügder, die sich so ihren Lieblingsparkplatz sichern wollen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt