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Chat-Protokolle zum Prozessauftakt

Vatertags-Prügelei :„…die Schläge ihres Lebens gekriegt“

DETMOLD / LÜGDE. Was am 25. Mai 2017 im Umfeld des Lügder Bahnhofs passiert sein soll, hat seinerzeit viele Menschen in Lügde schockiert: Damals sollen vier junge Männer eine andere Gruppe von Vatertagsausflüglern attackiert haben. Seit Freitag sitzen sie auf der Anklagebank im Landgericht Detmold.

veröffentlicht am 09.02.2018 um 21:05 Uhr

Die vier Angeklagten und ihre Verteidiger (v.re.) vor Verhandlungsbeginn: ein Pyrmonter (23), sein Anwalt Christian Walter, ein Lügder (18), sein Anwalt Dr. Heinz-Hermann Berghof, der zwei Lügder Angeklagte (23) mit Anwalt Gerhard Reese (nicht im Bil
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Die Polizei berichtete über den Vorfall erst rund zehn Tage später. Da hatte sie vier junge Männer als Beschuldigte ausgemacht.

Zum Prozessauftakt am Freitag sprach Staatsanwalt Alexander Görlitz von einem hinterlistigen Überfall und einer lebengefährenden Behandlung insbesondere des Hauptgeschädigten. Der 35 Jahre alte Mann aus Schieder war nach einem Faustschlag gestürzt. Als er schon am Boden lang, soll er weiter getreten worden sein. Er selbst bekam das nicht mehr mit. Er war bewusstlos. Die Folgen der Attacke: ein Jochbeinbruch, ein Nasenbein-Trümmerbruch und ein Knochenbruch der Augenhöhle. Immerhin sind seine Operationen gut verlaufen. Der zweifache Familienvater behält wohl keine bleibenden körperlichen Schäden zurück.

Die Große Jugendkammer unter dem Vorsitz von Richterin Anke Grudda muss nun herausfinden, was am Nachmittag dieses alkoholgetränkten Feiertags passierte infolge eines eigentlich beigelegten Streit, nachdem die Jüngeren am Lügder Bahnhof über die Gleise gelaufen und dafür aus der Gruppe heraus gerüffelt worden waren.

Einfach wird das nicht nach mittlerweile rund acht Monaten. Auch, weil alle Beteiligten auf ihren Vatertagsausflügen vorher Einiges getrunken hatten. Das kann die Erinnerung trüben. Etwa bei der Frage, wer wann von wem wohin geboxt und/oder getreten wurde.

Am Freitag sagten der damals am schwersten verletzte Nebenkläger, zwei seiner Freunde sowie sein Schwiegervater als Zeugen aus. Sehr viele verwertbare Erinnerungen haben sie nicht.

Zwei der Angeklagten schilderten ebenfalls ihre Versionen des Hergangs: ein Azubi (23) aus Bad Pyrmont und sein Kumpel, ein Jurastudent (19), ebenfalls mit Pyrmonter Wurzeln. Die anderen Angeklagten, zwei Brüder aus Lügde (heute 18 und 23 Jahre alt), äußerten sich nicht zur Sache. Der Ältere arbeitet nach seiner Lehre in der Lebensmittelfabrikation, der Jüngere ist noch in einer Ausbildung.

Interessant: die eklatanten Widersprüche zwischen den Schilderungen der beiden mutmaßlichen Haupttäter am Freitag und den später verlesenen Whatsapp-Chats aus den Tagen nach der Tat. Richterin Grudda nannte sie „eindrucksvoll“. Und fand: „Sie sprechen für sich.“

Die Pyrmonter gaben an, sich an Schubser und Beleidigungen aus der späteren Opfergruppe zu erinnern. Eigene Schläge stellten sie als eine Art Notwehr dar. Der Ältere wollte nach eigener Aussage den Streit schlichten, der Jüngere sagte, er habe teilnahmslos herumgestanden und sprach von einem Filmriss.

Die Chats der Heranwachsenden, einer davon aus der Gruppe „Knockout“, sprechen eine andere Sprache. Dort heißt es mit Blick auf den Hauptgeschädigten: „Ich kriege das Bild nicht aus dem Kopf, muss immer lachen“, „Wir haben mit sechs Schlägen vier Leute ausgeknockt“, „Wir kriegen locker Geldstrafen“, aber auch „Meine Hand war voll blutig“, „…haben die Schläge ihres Lebens gekriegt“. Und der Vorsatz: „Ich schlage mich, so lange das Verfahren läuft, nicht.“

Der Prozess geht weiter am Montag, 26. Februar, 9 Uhr.

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