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Carmela de Feo macht im Klostersaal nicht nur aber vor allem den Mann an sich nieder

Verführung mit Motoröl und Grillanzünder

Lügde. „Sitz gerade! Oder willst du Glöckner werden?“ Während bei Peter Handkes Publikumsbeschimpfungen noch Kulturdeutschland in Lager spaltete, sorgte Carmela de Feo lediglich für schrille Lacher einerseits und den Drang des Opfers andererseits, den Lügder Klostersaal direkt durch den Boden zu verlassen. Und viele hatten die Chance, ihr Fett weg zu bekommen: „Ist das o. k., dass auch Jüngere hier sind, oder stören die euch?“ Auch wir: „Alle sind hoch konzentriert, die Einzigen, die Quatsch machen, seid ihr! Warum sitzen die Journalisten auch hier vorn und nicht irgendwo ganz hinten in einem Kabuff?“

veröffentlicht am 20.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 06:21 Uhr

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Autor:

Carlhermann Schmitt
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Aber was muss die Kabarettistin, die eine ADHS-Domina auf Ecstasy gab, ausgerechnet in dem Moment einmal still sein, in dem ich den Auslöser drücke und das melodische Klacken des Verschlusses genau jenem sprichwörtlichen Aufschlag einer Nadel entsprach. Sogar die sechste Reihe war gerade ruhig, wegen der Carmela de Feo um ein bisschen Saallicht bat: „Die nehmen mich nicht ernst dahinten.“ Aber auch die Kollegen wurden gescholten, weil sie mit dem Block kruschelten. Andere wurden aufgefordert: „Sagt das laut, wenn ihr dahinten feiert.“ So richtig dicke kam’s aber für Klaus: „Mit wem bist du hier?“, „Wer ist deine Betreuerin?“, „Was machst du in deiner Freizeit?“ Und sie ließ nicht locker, bis der Saal wusste, wo er wohnte und selbst was er im Garten zu tun hatte.

Da sie aber den Mann an sich so dermaßen niedermachte, kam jeder real existierende Gast in Lügde noch ausgesprochen gut weg. Carmela de Feo begann den Abend mit dem Vorschlag, Männer zu wichteln. Sie hielt es für sinnvoller, nach Motoröl und Grillanzünder zu riechen, um einen Mann zu verführen. Sie vertrat auch die Ansicht, dass der erste Mensch eine Frau gewesen sei. „Männer gab es keine im Paradies – deswegen heißt es ja Paradies.“ Das einzige Problem sei gewesen, dass jemand fehlte, der schuld sei – so prinzipiell.

Es wurde viel gelacht, teilweise fast hysterisch. Über Carmelas Sprüche und über die Gäste, deren Schamgrenze sie bisweilen auszuloten suchte: „Der da? Ja, der sabbert schon, haltet den fest, wenn ich an ihm vorbei gehe.“ Nein, es war mehr als eine Gruppensitzung. Carmela de Feo hatte auch ein Rumpfprogramm, aus dem sie zitierte: „Moses und das auserwählte Volk? Kann nicht sein, war keiner aus Lügde dabei.“ Sie referierte über die beste Freundin, den besten Ehemann und den besten Garten. Das sei der, in dem der beste Ehemann eingebuddelt sei. Und sie bewies ihre musikalischen Qualitäten an der Ziehharmonika und mit grandiosem Gesang.

Da blieb keiner im Publikum unberührt, wenn sie sang: „Mir doch egal.“

Carmela de Feo scharfem Blick entging nichts im Lügder Klostersaal.yt



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